Bildbnde

Ein Blick in das legendre Fotoarchiv von National Geographic

Die 1888 gegründete National Geographic Society hatte ursprünglich den Zweck, geografische Kenntnisse der Allgemeinheit nahezubringen. Aus diesem Grunde wurde das "National Geographic Magazine" ins Leben gerufen, in dem einzigartige Fotoaufnahmen und sorgfältig recherchierte Reportagen dem Laien-Geografen einen Blick über den Tellerrand hinaus verschaffen. Insbesondere die Fotos sind ein fester Bestandteil, die mehrmals der Zeitschrift Preise einbrachten. Bei einer Geschichte von über 120 Jahren sammelt sich eine Menge Fotomaterial zusammen, das glücklicherweise im Archiv der Society gut aufgehoben wird, von denen im Jahre 2009 erstmals eine Auswahl von 450 Fotos (aus über zehn Millionen) in "Die Bilder", einem phänomenalen Bildband, zusammengestellt wurden.

In vier großen Themenbereichen wird dem Rezipienten die Gelegenheit gegeben, einen einmaligen Blick in das sagenumwobene Fotoarchiv zu werfen. Bei der Betrachtung der Bilder geht man gemeinsam mit den Fotografen auf Entdeckungsreisen zum Nord- und Südpol, in die Welt der riesigen Ozeane, zu entlegenen Gegenden Südamerikas und sogar in die unendlichen Weiten des Universums. Auf Fotos über die Tierwelt hingegen zeigen sich wilde Tiere wie Nashörner, Zebras, Eisbären und Löwen, aber auch scheinbar harmlose Tiere wie Delphine, Schnecken, Giraffen und diverse Fischarten. Eine Hinwendung zum Menschen erfolgt im anschließenden Kapitel "Menschen & Kulturen", wenn man Einblicke in fremdländische Kulturen und die Sitten und Gewohnheiten der dort lebenden Menschen erhält. Speziell der ferne Osten (z. B. Japan, Indien, China) findet an dieser Stelle seine gebührende Beachtung, obwohl der Blick nicht soweit in die Fremde schweifen muss, denn selbst Europa bietet für verschiedenste Kulturkreise eine geborgene Heimat. Zuletzt werden die Wissenschaft und der Klimawandel thematisiert, wobei die Konzentration in den Anfangsjahren der National Geographic Society eher auf die Wissenschaften liegt, zu Beginn des 21. Jahrhunderts jedoch auf den Klimawandel. Ein Thema das aktueller ist denn je.

Innerhalb dieser vier Kapitel sind die Fotos in vier Gruppen sortiert, die einen Wandel in der Fotografie widerspiegeln. In frühen Fotografien wurden Stimmungen, Menschen, Tiere, Momente in schwarz-weiß festgehalten, bis in der Mitte des 20. Jahrhunderts erstmals Aufnahmen in Farbe gemacht wurden, die nichts an der Tiefe und Atmosphäre der Vorgänger einbüßten. Der daran anschließende dokumentarische Realismus hält, was die Bezeichnung verspricht: Fotografien, die wie eine Dokumentation durch die Realität geleiten, die dadurch selbst für den Betrachter erfahrbar wird. Die letzte Stufe wurde schließlich mit der Entwicklung der Digitaltechnik eingeleitet, die wie keine andere Kunstform mit Farben und Formen spielt und zugleich außergewöhnliche Phänomene plastisch wiedergibt.

National Geographics "Die Bilder" zeigt einen Querschnitt durch die Geschichte der Fotografie. Die bewegenden, faszinierenden und anmutigen Aufnahmen sind ein Beweis dafür, dass es sich bei der Fotografie um eine ausdrucksstarke Kunstform handelt, die Menschen auch emotional berühren kann. Jedes Foto des vorliegenden Bildbandes trägt eine Aussage, die nicht erst in Worte gefasst werden muss, sondern einzig durch ausgewählte Objektive und eine greifbare Atmosphäre zum Ausdruck gelangt. Leider sind in diesem Band lediglich 450 Fotos vereint, obwohl noch so viele aus dem Archiv hervorgeholt werden können. So besteht die berechtigte Hoffnung auf eine Fortsetzung von "Die Bilder", die hoffentlich nicht erst in weiteren 120 Jahren veröffentlicht wird.

Susann Fleischer
19.10.2009

 
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Das Buch:

Barbara Brownell Grogan (Hg.): National Geographic - Die Bilder. Das legendre Fotoarchiv von 1888 bis heute. Aus dem Englischen von Frank Auerbach u.a.

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Hamburg: National Geographic Deutschland 2009
512 S., 39,95
ISBN: 978-3-86690-127-8

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