Bildbnde

Das Land zwischen Shinto und Nintendo

Zahlreiche Gesellschaftswissenschaftler vertreten die These, dass wir mit jedem Land auf unserer Erde und seinen Bewohner mindestens zwei allgemein bekannte Vorurteile verbinden. Eines der beiden ist hierbei generell positiv, das andere stark negativ. Das Reich der aufgehenden Sonne scheint in dieser Beziehung jedoch eine Ausnahmestellung zu genießen. Denn hier finden sich zwei durchaus positiv gefärbte stereotype Konzepte, die sich im Grunde genommen gegenseitig ausschließen. Einerseits ist das Land für seine beeindruckend hochtechnisierten Metropolen und andererseits für seine Verbundenheit mit jahrhundertealten Traditionen bekannt. Und selbstverständlich gibt es noch den Einfluss des Westens, dem sich Japan auf der einen Seite beharrlich verschließt, während ihn die Inselnation in anderen Bereichen geradezu gierig in sich aufzusaugen scheint. Und dies oftmals mit dem Zweck, ihn mit der eigenen Kultur zu etwas ganz Eigenem zu kombinieren.

Aber wie gelingt es der japanischen Gesellschaft, ihre hypermoderne und ihre traditionelle Seite unter einen Hut zu bringen? Und wo findet ein Koexistieren und wo eine Abgrenzung statt? Wer "Japan zwischen Tradition und Moderne" zur Hand nimmt, wird es erfahren. Und zwar nicht anhand überlanger, fader Traktate über die komplex strukturierte Kultur des Landes der aufgehenden Sonne, sondern mit der Hilfe von über 200 faszinierenden Fotografien, die das geradezu in sich widersprüchliche Land in all seinen Facetten zeigen.

Die Mädchen in Schuluniform, die den Betrachter zuallererst entgegenlächeln, werden viele, die sich schon mit der Kultur Japans beschäftigt haben, bereits mit dem hochtechnisiert-traditionsverbundenen Inselstaat verbinden. Doch "Japan zwischen Tradition und Moderne" bietet noch viel mehr. Die wunderbaren Aufnahmen von japanischen Shintō-Pavillions und ihren harmonischen Gärten, von traditionellen japanischen Festen sowie den bizarreren Auswüchsen urbaner Architektur werden mit Sicherheit auch gestandene Japan-Kenner bezaubern. Und auch einen Blick auf die japanische Ess- und Kochkultur bietet der faszinierende wie umfangreiche Bildband. Zudem ist eines klar: Auch die mittlerweile so gut wie obligaten Cosplay-Szenen dürfen selbstverständlich nicht fehlen.

Wie kann man das Lebensgefühl und die Kultur Japans in nur rund 230 Bildern zusammenfassen? Das Team von National Geographic hat sich tapfer dieser schier unmöglichen Aufgabe gestellt und das Ergebnis könnte gelungener nicht sein. Manchmal nachdenklich stimmend, manchmal amüsant und manchmal schlicht atemberaubend, so kommen die durchweg in exzellenter Qualität auf Fotofilm gebannten Aufnahmen daher. In ihrer Gesamtheit ermöglichen sie so eine Illustration der dualen, oft regelrecht schizophrenen Natur von Japan, die nicht nur durch ihre Anschaulichkeit sondern auch durch ihre Unterhaltsamkeit schlicht betört und bezaubert. Ein absolutes Muss für jeden Freund wunderbarer Fotografie mit Interesse an japanischer Kultur und Lebensart, vom Japan-Einsteiger bis zum eingefleischten Kenner.

Johannes Schaack
14.03.2011

 
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Das Buch:

Valeria Manferto de Fabianis (Hg.): Japan. Zwischen Tradition und Moderne. Aus dem Italienischen von Jessika Zollickhofer

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Hamburg: National Geographic 2010
288 S., 12,95
ISBN: 978-3-86690-200-8

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