Hrbcher

Ein Hrjuwel von groer emotionaler Intensitt und wertvollster Seltenheit

Irgendwo in den USA; es ist das Jahr 1830. Mary ist an harte Arbeit gewöhnt. Sie kennt es nicht anders, denn ihr Leben auf dem Bauernhof der Eltern verläuft karg und entbehrungsreich. Jeder Tag ist für das Mädchen und ihre Schwestern ein Kampf, insbesondere gegen den herrischen Vater. Der wünscht sich nichts sehnlicher als einen Sohn, aber seine Gattin schenkte ihm bislang nur fünf Töchter. Mary ist die ihm verhassteste. Da bietet sich ihr die Gelegenheit zu einer Art Flucht. Als Mary fünfzehn wird, ändert sich alles. Sie zieht in den Haushalt des örtlichen Dorfpfarrers, um dessen Ehefrau zu pflegen und ihr Gesellschaft zu leisten. Bei ihr, einer zarten, mitfühlenden Kranken, erfährt Mary erstmals Wohlwollen und Anteilnahme. Und sie wächst über sich hinaus.

Für Mary eröffnet sich eine neue Welt sowie ungeahnte Chancen auf ein besseres Leben. So bringt der Pfarrer ihr Lesen und Schreiben bei. Er widmet Mary seine meiste Zeit. Mit dem Tod seiner Frau nimmt Marys Dasein eine dramatische Wendung. Plötzlich wird der Hausherr ihr gegenüber aufdringlich. Er berührt sie unsittlich und kommt sie des Nachts besuchen. Mary ist ihm hilflos ausgeliefert. Ihre Versuche, ihm und seinen Annäherungsversuchen zu entkommen, scheitern über Monate hinweg. Sie scheint zu schwach. Mary kann niemandem von ihrem Leid erzählen. Sie ist auf sich allein gestellt. Ihr Dasein erscheint ihr schon bald als Hölle auf Erden, dazu verdammt den Pfarrer in allen Belangen zu befriedigen. Bis Mary zu einer Verzweiflungstat getrieben wird ...

Literatur, die selbst die Werke einer Alice Walker ("Die Farbe Lila") zu übertreffen vermag - kaum eine Autorin steckt in ihre Geschichten mehr Emotionen als Nell Leyshon. Ihre Romane gehören zum Besten, aber auch Dramatischsten, was man auf die Ohren kriegen kann. Das Debüt "Black Dirt" stand auf der Longlist des Orange Prize und auf der Shortlist des Commonwealth Prize. Ihre Theaterstücke und Hörspiele erhielten ebenfalls zahlreiche Auszeichnungen. Für "Die Farbe von Milch" wurde sie neben James Salter und Zeruya Shalev für den Prix Femina nominiert. Doch erst durch Sprecherin Laura Maire werden die knapp fünf Stunden Spielzeit zu einem Hörerlebnis, das kein Auge lange trocken lässt. Beim Lauschen fließen bei einem die ganze Zeit die Tränen.

Unterhaltung ist selten betörender ist als mit den Geschichten aus Nell Leyshons Feder. Sobald eine im CD-Player liegt, braucht man mehrere Tempos-Packungen. "Die Farbe von Milch" ist ein Hörjuwel, dem man partout nicht widerstehen kann. Steht dann auch noch Laura Maire am Mikrofon, weint man regelrecht Sturzbäche von Tränen vor lauter Hörglück. Ihre Lesungen bedeuten Poesie in ihrer schönsten Form. Diese kommen einer Verführung für alle Sinne gleich. Ab der ersten Spielminute ist man ganz überwältigt ob solch großen Gefühlskinos sowie grandioser Sprecherkunst. Da bricht einem sogar das Herz!

Susann Fleischer 
01.04.2019

 
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Das Buch:

Nell Leyshon: Die Farbe von Milch. Aus dem Englischen von Wibke Kuhn

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Sprecherin: Laura Maire Mnchen: Random House Audio 2019 Spielzeit: 278 Min., 14,99 ISBN: 978-3-8371-4276-1

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