Romane

Das langweilige Leben einer Vampirin

Nina ist 15 Jahre alt, als sie von Casimir, einem jahrhundertealten Vampir, gebissen wird. Dies ist nun schon 35 Jahre her und nach wie vor lebt Nina bei ihrer Mutter daheim. Während diese langsam immer älter wird, muss sich Nina tagtäglich mit den Problemen eines typischen Teenagers abmühen: Niemand hört ihr zu oder nimmt sie ernst und erste Anflüge romantischer Gefühle verwirren das Mädchen zutiefst. Und das Schlimmste an all dem ist das wöchentliche Treffen der Vampir-Selbsthilfegruppe. Mit ihrer Hilfe soll Nina ihr Bedürfnis, Menschen beißen zu wollen, kontrollieren und bis zum Ende ihres Daseins ein normales Leben führen können.

Ninas ruhiges Leben gerät aus den Fugen, als sie erfährt, dass Casimir brutal ermordet wurde - von einer Silberkugel erschossen. Irgendjemand hat es offenbar auf Sydneys Vampire abgesehen und auch Nina muss um ihre Existenz bangen, denn der Killer wird erst Ruhe geben, wenn die australische Metropole frei ist von den gefährlichen Blutsaugern - gefährlich zumindest nach dessen Einschätzung. Aber so böse sind Nina und ihre Freunde eigentlich gar nicht. Sie haben seit Jahren keinen Menschen mehr gebissen - sie ernähren sich vom Blut unschuldiger Meerschweinchen - und leben ziemlich zurückgezogen. Der Vampirkiller lockt sie aber nun aus ihrem Versteck hervor.

Mit Hilfe von Geld und Internet erfahren Nina und die anderen, dass ein gewisser Barry McKinnon hundert solcher Silberkugeln bestellt hat. Um McKinnon als Casimirs Mörder zu entlarven, müssen die Vampire allerdings in die australische Wüste fahren, zu McKinnons Heimatort. Dort erleben sie ihr blaues Wunder, denn statt eines berechnenden Vampirkillers begegnen sie einem hungrigen Werwolf, dessen Futter sie werden sollen. Aber noch ist nicht aller Tage Abend und es besteht berechtigter Grund zur Hoffnung, denn der Ruf von Werwölfen scheint der Realität nicht unbedingt zu entsprechen - ähnlich wie bei den Vampiren. Jener Werwolf, der tagsüber ein attraktiver Teenager ist, verbündet sich mit Nina und ihren Leidensgenossen und begibt sich mit ihnen auf eine gnadenlose Jagd auf den wahren Mörder.

Catherine Jinks` Roman "Blutsbande. Bekenntnisse einer Vampirin" zeugt von Esprit, Humor und kreativer Individualität. Seine "Helden" fristen fernab vom gängigen Klischee des romantischen, starken und mörderischen Blutsaugers ihr unsterbliches Dasein. Sie sind eine verängstigte Schar von Weicheiern und Versagern, die ihr eigenes Leben nicht in den Griff bekommen und die Öffentlichkeit vehement meiden. Jinks führt dem Leser eine gelungene Persiflage von Bestsellern à la Stephenie Meyers "Bis(s)"-Romanen vor, die unterhält und zu verzücktem Schmunzeln animiert. Es kann aufgeatmet werden, denn wie es scheint, muss man nicht dem Mainstream folgen, um erfolgreich zu sein - Catherine Jinks liefert hierfür den lebenden Beweis.

Susann Fleischer
04.01.2010

 
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Das Buch:

Catherine Jinks: Blutsbande. Bekenntnisse einer Vampirin. Aus dem Englischen von Christa Broermann

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Mnchen: dtv 2009
332 S., 12,90
ISBN: 978-3-423-24779-5

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