Hrbcher

Schne sndige Glitzerwelt

Hollywood, 1921. Hardy Engel heißt eigentlich Reinhard und kommt aus Deutschland. Er ist eigentlich auch kein richtiger Privatdetektiv, sondern Schauspieler. Doch fehlende Engagements haben ihn finanziell in die Enge getrieben, so dass er sich eine Nebenbeschäftigung suchen musste. Diese Nebenbeschäftigung wird mit dem ersten Fall, den er übernimmt, schnell zu einer Hauptbeschäftigung - die ihn noch dazu in Lebensgefahr bringt.

Zu Beginn hört sich alles recht harmlos an: Er soll die Freundin seiner Auftraggeberin aufspüren und zurück nach Hollywood bringen. Es handelt sich dabei um keine Geringere als Virginia Rappe, eines der gefragtesten Starlets der Stummfilmära. Dem noch ein wenig ungeübten Privatermittler ist das Glück hold, und er stößt bereits kurze Zeit später auf einer Hollywood-Party in San Francisco auf die Schauspielerin. Doch sie ist in keiner guten Verfassung: Stark alkoholisiert und leicht aufgelöst, klagt sie über starke Unterleibsschmerzen. Noch in derselben Nacht stirbt sie im Krankenhaus.

Der bekannte Regisseur und Schauspieler Roscoe "Fatty" Arbuckle, auf dessen Party Virginia sich befand, wird nicht nur der Vergewaltigung, sondern auch des Mordes an seiner Schauspielkollegin angeklagt. Hardy Engel, der die letzten Stunden im Leben der Virginia Rappe miterlebt hat, zweifelt an den Anschuldigungen, die durch die Boulevardpresse noch zusätzlich angeheizt werden, und nimmt die Ermittlungen im Fall Rappe auf.

Was diesen historischen Krimi so besonders macht, ist, dass er auf einem wahren Fall beruht, der das junge Hollywood in den Roaring Twenties erschütterte. Natürlich nimmt sich Christof Weigold bei seinem Debütroman auch schriftstellerische Freiheiten heraus, doch wer einmal kurz im Internet recherchiert, wird schnell herausfinden, dass der wahre Fall "Fatty Arbuckle" und Hardy Engels Falls in den Eckpfeilern übereinstimmen. An der schönen Scheinwelt namens Hollywood hat sich in den letzten einhundert Jahren ganz offensichtlich nicht viel geändert. Um die Fassade zu wahren und große Gewinne einzufahren, wird von den Studios alles getan, um Skandale um jeden Preis zu vermeiden und zu vertuschen - auch wenn es dabei um Menschenleben geht.

Die gekürzte Hörbuchfassung des über 600 Seiten starken Romans bringt es auf fast 16 Stunden Hörvergnügen. Ein Vergnügen ist es nicht zuletzt auch wegen des fantastischen Sprechers. Uve Teschner kann sowohl dem abgebrühten Bootlegger als auch der hysterischen Schauspieldiva die perfekte Stimme verleihen und damit der gesamten Lesung das Flair eines Hörspiels.

Weigold, der bisher hauptsächlich als Drehbuchautor, u.a. auch für die Harald-Schmidt-Show, tätig war, hat mit "Der Mann, der nicht mitspielt" einen höchst atmosphärischen historischen Kriminalroman vorgelegt, der mit dem Untertitel "Hardy Engels erster Fall" Hoffnungen auf eine Fortsetzung weckt. Gerne weiter so!

Sabine Mahnel
19.03.2018

 
Diese Rezension bookmarken:

Das Buch:

Christof Weigold: Der Mann, der nicht mitspielt

CMS_IMGTITLE[1]

Sprecher: Uve Teschner
Berlin: Der Audio Verlag 2018
Spielzeit: 942 Min., 22,00
ISBN: 978-3-7424-0416-9

Diesen Titel

Logo von Amazon.de: Diesen Titel können Sie über diesen Link bei Amazon bestellen.