Romane

Drei Brüder, drei Leben, drei Schicksale

Norwegen zu Ende des 19. Jahrhunderts: Die Brüder Lauritz, Oscar und Sverre sind erst zwölf, elf und zehn Jahre alt, als der Vater vom Fischfang nicht mehr zurückkehrt und die Familie in Armut hinterlässt. Wenn kein Wunder geschieht, steht den Jungen ein trauriges und vor allem glückloses Leben bevor, denn das Geld reicht nicht für eine gute Ausbildung. Sie werden in die Stadt geschickt. Dort müssen sie sich als Lehrlinge eines Seilmachers durchschlagen, denn es gilt: Nur der Stärkere überlebt! Doch zum Glück meint es Fortuna gut mit den dreien: Die Jungs können einen reichen Gönner für sich gewinnen, der ihr großes Talent erkennt und fördert. Nur kurze Zeit später reisen die Brüder nach Dresden, um am berühmten Polytechnikum die Ingenieurswissenschaft zu studieren.

Es sind harte und entbehrungsreiche Lehrjahre, die Lauritz, Oscar und Sverre durchmachen müssen. Aber es lohnt sich! Sie gehören zu den besten Zehn ihres Jahrganges und haben nun die einmalige Gelegenheit, viel Geld zu verdienen und einen Teil ihrer Schuld zurückzubezahlen. Aber lediglich Lauritz kehrt in seine Heimat zurück, während Oscar in Afrika sein Glück versucht und Sverre der Liebe wegen spurlos verschwindet und nichts mehr von sich hören lässt. Lauritz obliegt die wichtige Aufgabe, beim Bau einer Eisenbahnverbindung zwischen Bergen und Oslo mitzuhelfen und so den technischen Fortschritt, der vor wenigen Jahren begonnen hat, auch nach Norwegen zu holen. Doch um dieses Ziel zu erreichen, muss er einen hohen Preis bezahlen: Er lässt seine große Liebe Ingeborg in Deutschland zurück und kommt bei Schnee und Kälte an die Grenzen seiner physischen und psychischen Belastbarkeit.

Die Jahre ziehen ins Land und Lauritz träumt von mehr, als an der Menschheit ein gutes Werk zu tun. Er möchte Ingeborg heiraten und mit ihr eine Familie gründen - so wie es auch Oscar eines Tages möchte. Als der Erste Weltkrieg ausbricht und die Welt in eine tiefe Finsternis hüllt, ist auch für Lauritz der Zeitpunkt gekommen für einen großen Kampf: Ingeborg ist die Tochter eines Barons und für Lauritz damit eigentlich unerreichbar - obwohl er sich mit ihrem Vater sehr gut versteht. Oscar hingegen gerät in Afrika in die Kriegswirren und muss sich den deutschen Soldaten anschließen. Oscars Märchen scheint nicht mit einem Happy End gesegnet zu sein. Und auch Lauritz muss eine folgenschwere Entscheidung treffen ...

Es ist einfach unfassbar, wie gut "Die Brückenbauer" geworden ist. Der Roman von Jan Guillou ist ein literarischer Meilenstein und eine Geschichte von epischer Wucht. Der schwedische Autor schreibt Bücher voller Poesie und Sprachgewalt und erschafft auf knapp 800 Buchseiten einen Schmöker, der dem Leser den Atem raubt. Packend, atmosphärisch, farbenprächtig - die Lektüre erweist sich als ein aufregendes Abenteuer, das für alle Sinne ein einzigartiges Vergnügen ist und glücklich zu machen scheint. Solch einen Genuss darf man sich nicht entgehen lassen, denn hier lebt man die Story! Und so ganz nebenbei erfährt man Dinge, die äußerst interessant sind und außerdem sehr lehrreich. Da kann man schon jetzt gespannt sein, ob die Fortsetzung an diesen Erfolg anknüpfen kann.

Ein Roman wie "Die Brückenbauer" ist ein wertvolles Juwel, das nicht nur wunderschön anzusehen ist, sondern darüber hinaus großen Unterhaltungswert besitzt. Jan Guillou ist ein meisterhafter Geschichtenerzähler, der das Herz zu berühren weiß und den Leser zu einem berauschenden Erlebnis verführt.

Susann Fleischer 
17.09.2012 

 
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Das Buch:

Jan Guillou:
Die Brückenbauer. Aus dem Schwedischen von Lotta Rüegger, Holger Wolandt

Bild: Buchcover Jan Guillou, Die Brückenbauer

München: Heyne Verlag 2012
784 S., € 22,99
ISBN: 978-3-453-26825-8

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