Romane

Alles hat seine Zeit

Wenn es eines Beweises bedarf, dass die Lebenswege der Menschen verschlungen sind, dann ist es dieses Buch von Josepha Franziska Konsek. Damit knüpft die Autorin an bereits im August von Goethe Literaturverlag der Frankfurter Verlagsgruppe erschienene Geschichten an.

Das Schreiben war für die 1946 in Hamburg geborene Autorin schon in der Kindheit eine Passion, aber erst 2006 ging sie damit an die Öffentlichkeit, absolvierte ein Fernstudium an der Cornelia Goethe Akademie Frankfurt am Main und ist Literaturpreisträger der Akademie.

Diese acht Geschichten sind wahre Begebenheiten, aber auch aus der Phantasie Geborenes. Sie verdeutlichen die Suche nach dem Glück im Leben und fallen in einen Abschnitt der Zeitgeschichte, der durch Krieg und Vertreibung und die schwere Zeit des Neubeginns nach Kriegsende geprägt ist. Das spiegelt sich schon in der ersten Geschichte mit dem Lebensweg von Lucy wider, die es aus Ostpreußen in den Kriegswirren nach Hamburg verschlägt. Sie betreibt später einen Imbiss in der Nähe der Universität, der viel Zuspruch hat. Aber keiner erfährt zu ihren Lebzeiten von ihrem Schicksal.

Es stellt sich hier wie auch in der Geschichte "Der Väter stille Tränen" die Frage nach den Wurzeln der Menschen, die die Autorin aufgreift.
Holger, das Kind einer großen Liebe aus zweiter Ehe, kehrt erst 1950 aus einem Internierungslager wieder nach Hamburg zurück und findet mit fünfzig Jahren seine große Liebe.

Die Beziehungen der Kinder nach Scheidung der Eltern zu den beiden Elternteilen und die unterschiedlichen Charaktere von Geschwistern können ein Leben zerstören. Das kommt besonders in den Geschichten "Frauenverrat" und "Schenk mir dein Kind" zum Ausdruck. Nicht zuletzt wendet sich die Autorin auch dem Lebensabend der älteren Generation zu und schildert, wie es gelingt, in einer WG ein neues Zuhause zu finden und sich noch im Seniorenheim seinen Lebenstraum zu erfüllen.
Josefine und Franz führen eine sehr glückliche kinderreiche Ehe. Josefine stirbt bereits mit 49 Jahren, ist aber bis heute unvergessen.

In ihrem Buch hat Josepha Franziska Konsek Reflexionen auf vergangene Zeiten nahtlos in die Erzählungen eingebunden, mit einbezogen wird an einigen Stellen auch die Korrespondenz von Familienmitgliedern. In prägnantem Erzählstil legt die Autorin offen, was die Menschen vorantrieb, welche Hindernisse sich im Privaten auftürmten und versucht, Beweggründe aufzudecken. Sie beobachtet genau und hat die Lebenswege bis ins Detail verfolgt.

Der Leser wird erkennen, wie wichtig Vertrauen und Ehrlichkeit neben liebevoller Hinwendung auf der Suche nach dem großen Glück sind und wird sich vielleicht die Frage stellen, was er eigentlich über seine Wurzeln und seine Familie weiß.

Dr. Helga Miesch
30.06.2014


Die Lesung im Deutschen Literaturfernsehen finden Sie hier.

 
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Das Buch:

Josepha Franziska Konsek: Schicksalsmeisterschaften von Alster und Elbe

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Frankfurt: Fouqu Literaturverlag
199 S., 16,80
ISBN: 978-3-8372-1444-4

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