Romane

Vergebung vergeblich gesucht

Mit ihrem nun 15. Roman verl?sst die US-amerikanische Erfolgsautorin Anita Shreve gewohntes Terrain - zumindest geographisch gesehen. Sind ihre Romane gew?hnlich an der K?ste Neu-Englands angesiedelt, begibt sie sich diesmal mit ihren Protagonisten, der Fotografin Margaret und dem Arzt Patrick, nach Afrika, genauer gesagt nach Nairobi. Shreve wei? jedoch, wovon sie schreibt, wenn sie dem europ?ischen oder US-amerikanischen Leser von dem fernen Land erz?hlt - sie selbst hat drei Jahre in Kenia gelebt und dort als Journalistin gearbeitet. 

Margaret und Patrick sind frisch verheiratet und wollen einige Zeit in dem f?r sie v?llig fremden Land verbringen. Sie kommen in Nairobi bei einem befreundeten Paar - Arthur und Diana - und deren Kindern unter. An einem gem?tlichen und feucht-fr?hlichen Abend beschlie?en sie, gemeinsam mit einem weiteren Ehepaar, den Niederl?ndern Saartje und Willem van Buskirk, den Mount Kenya zu besteigen. 

W?hrend der Aufstieg f?r die unge?bten Bergsteiger ein physischer Kraftakt ist, gestaltet sich der Abstieg als ein psychisches Martyrium, denn die Besteigung des Mount Kenya endete f?r einen der Teilnehmer t?dlich. Eine unvorhersehbare Trag?die, die Shreve-typisch durch eine banale Handlung ausgel?st wurde und dennoch f?r einen lang anhaltenden Nachklang im Leben aller Beteiligten sorgt. 

Sieht man den Gipfel des Berges auch im ?bertragenen Sinne als Klimax der Geschichte, so kann es im zweiten Teil der Buches, dem Abstieg, wortw?rtlich nur noch bergab gehen. Wer hat Schuld an der Trag?die? Kann man den Lauf der Dinge beeinflussen und bestimmte Handlungen von den unbeabsichtigten Konsequenzen, die sie m?glicherweise nach sich ziehen, trennen? Wo findet man Vergebung f?r etwas, das einem keiner vergeben kann? Diese Fragen tragen Margaret, Patrick und ihre Freunde beim Abstieg mit sich ins Tal. 

Das junge Paar findet danach nur schwer ins normale Leben und die Ehe, die noch so frisch ist, zur?ck. Als Margaret einen Job als Fotojournalistin annimmt, lernt sie Rafiq kennen und lieben. Neu ist das Konzept einer Protagonistin, die sich einem Beziehungskonflikt stellen muss, in der Frauenliteratur nicht, doch hebt sich Shreve dadurch von ihren Kollegen ab, dass sie diesen Konflikt vor einem ungew?hnlichen Hintergrund - "Das erste Jahr ihrer Ehe" spielt im Kenia der 70er Jahre, als Jomo Kenyatta an der Macht war - abspielen l?sst. 

Dennoch - was h?tte man sich von Shreves neuestem Werk noch w?nschen k?nnen? Vielleicht etwas mehr Einsicht in die Psyche ihrer Charaktere. Damit geht sie n?mlich recht sparsam um. Weniger sparsam ist sie dagegen bei der Beschreibung von Kleidung, Essen und allt?glichen Dingen. Auch das Nicht-zu-Ende-F?hren einiger Liebesgeschichten l?sst den Leser diesen Roman am Ende leicht unbefriedigt zur Seite legen. Kann man vielleicht auf eine Fortsetzung hoffen? 

Sabine Mahnel 
26.09.2011

 
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Das Buch:

Anita Shreve: Das erste Jahr ihrer Ehe. Aus dem Amerikanischen von Mechtild Sandberg

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Mnchen: Piper Verlag 2011
368 S., 19,99
ISBN: 978-3-492-05404-1

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