Hrbcher

Aus dem Nhkstchen eines Strafverteidigers

Ferdinand von Schirach bleibt kein literarisches One-Hit-Wonder ? so viel steht fest! Entgegen der Erwartung vieler, die seinen letztj?hrigen Bestseller "Verbrechen" als einmaligen Versuch und Abstecher in die Schriftstellerei gewertet hatten, hat von Schirach zw?lf Monate sp?ter bereits den n?chsten Chartst?rmer pr?sentiert: "Schuld". Von Aufbau und Konzeption her gehorcht es demselben Prinzip wie der Vorg?nger. Von Schirach entnimmt aus seiner eigenen Praxis als Strafverteidiger eine Reihe von tats?chlichen F?llen, die als Kurzgeschichten verfasst dem Leser h?chst unterhaltsam aufbereitet und pr?sentiert werden. 

Im Vergleich zu "Verbrechen" hat von Schirach dieses Mal noch ein paar Geschichten draufgepackt. Mit f?nfzehn Kurzgeschichten erh?lt man dieses Mal vier Storys mehr als beim Vorg?nger. Allerdings muss erw?hnt werden, dass darunter dieses Mal auch einige sehr kurze Kurzgeschichten enthalten sind. Auf dem vorliegenden H?rbuch umfassen diese Miniaturen jeweils nur einen einzigen Track und unterschreiten in der gelesenen Fassung zum Teil sogar die F?nf-Minuten-Marke. Der H?rer freut sich dennoch, muss er doch bei "Schuld" gegen?ber dem Leser der Print-Ausgabe keine Abstriche machen, da das H?rbuch als ungek?rzte Lesung aller f?nfzehn F?lle produziert wurde. 

Von Schirach hat eine sehr bemerkenswerte Art zu erz?hlen: Er verwendet kurze und schn?rkellose S?tze, komplizierte Schachtels?tze oder hochtrabende Formulierungen sind ihm fremd. Stattdessen passt bei ihm jedes Wort, jeder Satz sitzt, und er hat die Gewissheit, dass der H?rer mit seinen Gedanken keineswegs abschweift, sondern bedingungslos der Stimme Burghart Klau?ners folgt. Das vorliegende H?rbuch wird n?mlich wie schon die vertonte Ausgabe von "Verbrechen" von Klau?ner mit der n?chternen Klarheit gelesen, die hervorragend mit von Schirachs Schreibstil harmoniert. Es finden sich unter den f?nfzehn F?llen einige derart abgedrehte Geschichten, die als Fiktion garantiert keinerlei Glaubw?rdigkeit h?tten. "Der Schl?ssel" ist eine solche Geschichte, die einem als Slapstick-Variante eines Tarantino-Plots erscheint, so grotesk und abwegig sind die Vorg?nge rund um die beiden Drogendealer, denen zun?chst ?u?erst ?bel geschieht, die dann aber letztlich als absolute Gewinner aus der Geschichte hervorgehen. 

Von Schirach zeigt an seinen F?llen durchweg, wie wohl ?berlegt und weise die V?ter des Strafgesetzbuches gehandelt haben, aber auch wie wichtig es ist, dass in Ausnahmef?llen eine gewisse Dehnbarkeit in den Begriffen gegeben ist, etwa in "Ausgleich", als die T?tung des tyrannischen Ehemannes im Schlaf der Frau als Notwehr ausgelegt werden kann. Dennoch sind in "Schuld" die rechtsphilosophischen Erg?sse sp?rlicher als noch im Vorg?nger, stattdessen l?sst von Schirach die Geschichten f?r sich sprechen. Es empfiehlt sich f?r den H?rer eigentlich nach jeder Geschichte das kurze Dr?cken der Stopp-Taste, um die Quintessenz der Story zu reflektieren und sacken zu lassen. 

Laut eigener Aussage nimmt von Schirach reale Geschichten aus seiner Praxis als Input, mischt, verfremdet, und ver?ndert Ort und Zeit und so manches Detail. Schlie?lich unterliegt auch er der Schweigepflicht des Anwalts und dies bedingt zumindest das Ab?ndern von Namen und den Alleinstellungsmerkmalen, so dass auch den findigsten Zeitgenossen eine Recherche im Internet verwehrt bleibt. Schlie?lich beginge von Schirach ansonsten ja selbst eine Straftat. 

In den kommenden Monaten wird bereits eine erste Geschichte aus dem ersten Werk von Schirachs den Weg in die deutschen Kinos finden. Doris D?rrie hat sich der Verfilmung von "Gl?ck" angenommen, weitere Projekte sind dar?ber hinaus nicht ausgeschlossen. So bleibt abzuwarten, was sich der schriftstellerisch sehr begabte Berliner Strafverteidiger zuk?nftig einfallen l?sst, um seine Leserschar weiterhin mit fesselnden Kurzgeschichten aus der prallen Wirklichkeit zu versorgen. 

Christoph Mahnel 
20.09.2010

 
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Das Buch:

Ferdinand von Schirach: Schuld

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Sprecher: Burghart Klauner
Hamburg: Osterwold audio Verlag 2010
Spielzeit: 216 Min., 19,95
ISBN: 978-3-86952-046-9

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