Romane

Etwas fürs Herz und Krimi zugleich

Paris, Mai 1968: Nichts geht mehr. Was als Studentenrevolte in der Vorstadt Nanterre begonnen hat, entwickelt sich zu einem Flächenbrand, der nicht nur die Hauptstadt, sondern ganz Frankreich ins Chaos versinken lässt. Das Land wird von einem Generalstreik erfasst, der die Wirtschaft vollständig lähmt. An den Universitäten rumort es und die Studenten begehren auf. 

Aber es gibt auch Menschen, die trotz aller Schwierigkeiten weiter ihrer beruflichen Tätigkeit nachgehen. Zu diesen gehört Telse Valmy. Seit mittlerweile vier Jahren lebt Telse nun schon in der Stadt der Liebe und verdient ihr Geld als Übersetzerin. Es ist keine leichte Arbeit, aber Telse liebt sie. Selbst wenn sie an der Sorbonne angenommen werden sollte und dort schon bald Jura studiert, will Telse weiterhin dolmetschen.

Alle Pläne geraten allerdings in Vergessenheit, als plötzlich ein deutscher Rechtsanwalt verschwindet, nachdem Telse abgelehnt hatte, ihn zu einer Kundgebung ins Quartier Latin zu begleiten. Ehe Telse es sich versieht, wird sie mit einer Reihe weiterer seltsamer Vorkommnisse konfrontiert: So wird die Tante von Telses Bekannter Danielle tot in ihrem Juweliergeschäft aufgefunden. Man verdächtigt den Stiefsohn der Tat. Telse kann dies kaum glauben und würde in dieser Sache am liebsten selber ermitteln. Aber sie ist lediglich eine Dolmetscherin und nicht Kommissarin. Die Polizei wird den Mörder schon dingfest machen. Da überschlagen sich mit einem Mal die Ereignisse und Telse kann sich ihres Lebens nicht mehr sicher sein ...

Amüsant und trotzdem mit Tiefgang - "In der Demo verschwunden" erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die entgegen aller Widerstände ihren Weg geht. Claire Vernay lässt uns unmittelbar am Leben von Protagonistin Telse Valmy teilhaben. Die deutsche Autorin, eine exquisite Kennerin Frankreichs, vermag sogar noch mehr: Durch sie lernen wir Paris Satz für Satz und Seite für Seite kennen und lieben. Während der Lektüre wandelt man durch die Straßen und Gassen der Seinestadt und fühlt sich unfassbar glücklich ob solch eines Leseerlebnisses. Ein ähnlich gelungenes findet man definitiv nicht alle Tage in seinem Bücherregal. Vernay berührt das Herz. Dank ihren Werken bleibt kein Auge trocken. Für diese braucht man mehr als eine Packung Taschentücher, aber auch ziemlich starke Nerven.

Für beste Unterhaltung ist gesorgt, sobald man einen Roman von Claire Vernay zur Hand nimmt. "In der Demo verschwunden" ist weitaus mehr als nur ein netter Zeitvertreib voller Emotionen und Spannung. Mit dem vorliegenden Buch erfährt man Literatur von der ganz besonderen, nämlich besonders schönen Sorte. Einfach nur wunderbar, dieses Lesevergnügen!

Das Außergewöhnliche an diesem Buch: Die Autorin hat den turbulenten, politisch aufgeladenen "Paris-Mai", die Stundenunruhen, den Streik der Renault-Arbeiter, die gesellschaftlichen Umbrüche und vieles andere persönlich miterlebt. Claire Vernay gelingt so eine authentische Schilderung. Das macht "In der Demo verschwunden" zu Literatur als zeitgeschichtlichen Einblick.

Anja Rosenthal
12.12.2016

 
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Das Buch:

Claire Vernay:
In der Demo verschwunden

Bild: Buchcover Claire Vernay, In der Demo verschwunden

Frankfurt am Main: Weimarer Schiller-Presse 2016
286 S., € 21,80
ISBN: 978-3-8372-1822-0

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