Hörbücher
Alles geklärt! Wirklich?
Fina Plank wird zu einem delikaten Tatort gerufen. In der Nähe eines Wiener Straßenstrichs finden sie und ihre Kollegen die Leiche eines alten Mannes in einem Auto vor. Es liegt auf der Hand, den Täter im Umfeld des horizontalen Gewerbes zu suchen. Tatsächlich können auch schnelle Ermittlungserfolge verbucht werden. Doch werden zeitnah weitere Männer im Alter des ersten Opfers tot aufgefunden, wobei es auch Beziehungen zwischen diesen zu geben scheint. Steckt Fina Plank etwa schon wieder inmitten einer Mordserie? Angesichts des häuslichen Unfriedens mit ihrer als Untermieterin schmarotzenden Schwester weiß Fina nicht mehr, wo ihr der Kopf steht. Da können sie auch die zarten Avancen ihres Kollegen Georg nicht so recht begeistern, obwohl Fina schon längst wieder einmal bereit wäre, sich auf einen Mann einzulassen.
"Teufels Tanz" lautet der Titel des dritten Falles aus der Serie um die Wiener Mordgruppe mit Fina Plank. Noch jung an Jahren ist die Protagonistin, doch hat sie in ihren beiden ersten Fällen bereits Serienmorde aufdecken müssen. Diese hat ihr Ursula Poznanski beschert, die österreichische Erfolgsautorin, die mit Fina eine einprägsame, weil untypische Hauptfigur geschaffen hat. Ihre größten Erfolge hat Poznanski in den vergangenen fünfzehn Jahren im Sektor Jugendbücher gefeiert. "Erebos" und viele andere Bücher, zu denen auch gerne Erwachsene greifen, haben sich stets wochenlang in den Bestsellerlisten festgesetzt. Doch hin und wieder produziert die Autorin auch Erwachsenen-Thriller, die ihren Werken für Heranwachsende in nichts nachstehen.
Das vorliegende, vom Argon Verlag herausgegebene Hörbuch beinhaltet auf zwei mp3-CDs eine leicht gekürzte Lesung über knapp zehn Stunden. Hinter dem Mikrofon sitzt - wie schon bei den Hörbüchern zu den beiden ersten Fällen - Julia Nachtmann. Die deutsche Schauspielerin ist eine gern gesehene Vorleserin, so liest sie auch regelmäßig die Taunus-Krimis von Nele Neuhaus ein. Im Kontrast zu ihrer Stimme stehen die gelegentlichen, stimmlich verzerrten Einschübe, wenn sich der Täter dem Hörer zuwendet. Dieses Wechselspiel gibt dem Hörer gegenüber den Ermittlern einen kleinen, aber entscheidenden Wissensvorsprung.
Der dritte Fall für Fina Plank verfolgt ein Muster aus den beiden ersten Fällen, schließlich hatte es dort bereits Serienmorde gegeben, in denen allerdings ein Todesfall jeweils nicht erklärbar war und dem überführten Täter nicht in die Schuhe geschoben werden konnte. Ergibt sich hier etwa ein übergreifender Zusammenhang viel größeren Umfangs, als sich Fina und die Ermittler vorzustellen wagen? Poznanski hat wieder einmal einen Plot und Charaktere geschaffen, deren Handeln sehr gut nachvollziehbar ist und die mit ihren Stärken und Schwächen glaubwürdig rüberkommen. Insbesondere Finas Schwester sorgt bei Lesern und Hörern mit ihrem Gebaren für Aggressionen, was der beste Beweis dafür ist, dass die Autorin alles richtig gemacht hat.
Am Ende dieses Falles, der angeblich den Abschluss der als Trilogie angelegten Reihe um Fina Plank bilden soll, scheint eigentlich alles geklärt, doch macht ein allerletztes Detail die Tür zumindest wieder einen Spalt weit auf. Die Autorin mag damit entweder ihrer Trilogie ein letztes Augenzwinkern ans Ende gesetzt oder sich die Möglichkeit offen gehalten haben, die Reihe doch noch ein wenig weiterzustricken. Die Zukunft wird es sicherlich zeigen, doch gemäß der bekannten Produktionstaktung von Ursula Poznanski ist nun im nächsten Schritt erstmal wieder ein Jugendbuch an der Reihe. Unabhängig vom Genre traten auch in diesen drei in Wien spielenden Thrillern die Zutaten ihrer Erfolgsformel deutlich zutage: Klarer Fokus auf die wichtigsten Charaktere, stringente Handlungen, keine hochfliegenden literarischen Ambitionen, stattdessen folgt sie konsequent ihrer Maxime, Leser und Hörer bestmöglich unterhalten zu wollen. Dies ist Ursula Poznanski erneut vortrefflich gelungen!
Christoph Mahnel
12.05.2025
