Romane

Wahre Liebe: In guten , wie in schlechten Zeiten

Magdalena, genannt Mädi, wird als Baby vor einem Bettlerschachen ausgesetzt . Dort wird sie von Margret, genannt Grit, großgezogen, zusammen mit anderen Bettlern, die ihr zur Familie werden, ihr Erziehung und Liebe spenden. Recht unbeschwert wächst Mädi in ärmlichsten Verhältnissen auf, bekommt schon früh zu spüren, dass es Menschen gibt, die keinen Unterschied machen, denen Stand und Geld nicht mehr wert sind als eine reine, ärmliche Seele.

Als viele Jahre später die Bettler aus dem Tal vertrieben werden sollen, lernt Mädi auf der Flucht den Bauernsohn Ueli kennen, der seinem Vater bei der organisierten Vertreibung hilft. Ueli verliebt sich in das Mädchen und ein unglücklicher, gar trauriger Umstand führt dazu, dass Mädi und Ueli zurückbleiben. Doch Bettler dürfen sich nicht andernorts niederlassen und so versteckt Ueli die noch sehr junge Frau in einer Hütte. Beide verlieben sich ineinander und Ueli hofft, dass er seine Eltern mit der Zeit umstimmen, Mädi auf den elterlichen Hof ziehen und er sie zur Braut nehmen kann. So klaut er heimlich Vorräte und die Wochen vergehen. Bis ihn eines Tages sein Vater, der die Diebstähle bemerkt hat, zur Rede stellt. Schnell hat Ueli ihn auf seiner Seite und gemeinsam warten sie einen günstigen Zeitpunkt ab, der Mutter alles zu beichten.

Wieder ziehen etliche Wochen ins Land, und als das Geheimnis von Vater und Sohn schließlich ans Tageslicht kommt, speit die Mutter förmlich Feuer vor Wut. Die Situation eskaliert und ein Zusammenleben der Drei unter einem Dach wird unerträglich. Die Mutter straft den Sohn mit Nichtachtung und den Ehemann mit Liebesentzug. Der Vater trifft eine folgenschwere Entscheidung gegen seinen Sohn, die Ueli veranlasst, mit Mädi zu fliehen. Er hat noch nicht einmal mehr Zeit zum Packen, so schnell muss er mit seiner "Bettlerin", wie er sie liebevoll nennt, aufbrechen. Sie bekommen Hilfe vom Dorfpfarrer, der sie zügig verheiratet und ihnen eine sichere Anstellung als Magd und Knecht verschafft, und so ziehen sie in die Fremde.

Ihre neuen Arbeitgeber behandeln sie gut, die jungen Eheleute leben nicht schlecht und träumen von der Selbständigkeit als Fuhrleute. Doch bevor Pferd und Wagen bezahlt werden können, müssen sie mit einem Handkarren ihr Glück versuchen und das Geld für ein Fuhrwerk ersparen. Sie ergattern ein preiswertes Häuschen, kaufen sich den Handwagen und die erste Ware und ziehen durch die Schweizer Täler. Sie lernen allerlei Menschen kennen und einer davon wird zum Vertrauten. Doch der neue Freund hat seinen Vater aufgrund der Willkür eines Landvogts verloren, dieser hatte den armen Mann in einem Kerker sterben lassen. Dafür sinnt der neue Freund nach Rache und bittet Ueli und Mädi um Hilfe. Da der Landvogt viele Menschenleben auf dem Gewissen hat, ein Tyrann ist und gewalttätig, willigen sie schließlich ein. Der geplante Überfall auf den Vogt gelingt, doch dabei kommt einer seiner Knechte um.

Die Beute wird redlich geteilt und Ueli und Mädi könnten vom Ersparten und dem "robinhoodhaft" Ergaunerten endlich ein Pferd und einen Fuhrwagen kaufen. Sie stellen sich geschickt an, machen gute Geschäfte, überstehen zwei Überfälle und treffen stets auf Menschen, die ihnen gut gesonnen sind. Sie sind glücklich und zufrieden. Nur Ueli nicht, der würde gerne seinen elterlichen Hof zurückkaufen, den der Vater vor Wut auf die Flucht des Sohnes verkauft hat, nur um Ueli um sein Erbe zu bringen. Ueli hat nichts anderes mehr im Sinn, und Mädi unterstützt ihn nach Leibeskräften. Doch so hold wie ihnen lange Zeit das Glück war, so geschehen nun Dinge, die das Paar zu einer erneuten Flucht zwingen, sie an den Abgrund treiben. Sie müssen um ihr Leben fürchten und ihr Hab und Gut aufgeben, die Heimat verlassen ...

Paul Tanner hat einen sehr schönen, leicht zu lesenden, historischen Roman geschrieben, der sympathische Protagonisten hat, die dreidimensional sind und authentisch. Die Sprache mutet mittelalterlich an und ist trotzdem einfach zu lesen. Der Inhalt folgt einem roten Faden, ist interessant und spannend. Der gesamte Roman weist nicht eine einzige Länge auf. Man taucht ein in diese ärmliche, kärgliche Welt und fühlt sich wie ein Zeitzeuge auf einer ungewissen Reise. Sehr unterhaltsam und uneingeschränkt zu empfehlen.

Tanja Küsters
22.06.2009

 
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Das Buch:

Paul Tanner: Die Bettlerin

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Frankfurt am Main: August von Goethe Literaturverlag 2008
285 S., 14,40
ISBN: 978-3-8372-0375-2

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