Hörbücher

Ein holpriger Start

Thomas Mann, von allen Tommi genannt, ist ein ziemlich erfolgloser und verzweifelter Schriftsteller. Seine Freundin hat ihn verlassen, doch Tommi möchte dies nicht so recht wahrhaben. Sein Vater, der in Tommis Kindheit die Vaterrolle nur sehr stiefmütterlich ausübte, hat sich quietschfidel in einer Seniorenresidenz niedergelassen und bezirzt dort die gesamte Damenwelt. Zuvor hat er Tommi jedoch noch ein Wohnmobil und eine Putzfrau "vererbt". Swetlana ist nun zuständig für die Sauberkeit in diesem Wohnmobil, das Tommi angesichts seiner schriftstellerischen Erfolglosigkeit als Erstwohnsitz nutzt. Seine ukrainische Putzfrau, die über viele Lebensweisheiten aus dem slawischen Kulturkreis verfügt, aber immer noch mit der deutschen Grammatik auf Kriegsfuß steht, ist eine wichtige Bezugsperson in Tommis Leben, das ein wenig mehr Licht, Abwechslung und Herausforderungen ganz gut vertragen kann.

Als Tommi eines Abends Swetlana nach getaner Arbeit nach Hause fährt, sehen die beiden am Straßenrand ein Mädchen in den angrenzenden Wald huschen. Sofort gehen bei Tommi und Swetlana die Alarmglocken an und sie nehmen die Verfolgung auf. Völlig durchnässt, eingeschüchtert und des Deutschen nicht mächtig macht das Mädchen einen besorgniserregenden Eindruck auf die beiden. Die Polizei nimmt sich des Falles an und versucht die Eltern des Mädchens ausfindig zu machen. Es stellt sich heraus, dass das Mädchen aus einer Flüchtlingsunterkunft entflohen ist und ihre Mutter ebenfalls vermisst wird. Ohne auf die Polizei zu vertrauen, fühlen sich Tommi und Swetlana dem Mädchen verpflichtet und begeben sich eigenständig auf die Suche nach der Mutter. Dabei geraten sie in ein bedrohliches Geflecht von Korruption und in einen Strudel von Ereignissen, den die beiden angehenden Hobby-Detektive wahrlich nicht erahnen konnten.

Tommi und Swetlana sind die Schöpfungen von Volker Klüpfel, einer Hälfte des Allgäuer Erfolgsduos Kobr/Klüpfel, das mit den Kluftinger-Romanen bundesweiten Ruhm erlangt hat. Während sein Pendant Michael Kobr bereits seit einiger Zeit parallel zu den Klufti-Fällen als alleiniger Schriftsteller tätig ist, hat Volker Klüpfel nun seinen ersten Solo-Roman hingelegt. "»Wenn Ende gut, dann alles«" greift die Neigungen Swetlanas auf, zum einen mit Lebensweisheiten aus ihrem schier unerschöpflichen Fundus aufzuwarten und zum anderen fortwährend grammatikalische Stilblüten zu produzieren. Parallel zur Buchausgabe ist die vorliegende leicht gekürzte Hörbuchausgabe im Hörverlag erschienen. Auf zwei mp3-CDs und über knapp zehneinhalb Stunden darf sich der Hörer auf beste Unterhaltung einstellen. Die lediglich als Download zur Verfügung stehende ungekürzte Lesung weist lediglich eine gute Stunde mehr an Laufzeit auf.

Als Mann hinter dem Mikrofon ist mit Shenja Lacher für dieses Hörbuch ein Schauspieler am Start, der noch am Beginn seiner Sprecherkarriere steht. Es ist erfrischend, einer noch weitgehend unverbrauchten Stimme bei dieser neuen Roman- und Hörbuchreihe lauschen zu dürfen. Die Lesung von "»Wenn Ende gut, dann alles«" stellt dabei ob Swetlanas stark ukrainisch gefärbter Auftritte sogleich eine große Herausforderung dar. Doch brilliert Lacher bei dieser Aufgabe, indem er Swetlana stimmlich zum Leben erwecken lässt, so dass diese sich zur heimlichen Heldin in der aus Tommis Perspektive erzählten Geschichte aufschwingt. Auch wenn man ein Herz für Schwache und Außenseiter hat, wird man mit dem Ich-Erzähler nicht so recht warm, denn viel zu arg steht sich dieser mit seinem Selbstmitleid und seiner Behäbigkeit immer wieder selbst im Weg.

Mit "»Wenn Ende gut, dann alles«" hat Volker Klüpfel einen vielbeachteten Startschuss für seine eigene Serie abgegeben. Doch wer neue Kultfiguren à la Kluftinger erwartet, der wird (noch) enttäuscht werden. Zweifelsohne haben Tommi und Swetlana viel Potential, zumal es um die beiden Protagonisten noch einige Ungereimtheiten und Geheimnisse gibt, die sich womöglich in den Fortsetzungen auflösen werden. Verglichen mit Michael Kobrs auf Bornholm spielenden Solo-Reihe muss sich sein langjähriger Co-Autor aber erst mal hinter diesem einreihen. Im vorliegenden Roman ist der erwartungsgemäß hintergründig behandelte Kriminalfall etwas unausgegoren und konstruiert, aber auch die beiden Hauptdarsteller eiern ein wenig zu langatmig um den heißen Brei herum. Wenn Klüpfel hier demnächst stringentere Fäden zieht, werden alle Klufti-Anhänger garantiert auch Fans von Tommi und Swetlana!

Christoph Mahnel 
23.06.2025

 

Das Buch:

Volker Klüpfel: »Wenn Ende gut, dann alles«. Svetlana, der Dichter und der Fall mit dem einsamen Kind

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Sprecherin: Shenja Lacher München: Der Hörverlag 2025 Spielzeit: 620 Min., € 24,00 ISBN: 978-3-8445-5289-8

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