Romane

Die Vergangenheit, die nicht loslässt

Nachdem Iris Hanika mit "Treffen sich zwei" für einiges Aufsehen gesorgt hat, legt sie nun mit "Das Eigentliche" nach und beweist damit, dass sie mit ihrer eindringlichen Erzählerstimme den Leser zum Nachdenken bewegt und dessen Leben für immer verändern wird. Statt die Geschichte eines frischverliebten Paares und deren Probleme Revue passieren zu lassen, geht es dieses Mal um Vergangenheitsbewältigung, die im Nachkriegsdeutschland bis zum heutigen Tag einem Tabu gleichkommt. Umso dringlicher wurde es nun Zeit, einen Roman wie "Das Eigentliche" zu schreiben. Autorin Iris Hanika hat sich äußerst erfolgreich dieser Aufgabe angenommen.

Hans Frambach ist Archivar im Institut für Vergangenheitsbewirtschaftung und beschäftigt sich den lieben langen Tag mit der Nazivergangenheit der Deutschen. Auch er leidet unter ihr und erliegt oftmals dem Schmerz, von dem er allerorten umgeben scheint. Einst ging es auch seiner besten Freundin Graziela Schönbluhm so, aber private Sorgen mit ihrem Liebhaber haben ihren Blick auf andere Dinge des Lebens gelenkt. Sie zeigt Hans, dass es außerhalb des Instituts eine Welt gibt, die nicht von Judenhass und Verfolgung geprägt ist, sondern von ganz alltäglichen
(Un-)Zulänglichkeiten, die ihren eigenen Kampf fordern. Es ist die Unfähigkeit zum Glück, die Hans zu dem Menschen macht, der er eigentlich gar nicht sein möchte - nämlich zu einer wunderlichen Gestalt, für die das Leben eine zusätzliche Hürde darstellt.

Iris Hanika hat mit "Das Eigentliche" eine Geschichte voller Schmerz geschrieben, mit der sie zugleich auch aufzeigt, wie man Wunden an der Seele am besten heilt, um wieder froh und leichten Herzens ins Leben blicken zu können. Damit beweist sie eindrucksvoll ihr Geschick, Gefühl und Unterhaltung bravourös in einem Roman zu vereinen und damit den Leser zum Staunen zu bringen. Dementsprechend vollkommen verdient hat dieses Werk den Preis der Europäischen Union und den Preis der LiteraTour Nord 2011 verliehen bekommen. Schließlich ist "Das Eigentliche" ein eindrucksvolles Buch mit hohem Niveau und einer ungewöhnlichen Geschichte voller Herz und Schmerz - und damit absolut lesens- und bemerkenswert.

Susann Fleischer 
08.08.2011 

 
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Das Buch:

Iris Hanika:
Das Eigentliche

Bild: Buchcover Iris Hanika, Das Eigentliche

München: btb Verlag 2011
176 S., € 8,99
ISBN: 978-3-442-74198-4

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