Hrbcher

Liebes Leben!

Miriam Meckel war bis vor kurzem wohl das, was man gemeinhin als "Powerfrau" bezeichnet. Die Kommunikationswissenschaftlerin besetzt einen Lehrstuhl an der renommierten Universit?t St. Gallen in der Schweiz und ist dort zugleich gesch?ftsf?hrende Direktorin. Dar?ber hinaus moderierte sie in der Vergangenheit verschiedene Sendeformate bei privaten und ?ffentlich-rechtlichen Fernsehsendern. In der breiten ?ffentlichkeit erschien sie bis dato dreimal exponiert im Rampenlicht, jeweils aus v?llig unterschiedlichen Gr?nden: Im Jahre 1999 wurde sie mit 31 Jahren Professorin f?r Publizistik- und Kommunikationswissenschaften an der Universit?t M?nster und damit die j?ngste Professorin Deutschlands. Im November 2007 erkl?rte ARD-Polit-Talkerin Anne Will ?ffentlich, dass sie mit Miriam Meckel liiert sei. In diesem Jahr erklomm nun ihr Buch "Brief an mein Leben" die Sachbuch-Bestsellerlisten in Deutschland und enth?lt ein pers?nliches Schicksal Meckels, da "Brief an mein Leben" die autobiographische Schilderung ?ber den Umgang mit ihrer k?rzlich erlittenen Burnout-Erkrankung zum Inhalt hat. 

Die vorliegende, gek?rzte H?rbuchfassung von "Brief an mein Leben" wird von Miriam Meckel selbst gelesen, was gr??tm?gliche Authentizit?t ?ber 288 Minuten garantiert. Meckel hat die Niederschrift ihrer Erlebnisse und Erkenntnisse bereits w?hrend ihres Klinik- und Therapieaufenthalts im Allg?u begonnen. Genug zu dokumentieren gab es sicherlich f?r sie in dieser Zeit: Als rastlose und multitaskingf?hige Frau haben die dort verordneten Inaktivit?tsphasen Meckel heftig ausgebremst. Man sp?rt in ihrer Schilderung zu Beginn des H?rbuchs f?rmlich die Unruhe, die in ihr herrscht, und die Ungeduld dar?ber, dass sie wertvolle Zeit verstreichen l?sst und oberfl?chlich gesehen verschwendet. Doch peu ? peu kehrt im Laufe des H?rbuchs auch die Ruhe in Miriam Meckel ein und erm?glicht ihr wichtige Erkenntnisse ?ber sich selbst und den Verlauf ihres bisherigen Lebens.

"Brief an mein Leben" ist ein Seelenstriptease der besonderen Art. Miriam Meckel geb?hrt h?chster Respekt f?r die Ehrlichkeit und Offenheit, mit der sie ihr Problem publik gemacht hat und mit der sie die ?ffentlichkeit an ihrer Regeneration teilhaben l?sst. Doch schreiben wir das Jahr 2010 und befinden uns in Deutschland in der "Post-Enke ?ra", in der es - ganz gleich ob Depression oder Burnout - m?glich ist, dass man Schw?chen zugibt und dass psychische Probleme einen nicht sofort als Verlierer dastehen lassen. Die Diskussionen, die vor knapp einem Jahr nach dem Freitod des Nationaltorwarts Robert Enke hierzulande gef?hrt worden sind, haben Meckel den Schritt an die ?ffentlichkeit sicherlich erleichtert. 

Meckel schildert nicht nur den Klinikalltag, sondern legt auch Jahre zur?ckliegende Ursachen dar, die sich f?r ihre Erkrankung verantwortlich zeigen. So ist zum Beispiel die Erkenntnis, dass ihre Unf?higkeit, Trauer zu verarbeiten, ein wichtiger Schritt f?r Miriam Meckel auf dem Weg zur?ck in ein gesundes Leben. Sie schildert diesbez?glich ihren Seelenzustand rund um das Sterben ihrer Mutter oder auch die Konfrontation mit dem pl?tzlichen Freitod einer guten Freundin. Gibt es etwas zu kritisieren an Meckels Einblick in ihr Innerstes, dann ist es sicherlich der Anspruch, mit dem sie selbst an dieses Buchprojekt herangegangen ist. Es entsteht der Eindruck, dass Meckel ihre Gef?hle und Erkenntnisse stets akademisch und in hochtrabenden S?tzen erkl?ren und in ein gr??eres Ganzes einordnen m?chte. Wenn sie Leits?tze der Erkenntnisphilosophie zum besten gibt oder vom Normativen im systemischen Kontext spricht, dann schaltet der gew?hnliche H?rer gerne ab oder wartet auf den n?chsten Track, in dem Meckels Gedanken wieder massenkompatibler werden. 

Es w?re sicherlich keine schlechte Idee, Miriam Meckels Brief an ihr Leben vielen Menschen hierzulande als Pr?ventionsma?nahme zu verschreiben, da der von ihr beschrittene Weg f?r viele leider vorgezeichnet ist. Nur K?nner werden die Balance zwischen Erfolg im Beruf und Ausgeglichenheit im privaten Leben meistern. Die meisten "Durchstarter" jedoch schaffen sich in Ermangelung von wirklichen Problemen auf Nebenkriegsschaupl?tzen realit?tsferne Probleme, die in ihrer Wirkung auf die eigene Physis und Psyche allerdings horrende Auswirkung haben k?nnen. Dazu beleuchte man nur die wenig lebensnahen, sondern vielmehr k?nstlich geschaffenen Probleme Miriam Meckels, die das Hamsterrad um sie herum immer schneller haben drehen lassen und ihr den Ausstieg nicht mehr erlaubten. Insofern eignet sich der Konsum des vorliegenden H?rbuchs hervorragend zu sp?ter Stunde oder auf einer Autofahrt durch die dunkle Nacht, um die passende Atmosph?re f?r die Rezeption der Gedankenwelt Miriam Meckels zu schaffen. 

Christoph Mahnel 
20.09.2010

 
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Das Buch:

Miriam Meckel: Brief an mein Leben. Erfahrungen mit einem Burnout

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Sprecherin: Miriam Meckel
Mnchen: Random House Audio 2010
Spielzeit: 288 Min., 19,95
ISBN: 978-3-8371-0473-8

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