Romane

Das Ende der Welt ist nah

Bereits in der Bibel wird über sie berichtet: die Nephilim, menschliche Nachkommen gefallener Engel. Im 1. Buch Moses steht geschrieben, dass einst göttliche Wesen männlichen Geschlechts mit Menschenfrauen Kinder zeugten - die Riesen der Vorzeit, die nur zu einem Zweck auf der Erde wandeln: Sie wollen die Herrschaft über die Welt. Bislang konnten die Angelologen, Anhänger der Boten Gottes, die Welt vor ihrem Untergang bewahren, aber die Nephilim sind kurz davor, den endgültigen Sieg zu erringen. Alles, was sie dafür brauchen, ist eine uralte Leier, einst von Erzengel Gabriel gefertigt und in den Händen der Nephilim ein tödliches Instrument. Der Schlüssel zum Versteck befindet sich im Kloster der heiligen Rosa, in Milton, New York.

Es ist am 23. Dezember 1999, als die junge Nonne Evangeline auf eine geheime Korrespondenz zwischen der früheren Äbtissin Innocenta und Abigail Rockefeller stößt. In diesem Brief vom 14. Dezember 1943 erzählt die millionenschwere Unternehmergattin und Kunstsammlerin von einer erfolgreichen Expedition, die Evangeline vor Rätsel stellt. Licht ins Dunkel kann einzig Ordensschwester Celestine bringen, denn einst nahm sie an dieser Unternehmung teil. Vielleicht kann sie Evangeline mehr darüber erzählen? Aber was sie erfährt, ist unvorstellbar: Angeblich wurde in einer Höhle ein toter Engel gefunden, neben ihm lag jene Leier, die Heil oder Unheil über die Welt bringen kann. Damit den Nephilim Orpheus´ Instrument nicht in die Hände gelangt, brachten die Angelologen dieses an einen scheinbar sicheren Ort. Doch nun ist die Zeit gekommen, es fortzuschaffen und ein für allemal zu zerstören.

Evangeline ist aber nicht die Einzige, die sich auf die Suche nach der Auflösung dieses Rätsels begibt. Der ehrgeizige Verlaine ist von Percival Grigori gleichfalls mit dieser Aufgabe betraut worden. Im Kloster erhofft sich Verlaine eigentlich weitere Hinweise, um so seinem Auftraggeber endlich einen Erfolg präsentieren zu können. Allerdings weiß Verlaine nicht von Grigoris wahrer Identität: Er ist einer der Nephilim und er trachtet nach Rache - für sich und seine einst vom Himmel verbannten Vorfahren. Die Eifersucht auf die Menschen und deren Fähigkeit zu lieben verstärken sein brennendes Hassgefühl noch zusätzlich, sodass der finale Kampf Gut gegen Böse in unmittelbare Nähe rückt. Doch Evangeline ist nicht allein, denn ihr zur Seite stehen Verlaine, der sich des Guten in sich besinnt, und ihre Großmutter Gabriella, Anhängerin der Angelologie und einst Grigoris große Liebe.

Danielle Trussonis "Angelus" will keineswegs als verklärte Engelsanbetung verstanden werden - wie man dem Titel nach annehmen könnte. Vielmehr handelt es sich bei dem vorliegenden Buch um einen düster angehauchten, durchweg spannungs- und emotionsgeladenen Mystik-Roman, der selbst überzeugten Atheisten einer Offenbarung gleichkommen wird. Trussoni beginnt ihren Debütroman leicht beschwingt, mit einer Unbeschwertheit, die allerdings beim weiteren Lesen bald verfliegt. Dem Rezipienten tun sich während der 650 Seiten menschliche und emotionale Abgründe auf, denen man auch nach dem Zuschlagen des Buches nicht entkommen kann. Glücklicherweise verspricht das Ende eine Fortsetzung, die ihrem Vorgänger hoffentlich in nichts nachstehen wird. Schließlich ist "Angelus" der handfeste Beweis, dass Trussoni Mythen und Realität in einem fulminanten Epos der Endzeitstimmung gekonnt vereinen kann und damit ihre Leser von der ersten bis zur letzten Buchseite zu fesseln vermag. Bitte mehr davon!

Susann Fleischer
01.03.2010

 
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Das Buch:

Danielle Trussoni: Angelus. Aus dem Amerikanischen von Rainer Schmidt

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Mnchen: Droemer Verlag 2010
656 S., 19,95
ISBN: 978-3-426-19878-0

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