Romane

Roadtrip mit Lerneffekt

Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek ist erst der zweite Roman von David Whitehouse, der erste der übersetzt wurde. Wenn man ihn gelesen hat, fragt man sich unweigerlich, warum Bed, sein erster Roman, der bereits in 18 Ländern erschienen ist,noch nicht auf Deutsch vorliegt.
Whitehouses Sprache ist nämlich faszinierend. Und ohne das Original gelesen zu haben, möchte ich der Übersetzerin Dorothee Merkel danken, da sich die Übersetzung super lesen lässt und es ihr gelungen ist, die Leichtigkeit des Englischen an etlichen Stellen zu übernehmen.

Was meine ich aber, wenn ich Whitehouse einen faszinierenden Umgang mit der Sprache unterstelle? Stellen wie diese: "Aber wenn sie dann die Gartentür öffneten, würden Wolken über den Rasen treiben. Adler würden in den Abflussrohren nisten, und er würde den Schnee vom Gipfel schöpfen und ihn zu glasklarem Waschwasser schmelzen." oder "Bobby scheuchte die immer langsamer werdenden Stunden im Kreis um seine Armbanduhr." Es ist dieser Umgang mit der Sprache, der Whitehouse zu Recht das auf dem Umschlag untergebrachte Zitat aus der New York Times "Haarsträubend clevere Beschreibungen und geniale Pointen" einbringt und die diesen Roman so lesenswert machen. Da gerät die manchmal konstruiert, wenn auch feinsinnig, und haarstreubend aber immer auch amüsant wirkende, toll und sehr clever erzählte Geschichte fast zur Nebensache.

In dieser Geschichte geht es um Bobby, einen vorpupertären Jungen und seine Geschichte, bei der nicht nur einige wenige Mitmenschen eine entscheidende Rolle spielen, sondern auch vermittelt über diese, die Bücher die er liest und der Umgang mit denselben. Entscheidende Bedeutung kommt dabei Valerie Reed, einer Frau und Mutter, zu, die am Ende seiner Straße wohnt und die er nur per Zufall kennenlernt, weil er sich dafür entschuldigen will, dass er ihrer Tochter nicht beistand, als diese von Jungen aus Bobbys Schule verprügelt wurde. Aufgrund widriger Umstände sehen sich Bobby, Valerie und ihre Tochter bald gezwungen zu verschwinden und das tun sie in einer mobilen Bibliothek, die Val jeden Sonntag einmal reinigt und die, weil der Stadt die Gelder fehlen, nun stillgelegt werden soll. Spätenstens hier beginnt ein unvergesslicher Roadtrip.

Dem Tropenverlag ist hier ein echter Glücksgriff gelungen. Nicht nur hat man eine tolle Geschichte von einem jungen Autoren, Whitehouse ist 1981 geboren, der zudem, wie oben beschrieben,unglaublich Sprachgewand ist, nein, man hat dem Buch auch noch eine wundervolle Ausstattung gegeben. Einzig vermisst, obwohl es sich so wunderbar in das Buch und seine Ausstattung eingepasst hätte, ein Lesebändchen, nach Möglichkeit im Rot des Einbandes oder im Schwarz der denselben zeichnenden Schrift.

Ich freue mich schon auf Whitehouses Debut, und seine folgenden Romane die ich unbedingt lesen möchte.

Sven Zerbes
09.03.2015

 
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Das Buch:

David Whitehouse: Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek. Aus dem Englischen von Dorothee Merkel

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Stuttgart: Tropen Bei Klett-Cotta 2015
314 S., 19,95
ISBN 978-3-608-50148-3

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