Romane

Okzident trifft Orient

Literatur spielt bei der Präsentation eines Landes oft eine herausragende Rolle, denn schließlich ist Dichtung stets ein Spiegel der Gesellschaft und des Lebens, der den Rezipienten in eine exotische Welt führt - so auch die Bücher Luo Lingyuans. Ihr neuester Roman "Wie eine Chinesin schwanger wird" zeigt dem Leser das echte Leben in China und ist zugleich eine kleine Hommage an die Heimat der Autorin.

Die chinesische Fotografin Tingyi lebt mit ihrem Freund Robert im schönen Deutschland und sieht ihre Familie nur zu besonderen Anlässen. Als der Vater gedenkt, seinen 70. Geburtstag groß zu feiern, wird es für Tingyi Zeit, wenigstens für einige Wochen nach China zurückzukehren und mit ihrer Verwandtschaft eine glückliche Zeit zu verbringen. Anfangs ist auch alles harmonisch: Tingyis Eltern akzeptieren den deutschen Freund und nehmen ihn als Teil von Tingyis Leben an. Nur ein Thema scheint der Familie ein Dorn im Auge zu sein: Tingyi ist immer noch nicht schwanger, obwohl sie doch seit dem letzten Heimatbesuch nicht mehr verhütet. Spätestens zum Neujahrsfest soll das Kind gezeugt werden. Robert ist sogleich begeistert von dem Gedanken, Vater zu werden. Allerdings stellt der Deutsche bald fest, dass dies leichter gesagt als getan ist. Denn seine Freundin ist nicht so sehr von dieser Idee angetan und fügt sich eher widerwillig dem Wunsch ihrer Eltern. Als Tingyi dann auch noch bemerkt, wie Robert von anderen Chinesinnen angehimmelt wird, ist das große Drama vorprogrammiert. Zumal in der Familie nicht alles so ist, wie es anfangs erscheint.

Luo Lingyuan wurde 2007 mit dem Förderpreis zum Adelbert-von-Chamisso-Preis ausgezeichnet. Wer den vorliegenden Roman "Wie eine Chinesin schwanger wird" gelesen hat, kann den Grund für diese Ehrung nachvollziehen - beobachtet der Leser hier doch eine ganz normale chinesische Familie wie durch ein Guckloch und erfährt so Dinge, wie sie bei einem Besuch in China nie denkbar wären. Man wird Zeuge eines alltäglichen Lebens, das sich so sehr von dem westlichen unterscheidet und doch seinen ganz eigenen Reiz bietet. Dabei zeichnet die Autorin nicht nur das Leben einzelner Personen nach, vielmehr wirkt der Roman wie ein Spiegel der chinesischen Mentalität, die die Autorin mit wenigen, aber fein akzentuierten Worten perfekt in Szene setzt. Ein exzellentes Beispiel von hervorragend gelungener "Gastarbeiterliteratur", das seine Leser immer wieder aufs Neue erfreuen wird.

Susann Fleischer
19.10.2009

 
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Das Buch:

Luo Lingyuan: Wie eine Chinesin schwanger wird

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Mnchen: dtv 2009
200 S., 14,90
ISBN: 978-3-423-24744-3

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