Hrbcher

Schafe in Not!

Endlich: Die Schafe aus "Glennkill" sind zur?ck! Doch haben sie die saftiggr?nen Wiesen der irischen Insel verlassen und sind nach Europa ?bergesetzt. F?nf Jahre nach Erscheinen von "Glennkill", dem Deb?troman Leonie Swanns, hat sie mit "Garou" die Fortsetzung ihres Bestellers ver?ffentlicht. Der Titel deutet sprachlich schon an, was mit den Protagonisten aus "Glennkill" in der Zwischenzeit geschehen ist: Gemeinsam mit ihrer neuen Sch?ferin Rebecca haben sie zu ihrer lang ersehnten Europa-Reise angesetzt und weiden nun in Frankreich. Dort haben sie in der N?he eines Schlosses ihr Winterquartier bezogen. Allerdings haben sie sich ihren Ausflug nach Europa ganz sicher anders vorgestellt: Auf einer Nachbarweide grast eine Ziegenherde, die sich sehr distanziert, fast schon feindselig, den Schafen gegen?ber verh?lt. Und dann dringt auch noch die Kunde von einem Werwolf zu den Schafen durch: Ein "Loup Garou" soll im angrenzenden Wald sein Unwesen treiben und dort schon mehrere Rehe gerissen haben!

Zun?chst einmal ist "Garou" vor allem ein lange ersehntes Wiedersehen mit der Protagonistenschar aus "Glennkill". Alle sind sie wieder am Start: Miss Maple, Mopple the Whale, Othello, Cloud, Sir Ritchfield und der ganze Rest. Auch in "Garou" zeigt sich wieder, dass ein einzelnes Schaf alleine kaum etwas auszurichten vermag. Doch gemeinsam sind die Schafe unschlagbar, indem sie die St?rken der einzelnen Herdentiere ausnutzen: So ist Mopple the Whale zwar unerh?rt verfressen, aber als Ged?chtnisschaf unentbehrlich. Er kann sich Geh?rtes am besten merken und somit den Schafen stets in vollem Umfang berichten, was er scheinbar unbeteiligt an Gespr?chen unter Menschen aufgeschnappt hat. Und letztlich ist es wie auch schon in "Glennkill" Miss Maple, die aus den gesammelten Erkenntnissen die richtigen Schl?sse zieht.

"Garou" ist nat?rlich kein Thriller oder Krimi im herk?mmlichen Sinne. Klassische Spannungselemente finden sich wenige bis gar keine, obgleich die Ereignisse aus Schafssicht sicherlich h?chst spannend sind! F?r die Menschen sind die Parallelen zum Vorg?nger g?ltig: Wen "Glennkill" zu Begeisterungsst?rmen hingerissen hat, der wird auch bei "Garou" hin und weg sein. Wer sich allerdings schon bei "Glennkill" gelangweilt hat, den wird auch "Garou" nicht von den Socken hauen.

Leonie Swanns Erz?hlstil enth?lt viel hintergr?ndigen Witz, ist herrlich anders und macht daher aus "Garou" ein sehr unkonventionelles und ungew?hnliches Werk. Da werden scheinbare Belanglosigkeiten aus der Perspektive der Schafe geschildert, so dass der H?rer zun?chst ob der vordergr?ndigen Naivit?t der Schafe schmunzeln mag, aber dennoch gleichzeitig auch nachzudenken beginnt ?ber das, was Menschen als selbstverst?ndlich erscheint, von Schafen aber ganz unbek?mmert kommentiert und hinterfragt wird. Die Logik der Schafe ist einfach strukturiert, doch gleichzeitig verbl?ffend und beeindruckend. So ist ihre Taktik hinsichtlich des besten Schutzes vor Pistolen oder anderen Waffen simpel, aber garantiert lebensrettend: "Sieht man das Schie?eisen nicht mehr, so kann das Schie?eisen einen auch nicht mehr sehen".

Die vorliegende H?rbuchfassung ist eine wahre Meisterleistung der gerade als Tatort-Kommissarin Charlotte S?nger zur?ckgetretenen Andrea Sawatzki. Die Leistung ihrer grandiosen Lesung sucht auf dem deutschen H?rbuchmarkt ihresgleichen und kann getrost mit den Highlights eines Rufus Beck auf eine Stufe gestellt werden. Sie intoniert mit der Vielfalt ihrer Stimme unverwechselbar die verschiedenen Schafscharaktere und interpretiert dabei auch noch gelungen deren besondere Merkmale. So l?sst sie gerne auch mal die etwas restriktiveren Schafe und deren Dumpfheit stimmlich ?berzeugend r?berkommen. Gegen?ber "Glennkill" hat sie dar?ber hinaus noch die Herausforderung gemeistert, eine franz?sische Ziegenherde zum Sprechen zu bringen!

F?r Leser respektive H?rer von Leonie Swanns Romanen ist garantiert nichts mehr so wie es einmal war: Man wird f?r den Rest seines Lebens keine Schafweide mehr so unbedarft und unbehelligt passieren wie in der Zeit vor "Glennkill" und "Garou". Stattdessen wird man die Schafe genau und argw?hnisch beobachten ob der Gedanken, die sie gerade hegen, oder der Pl?ne, die sie gemeinsam schmieden.

Christoph Mahnel 
13.09.2010

 
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Das Buch:

Leonie Swann: Garou. Ein Schaf-Thriller

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Sprecherin: Andrea Sawatzki
Mnchen: Random House Audio 2010
Spielzeit: 375 Min., 19,95
ISBN: 978-3-8371-0223-9

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