Romane

Literatur voller Ideenreichtum und so mancher Leseberraschung

Mit "Der Wolkenatlas" (verfilmt mit Tom Hanks und Halle Berry in den Hauptrollen) wurde David Mitchell zum Superstar in der Literaturwelt. Nun folgt der nächste Geniestreich dieses begnadeten, brillanten Geschichtenerzählers. Spätestens "Die Knochenuhren" macht Mitchell zu einer lebenden Autorenlegende. Seine Werke verkaufen sich so gut wie sonst nur noch die von Harper Lee und einiger weniger anderer. In diesen steckt das großartigste Leseerlebnis der Welt. Wenn es dieses Jahr ein Buch gibt, das man sich auf gar keinen Fall entgehen lassen sollte, dann das vorliegende. Es haut einen um, was man hier zwischen zwei Buchdeckeln findet. Nämlich fesselnder Lesegenuss bis zur letzten Zeile. Auch nur eine Sekunde mit der Lektüre aufhören? Schlichtweg unmöglich! Kein Wunder, bei der Story.

Holly ist zum ersten Mal verliebt. Aber ihre Mutter will nicht, dass ihre viel zu junge Tochter mit einem 22-jährigen Autoverkäufer zusammen ist. Sie gibt Holly Hausarrest. Aus lauter Verzweiflung flüchtet das Mädchen aus dem Haus zu ihrem Freund. Der amüsiert sich derweil mit Hollys bester Freundin. Als Holly das herausfindet, ergreift sie abermals die Flucht. Diese führt sie nach nirgendwo. Dort wartet bereits eine alte Frau, die Holly um "Asyl" bittet. Ohne zu wissen, worauf sich der Teenager einlässt, gewährt Holly der Unbekannten Schutz. Nur kurz danach hat Holly diese etwas befremdliche Begegnung bereits vergessen. So führt sie ihr recht einfaches Leben weiter, welches hin und wieder von mysteriösen Vorahnungen, Visionen, Begegnungen und kurzen Zeitlücken geprägt ist.

Holly wächst zu einer selbstbewussten Frau heran, die weiß, was sie will und wie sie es bekommt. Dabei trägt sie eine schwere Schuld mit sich herum: Seit sie damals von zu Hause ausriss, wird ihr kleiner Bruder vermisst. Man suchte den Jungen überall, fand ihn aber nirgends. Auch zwanzig Jahren nach Jackos Verschwinden kann Holly ihn nicht loslassen. Immer wieder denkt sie an ihn. Dann überfällt sie die schmerzliche Trauer von hinten. Über den Verlust kann selbst Hollys Tochter nicht hinwegtrösten. Aber vielleicht hilft es, wenn Holly weiß, warum Jacko ihr genommen wurde: Sie ist nämlich die unwissende Protagonistin einer mörderischen Fehde, die sich in den Schatten und dunklen Winkeln unserer Welt abspielt. Und womöglich wird sie sich sogar als deren entscheidende Waffe erweisen ...

"Die Knochenuhren" - definitiv und ohne jeden Zweifel einer der besten Romane des Jahres 2016! David Mitchell schreibt sensationell gut. Seine Geschichten muss man unbedingt lesen. Denn diese sind einfach nur der helle Wahnsinn. Nur drei Worte: Wow, wow, wow! Auch das vorliegende Buch ist da keine Ausnahme. Hier erfährt man Unterhaltung, die absolut alles in den Schatten zu stellen vermag. Ein besseres oder spannenderes oder schöneres Lesevergnügen hat man wohl nie in den Händen halten dürfen. Ab der ersten Seite verschlägt es einem den Atem. Der "Der Wolkenatlas"-Autor beweist, dass er wahrlich ein Meister seines Fachs ist. Er gehört zu den ganz Großen unter Großbritanniens/Irlands Schriftstellern. Was seiner Feder entstammt, wird innerhalb kürzester Zeit zum Weltbestseller.

Selbst Hollywood hätte kaum schöneres (Lese-)Kino erschaffen können wie David Mitchell mit "Die Knochenuhren". Die Story scheint regelrecht überzusprudeln vor Fabulierlust. Und sie nimmt einen vollkommen gefangen. Nach der Lektüre fühlt man sich sehr, sehr glücklich und zugleich so erschöpft, als wäre man einen Marathon gelaufen. Dem Rowohlt Verlag gelingt einmal mehr ein literarisches Highlight. Dieser Roman ist ein Geschenk des Himmels und außerdem ein ganz großer Wurf.

Susann Fleischer
18.04.2016

 
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Das Buch:

David Mitchell: Die Knochenuhren. Aus dem Englischen von Volker Oldenburg

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Reinbek: Rowohlt Verlag 2016
816 S., 24,95
ISBN: 978-3-498-04530-2

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