Romane

Ankommen bei sich selbst

Es ist ergreifend und aufrüttelnd zugleich, wie es Johanna Ofner gelingt, mit diesem Roman zu verdeutlichen, dass es im Leben immer einen Ausweg gibt. Seine Stärke liegt in der engen Verknüpfung von Traumwelt und Realität und der Kraft, die daraus erwächst.

Ihre Protagonistin Carola hat ihr Leben nach dem plötzlichen Verkehrstod ihres Mannes aufgegeben, sie ist in ein tiefes Loch gefallen, schirmt sich völlig von der Außenwelt ab, auch von ihrer Tochter, und sieht als letzten Ausweg nur noch einen Suizid. In dieser Situation knüpft Johanna Ofner die Fäden in die Vergangenheit, lässt mit dem Gesang der Amsel die Natur sprechen und holt Bilder aus den schönen Tagen der Kindheit zurück.

Der Kampf der 43jährigen Frau zurück ins Leben beginnt. Dabei ist es ganz wichtig, dass sie diesen nicht alleine führt, denn den entscheidenden Anstoß gibt ihr eine Freundin aus der Kinderzeit, die sie zu einem Segeltörn in der Adria einlädt. Carola tritt die Reise an, um von der Trauer Abstand zu gewinnen und merkt an Bord des Schiffes schnell, dass sie ins Leben zurückfindet. Plötzlich fühlt sich alles so leicht an.

Ihr Traum vom Gräsermeer und dem Schiff in der Ferne aus der Kinderzeit wird Wirklichkeit, als sie mit Cicero, dem Kapitän des Segelschiffes, ihrem Traummann begegnet. Es bahnt sich zaghaft eine Liebesbeziehung an. Die Gezeiten des Lebens haben beide geprägt, denn Cicero hat durch einen tragischen Unfall an Bord seines Segelschiffen seine Tochter verloren, was sein Frau nicht verwinden kann, so dass die Beziehung der Eheleute zerstört ist.

So treffen sich zwei durch das Leben gezeichnete Menschen, die unaufhaltsam zueinander streben. Es ist die große Liebe, aber bald geht die schöne Reise zu Ende und unwiderruflich taucht die Frage auf, was danach sein wird.

Vorher tritt aber noch Carolas Tochter Eva in den Mittelpunkt des Geschehens, die mit ihrem Freund eine Europareise macht und deren Beziehung während dieser Reise auf eine harte Probe gestellt wird. Ihre Mutter steht ihr gemeinsam mit Cicero hilfreich zur Seite. Erst durch ihre Mutter begreift Eva, dass sie um ihre Liebe kämpfen muss.

Carola allerdings muss nach der Rückkehr von der Reise zunächst verkraften, dass ihr Geliebter, mit dem sie zusammen nach Hause gefahren war, plötzlich abreist und ihr einen Abschiedsbrief hinterlässt, in dem er seine Liebe beteuert, aber  eine Auszeit für ihre Beziehung möchte.

Dieses ist aber wider Erwarten für die junge Frau nur für kurze Zeit ein Rückschlag, jetzt besinnt sie sich endlich auf sich selbst, gestaltet die Wohnung neu, kauft ein Auto und lädt wieder Freunde ein.

Cicero hat sie endgültig wachgerüttelt. Sie weiß jetzt, dass sie die Quelle von Lebensfreude und Glück nur in sich selbst finden kann und sie das Glück mit den anderen teilen möchte (siehe Seite 181).

Damit verlässt sie ihre Traumwelt, ohne auf sie verzichten zu müssen, diese spielt aber gegen Ende des Buches keine Rolle mehr. Der Traum der Kindheit ist in die Realität übergegangen. Ein neuer Traum hat begonnen - der des alltäglichen Lebens.

Dr. Helga Miesch
26.05.2015

 
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Das Buch:

Johanna Ofner: Wellenschlag - Wohin die Reise auch fhrt

Frankfurt: August von Goethe Verlag 2015
280 S., EUR 25,80
ISBN: 978-3837216509

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