Hrbcher

Die Schuld, die niemals endet

Pia, Birgit und Ariane genannt Nane sind drei Schwestern aus Frankfurt-Sachsenhausen, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Pia, die älteste der drei, stets berechnend, kühl und rational ist der komplette Gegenentwurf zu Nane, der jüngsten Schwester, die emotional und irrational daherkommt. Dazwischen steht Birgit als die moderierende aus dem Trio. Doch eines ist allen drei Schwestern gemein, der Fluch über das Liebesglück der Frauen der Familie, herbeigeschworen von der Mutter, die mit dem Umgang ihres eigenen Liebeslebens wohl nicht unschuldig an den Ereignissen war, die über die drei Schwestern im Sommer 1998 hereinbrechen sollten.

Nach ihrem Ehe-Aus hatte Nane mit Thomas, einem viel älteren Weingutbesitzer, eine Affäre begonnen, stürmisch und leidenschaftlich, jedoch nur von temporärem Charakter. Zufällig begegnen sich wenig später Thomas und Pia und verlieben sich ineinander. Das Zerwürfnis unter den Schwestern ist nach Bekanntwerden der unglückseligen Konstellation riesengroß. Schließlich verunglückt kurz nach der Hochzeit von Pia und Thomas dessen Sohn aus erster Ehe tödlich. Eine Manipulation der Bremsen war verantwortlich für diesen verhängnisvollen Unfall. Nane, die diesen Eingriff in böser Absicht für ihre Schwester Pia unternommen hatte, wird verurteilt und wandert lebenslänglich hinter Gittern. Als sie 20 Jahre später im Jahre 2018 wieder auf freien Fuß gelangt, ist das Idyll von Thomas und Pia in ihrem Weingut an der Saar sehr fragil. Ein Geheimnis, das zwei Jahrzehnte zwischen allen Beteiligten stand, drängt mit Macht an die Oberfläche. Der Tag der Wahrheit scheint gekommen und wird fatale Konsequenzen haben.

"Der Verrat" ist der zweite Roman von Ellen Sandberg, einer Münchener Schriftstellerin, deren Pass auf Inge Löhnig ausgestellt ist. Unter ihrem richtigen Namen ist die Autorin seit mehr als einem Jahrzehnt erfolgreich, insbesondere ihre Krimis mit dem Ermittler Konstantin Dühnfort erfreuen sich großer Beliebtheit. Um ihre Werke, die sie in der Kategorie "Spannende Familienromane" schreibt, davon abzugrenzen, hat sie sich besagtes Pseudonym zugelegt. Erstmalig trat sie damit vor gut einem Jahr mit dem Roman "Der Vergessenen" in Erscheinung. Ihr neuestes Werk war nun nach dem Erfolg des "Debüts" mit großer Erwartung herbeigesehnt worden. Die herausgebenden Verlage haben dabei für eine zweigleisige Veröffentlichung gesorgt: Neben der Print-Ausgabe ist beim Hörverlag die vorliegende, leicht gekürzte Audio-Fassung produziert worden. Über mehr als zehneinhalb Stunden trägt Thomas M. Meinhardt die spannungsgeladene Geschichte dieser zerrütteten Familie vor.

Ellen Sandberg hat den Plot auf zwei zeitlichen Ebenen aufgezogen, vor dem Unglück und nach der Freilassung Nanes. Die beiden Erzählstränge werden im gleichberechtigten Wechselspiel parallel entwickelt und konvergieren peu à peu. Die Geschichte lebt natürlich von der Spannung und dem anfangs lediglich angedeuteten, später immer präsenter werdenden Familiengeheimnis. Es liegt vieles im Argen, nicht nur zwischen den drei Schwestern und ihren Eltern, sondern auch in Thomas´ Familie, in der Erbstreitigkeiten und Todesfälle alle erdenklichen Konstellationen in der Familie erschüttert haben. Man braucht als Hörer anfangs schon einen Notizzettel, um aller Personen Herr zu werden und den Überblick über die teilweise schiefstehenden Familienhierarchien zu bewahren.

Die Autorin beweist mit "Der Verrat", dass sie in ihrer Ellen-Sandberg-Linie nach "Die Vergessenen" noch einen weiteren Bestseller nachlegen konnte. Hat man einmal die zeitlichen Ebenen und die komplexen Familienbeziehungen für sich sortiert, bietet einem das vorliegende Hörbuch dank der runden Story und des eindringlichen Sprechervortrags einen hohen, weil sehr kurzweiligen Unterhaltungswert. Darüber hinaus ist dem Hörverlag mit seiner Kürzungsarbeit eine respektable Bearbeitung der Buchvorlage gelungen. Die Welt der Protagonisten ist erfreulicherweise nicht streng in Gut und Böse unterteilt, so dass der Hörer sich sein eigenes Bild über die Charaktere mit Stärken und Schwächen machen kann und seine persönlichen Sympathie- und Antipathiepunkte verteilen darf. Es wäre Inge Löhnig zu wünschen, dass sie an ihrem Alter Ego Ellen Sandberg Gefallen gefunden hat und auch zukünftig weitere spannende Familiengeschichten unter ihrem Pseudonym produziert.

Christoph Mahnel 
04.03.2019

 
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Das Buch:

Ellen Sandberg: Der Verrat

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Sprecher: Thomas M. Meinhardt Mnchen: Der Hrverlag 2018 Spielzeit: 638 Min., 14,99 ISBN: 978-3-8445-3203-6

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