Romane

Die Geschichte einer ungewhnlichen Liebe in Russland um 1900

Die deutsche Schriftstellerin, Drehbuchautorin und Redakteurin Asta Scheib erhielt im Jahre 1997 das Bundesverdienstkreuz für Verdienste um die deutsche Sprache. Wer eines ihrer mittlerweile 23 Bücher gelesen hat, wird der Autorin diese besondere Ehrung sicherlich nicht absprechen wollen. Man nehme sich beispielsweise "Frost und Sonne" zur Hand - einen Roman, in dem Scheib die Lebensgeschichten zweier junger Männer im Russland des beginnenden 20. Jahrhunderts nachzeichnet und zugleich Geschichte lebendig macht.

Im Mittelpunkt des vorliegenden Romans steht der junge Fürst Felix Jussupow. Er ist der jüngste Spross einer der mächtigsten und reichsten Familien Russlands. Seine Mutter ist gut bekannt mit Xenia Alexandrowna Romanowa, Schwester von Zar Nikolaus II. und gern gesehener Gast bei Abendveranstaltungen. Felix wächst in einer behüteten Kindheit auf und weiß schon früh mit seinen Reizen die Menschen auf seine Seite zu ziehen. Bald avanciert er zum Liebling der feinen russischen Gesellschaft und bezirzt reihenweise die Frauen - so auch die Prinzessin Irina Alexandrowna, die Nichte des Zaren. Bereits in jungen Jahren wirft sie ein Auge auf Felix, aber er kann mit der anhänglichen Klette nichts anfangen. Erst Jahre später vollzieht sich bei Felix ein Wandel: Er entwickelt tiefergehende Gefühle für Irina und gibt sich dieser schließlich hin. Aber trotz einer glücklichen Ehe und einer gemeinsamen Tochter kann Felix eine geheime Leidenschaft nicht abstellen: seine Liebe zu Männern.

Im Gegensatz zu Felix sieht der Lebensweg von Grigorij Jefimowitsch Rasputin ganz anders aus: Als Sohn eines einfachen Bauern erfuhr er bereits in jungen Jahren, was harte Arbeit bedeutet. Obwohl er seine Frau und die gemeinsamen Kinder inniglich liebt, fühlt sich Rasputin daheim nicht genug gefordert und beschließt deshalb, sich auf eine Pilgerfahrt zu begeben. Berühmtheit erlangt der als Wunderheiler bekannt gewordene Rasputin, als er an den Zarenhof gerufen wird, um die Blutungen des an Hämophilie leidenden Zarensohns Alexej durch Gebete zum Stillstand zu bringen und so seine Nachfolge als Zar zu sichern. Und dies gelingt ihm auch recht erfolgreich. Während Rasputins Macht und Einfluss am Zarenhof wächst, steigt die Zahl seiner Feinde rapide an. Aber noch wähnt sich Rasputin in Sicherheit.

Für Felix und Rasputin verändert sich das Leben grundlegend, als Nikolaus II. dem Fürsten nahelegt, sich wegen seiner Homophilie vom Wunderheiler behandeln zu lassen. Allerdings ahnt der Zar nicht, dass diese Verknüpfung der Lebenswege beider Männer nur zu einem unheilvollen Ende führen kann. Denn während Rasputin den attraktiven Felix nicht oft genug treffen kann, würde dieser den Wunderheiler am liebsten ein für allemal aus dem Weg räumen. Die Tragödie scheint unausweichlich ...

Asta Scheibs historischer Roman "Frost und Sonne" ist ein berauschendes Gebilde aus Historie, Legenden und einem kleinen Schuss Fantasie. Scheib hat mit ihrer faszinierenden Sprachfertigkeit ein Gesellschaftsepos kreiert, das seine Leser in das Russland um 1900 versetzt. Der vorliegende Roman ist ein fein nuanciertes Sittenporträt, das dem Leser einen tiefen Blick in die echte russische Seele werfen lässt. Und dabei muss der Leser sich eingestehen: Auch wenn die Russen als gefühlskaltes Volk verschrien werden, so haben sich doch genauso viel Herz wie andere - auch wenn sie dies nach außen hin nicht zeigen. Dank Asta Scheib hat man nun die Möglichkeit, sich ein einzigartiges Bild von der vergangenen Romanow-Ära zu machen und so seine vorgesetzte Meinung über Russlands Volk im Nachhinein zu revidieren.

Susann Fleischer
07.12.2009

 
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Das Buch:

Asta Scheib: Frost und Sonne

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Mnchen: dtv 2009
368 S., 9,95
ISBN: 978-3-423-21183-3

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