Romane

Ein mitreiender Knstlerroman , eine fein gezeichnete Milieustudie

New York zur Jahrhundertwende: Gerald Murphy und Sara Wiborg kennen sich seit Kindertagen. Sie sind gute Freunde, obwohl sie aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Kreisen stammen. Geralds Vater hat hart für sein Vermögen schuften müssen. Er hat sich vom Kassenwart zum Hauptgeschäftsführer eines Lederwarenherstellers emporgearbeitet. Sein Sohn hingegen will es eines Tages zu etwas Größerem bringen. Und er will seinen Kindern die Liebe geben, die er schmerzlich vermisst. Sara hat es besser getroffen. Ihre Eltern verwöhnen das Mädchen und ihre zwei Schwestern, wo sie nur können, und schenken ihnen all ihre Aufmerksamkeit. Doch das ändert sich, als die Wiborgs ihrer Tochter verbieten, ausgerechnet mit Gerald Murphy die Ehe einzugehen. Sie glauben nicht, dass er eine gute Partie für Sara sei.

Trotz aller Widerstände heiraten Gerald und Sara, bekommen drei Kinder und ziehen an die französische Riviera. Dort sonnen sie sich im Glanze ihres vermeintlichen Glückes. Die "Villa America" ist für viele Künstler der 1920er Jahre der Inbegriff von Ausgelassenheit, Maßlosigkeit, Glamour und Extravaganz. Sara und Gerald Murphys Einfluss, ihr Geschmack und ihre großzügige Spontaneität locken Pablo Picasso, Ernest Hemingway, Zelda und Scott Fitzgerald sowie viele andere Berühmtheiten an die Côte d´Azur. In den Sommermonaten bestimmen sexuelle Ausschweifungen und Alkoholexzesse, Liebeleien und Streitereien, glamouröse Partys das ausgelassene Leben in der Villa. Doch hinter der Grandiosität vieler Künstler zeichnen sich die Einsamkeit einer ganzen Generation ab und deren Unfähigkeit, gute menschliche Beziehungen zu führen.

Da gesellt sich Owen Chambers zu dem illustren Kreis. Was niemand ahnt: Der junge Pilot verfolgt nicht ganz ehre Absichten. Heimlich beginnt Gerald eine Affäre mit Owen. Und im Laufe der Zeit trüben Intrigen und Eifersüchteleien das unbeschwerte Leben in der prächtigen Villa. Sicherheiten brechen weg und der finanzielle Ruin droht. Vieles steht auf dem Spiel, so auch die Liebe zwischen Sara und Gerald. Hat ihre Ehe noch eine Chance? Während Gerald sich ganz seinen Gelüsten hingibt, beschließt Sara zu kämpfen. Als sie erkennt, dass ihr werter Gatte mit einem Mann eine Liaison hat, ist nichts mehr wie zuvor. Die Murphys werden vor eine schwere Zerreißprobe gestellt. Und nur zusammen können sie diese bestehen ...

Fesselndes Lesekino vom ersten bis zum letzten Satz - genau das bekommt man mit Liza Klaussmanns Büchern in die Hand. Hier erfährt man einen Lesegenuss ohnegleichen. "Villa America" ist so gut geschrieben, dass einem beim Lesen ganz schwindelig wird. Die Autorin ist definitiv eine Meisterin ihres Fachs. Sie schafft mit ihren Worten Literatur zum Niederknien schön. Man wünscht sich, dass dieses Leseerlebnis niemals ein Ende nähme. Kein Wunder, dass man nach 496 Seiten ganz enttäuscht darüber ist, dass die Story nicht mehr weitergeht. Klaussmann spart nicht mit Emotionen. Sie rührt den Leser zu Tränen und macht ihn zugleich so glücklich wie selten zuvor. Und ihr gelingt noch mehr: Sie versetzt einen in einem wahren Leserausch. Es ist, als hätte man mehrere Gläser Champagner getrunken. Man fühlt sich ganz kribbelig.

In "Villa America" fängt Liza Klaussmann das Lebensgefühl der Roaring Twenties auf wunderbarste Art und Weise ein. Stets weht ein Hauch von "The Great Gatsby" durch die Seiten dieses fabelhaften Romans. Noch lange nach der Lektüre fällt es einem schwer, ins Hier und Jetzt zurückzukehren. Denn hier findet man zwischen zwei Buchdeckeln ein brillantes Lesevergnügen wie aus der Feder eines F. Scott Fitzgerald. Selbst der US-Amerikaner hätte diese Geschichte kaum besser, kaum exzellenter erzählen können.

Susann Fleischer
25.04.2016

 
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Das Buch:

Liza Klaussmann: Villa America. Aus dem Amerikanischen von Michaela Grabinger

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Mnchen: Droemer Verlag 2016
496 S., 19,99
ISBN: 978-3-426-19952-7

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