Hrbcher

Die unertrgliche Last von Millionen

Gerade wird Mona Lang noch übel mitgespielt, winkt ihr nur kurze Zeit später schon ein finanziell sorgenfreies Leben. An der mehrmonatigen Affäre ihres langjährigen Freundes Bernd hat Mona gewaltig zu knabbern, da wird sie von einer unerwarteten Erbschaft überrascht. Klara Hacker, ihre entfernte Großtante aus München, hat mit weit über Neunzig das Zeitliche gesegnet und Mona zur Alleinerbin ausgerufen. Diese Info lässt Mona noch nicht erahnen, was dies für sie bedeuten wird. Bei der Testamentseröffnung erfährt sie, dass sie ein Mehrfamilienhaus in bester Münchener Stadtlage geerbt hat, der Euro-Wert des Schwanenhauses lässt sich in etwa auf einen zweistelligen Millionenwert taxieren. Kurzerhand siedelt Mona von Berlin nach München um und beginnt dort ein neues und zunächst gänzlich unbelastetes Leben. Doch was in aller Welt hatte Klara in ihrem Testament damit sagen wollen, dass Mona schon wisse, was sie mit dem Schwanenhaus machen werde?

Zur gleichen Zeit übergibt in Hamburg Sabine ihre Großmutter in die Obhut einer Senioreneinrichtung. Dabei bekommt sie mit, wie die immer dementer werdende Dame ein scheinbares Familiengeheimnis andeutet. War etwa ihr vor kurzem verstorbener Vater Karl gar nicht Omas Sohn? War dieser in den Wirren des zu Ende gehenden Zweiten Weltkriegs bei der Flucht gestorben? Wer aber war dann ihr Vater? Aus ihrer Großmutter wird Sabine die Wahrheit nicht mehr herausbekommen. Dafür muss sie tief recherchieren und über Omas Tagebücher in die Familiengeschichte abtauchen; genauso wie Mona in München, die ob der gehässigen Kommentare aus ihrer eigenen, enterbten Familie verstehen möchte, wie ihre Großtante Klara beziehungsweise deren Eltern Ende der dreißiger Jahre in den Besitz dieses Hauses gekommen waren. Die Vorbesitzer, eine jüdische Familie mit Klaras damals bester Freundin Miriam, hatte unter mysteriösen Umständen von einem Moment auf den anderen ihr Zuhause, ihr Geschäft und München verlassen müssen. Als Mona schließlich einem geheimen Abkommen zwischen zwei Ehrenmännern auf die Spur kommt, rotiert die Nadel ihres moralischen Kompasses bereits auf Hochtouren.

Ellen Sandbergs neuester Roman "Das Erbe" begibt sich auf eine Reise in die Wirrungen mehrerer miteinander verflochtener Familienschicksale. Der Autorinnenname ist das Pseudonym, das die Münchener Schriftstellerin Inge Löhnig seit einigen Jahren sehr erfolgreich für ihre spannenden Familienromane verwendet. "Das Erbe" ist nach "Die Vergessenen" und "Der Verrat" bereits der dritte Bestseller binnen zweier Jahre, den Löhnig als Ellen Sandberg herausgebracht hat. Das vorliegende Werk ist ähnlich wie die beiden Vorgänger auf mehreren Ebenen aufgebaut, die sich im Laufe der Geschichte immer weiter annähern. Neben den Geschehnissen um Mona sowie Sabine im Hier und Jetzt sind dies die Rückblenden in die dreißiger und vierziger Jahre, als Klara Hacker in München schicksalshafte Jahre verbrachte. Eingebettet darin werden immer wieder Briefe von Klaras bester Freundin Miriam aus dem englischen Exil, so dass sich den Lesern und Hörern wie der Protagonistin Mona peu à peu die Wahrheit erschließt.

Das vorliegende Hörbuch wurde parallel zum Erscheinen des 500 Seiten umfassenden Buches herausgebracht. Die Variante als mp3-CD kommt mit leichten Kürzungen und als knapp elfstündige Lesung daher, während ein im Internet zu erwerbender Download gar die Vollversion mit etwas mehr als 14 ½ Stunden bereithält. In beiden Fällen betätigt sich Thomas M. Meinhardt als Sprecher, in gewohnt überzeugender Manier transportiert er wie schon in den beiden genannten Vorgängern Sandbergs die Spannung der sich über mehrere Jahrzehnte und die gesamte Republik erstreckenden Familiendramen. Es gelingt einem als Hörer kaum noch, Pausen einzulegen, stattdessen möchte man erfahren, ob sich die befürchteten Vermutungen rund um das Schicksal der jüdischen Familie Roth tatsächlich bestätigen und wie die moralisch hochgradig integre Mona mit der Last dieses Erbes umgehen wird.

Inge Löhnig ist eine Meisterin, was die Herausarbeitung und Darstellung von Charakteren betrifft. Mit wenigen Worten und der Beschreibung einiger markanter Situationen ist einem rasch klar, welche Persönlichkeiten die Geschichte bevölkern. Das Verwirrspiel zwischen Berlin, Hamburg und München während der Dreißiger und Vierziger sowie der Gegenwart ist geschickt und sehr nachvollziehbar angelegt. Manche Autoren verheben sich an solchen Konstellationen gerne auch einmal, wenn sie es allzu komplex anlegen möchten. Doch nicht Ellen Sandberg! Sie hat ihre Charaktere und die zeitlichen Ebenen voll im Griff und begeistert neuerlich mit einem spannenden Familienroman, der gleich nach dem Konsum die Vorfreude auf kommende Werke aus der Feder der Autorin schürt.

Christoph Mahnel 
25.11.2019

 
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Das Buch:

Ellen Sandberg: Das Erbe

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Sprecher: Thomas M. Meinhardt Mnchen: Der Hrverlag 2019 Spielzeit: 657 Min., 14,99 ISBN: 978-3-8445-3535-8

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