Romane

Vater sein dagegen sehr ...

Mit seinem neuen Werk begibt sich Ortheil erneut in eine f?r so manchen exotisch-fremde und r?tselhafte Welt: die Welt eines Vaters. W?hrend die Mutter, "La Mamma", im Verlag arbeitet und f?r das t?gliche Einkommen sorgt, k?mmert er sich um Lotta und Lukas, genannt Lo und Lu. Und dann ist dieser Vater ist neben seiner Betreuungsarbeit noch Schriftsteller ...

Das Buch Lo und Lu bei dem es sich streng genommen nicht um einen Vaterroman, sondern um einen Vaterbericht handelt, beginnt, als Lukas zwei Monate alt ist und tags?ber zum ersten Mal allein bei seinem Vater bleibt. Es endet, als Lo, die ?ltere Schwester, in die Schule kommt. Dazwischen werden die vielen kleinen und gro?en Abenteuer geschildert, die man mit Kindern so erlebt, wobei allerdings die Alltagsarbeiten wie "Windelnwechseln, Flaschenerw?rmen und Fr?chtebreikneten" aus "Diskretion" weggelassen werden.

Zu den sch?nsten Kinderszenen z?hlen sicherlich Lus erste Laufversuche zur Musik des "Bolero" von Ravel und der "Antrittsbesuch" mit den Kindern in K?ln und den damit verbundenen Betrachtungen ?ber Gott und die Welt bei diversen K?lschs. Aber auch der allt?gliche Spaziergang bringt neue Einsichten in die Kinderwelt und f?hrt zu interessanten Reflexionen ?ber Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Sicherlich gibt es schon einige am?sante Werke ?ber dieses Thema, so z.B. von Kester Schlenz. Bei ihnen steht aber das kurz geschilderte, lustige Ereignis im Mittelpunkt und weniger die Auseinandersetzung mit der v?llig neuen, herausfordernden Situation. Viel zu wenig Schriftsteller von Rang haben uns Einblick in ihr Vatersein gegeben. Kein Buch von Thomas Mann, kein Wort von Rilke ?ber seine Tochter. Einige sehr nachdenkliche und lesenswerte Betrachtungen von Botho Strau? in "Die Fehler des Kopisten" sind schon fast alles. Da ist es gut, wenn sich endlich ein hervorragender Schriftsteller als erziehender Vater outet und dar?ber schreibt.

Vielleicht erscheint das Buch "Nicht-Betroffenen" zu lang. Alle anderen aber, die bereits erfahren haben, welch tiefen Einschnitt in das normale Leben so ein Kind Gott sei Dank bewirkt, werden Ortheils Schilderungen wissend und freudig folgen. In Lo und Lu verbindet der Autor die vergn?glichen Ereignisse mit Reflexionen ?ber diese enorme Ver?nderung f?r jeden Vater, der sich auf das vielleicht letzte Abenteuer eines Mannes einl?sst. Ein Buch nicht nur f?r V?ter und f?r die, die es mal werden wollen.

dch
01.01.2002

 
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Das Buch:

Hanns-Josef Ortheil: Lo und Lu

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Mnchen: Luchterhand Literaturverlag 2001
346 S., 20,50
ISBN: 3-630-87094-5

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