Romane

Historisches Abenteuer mit einer Amazonenkriegerin

"Willst du mir etwas versprechen? [...] Dass wir uns niemals trennen, es sei denn, die Götter selbst wollen es anders?" fragt der 13-jährige Vilufar die 12-jährige Manja und die beiden kindlich-verliebten Jugendlichen versprechen es sich. Doch die Götter wollen es anders!

In seinem zweiten Roman "Tochter der Steppe" aus der Welt des stolzen Reitervolkes der Skythen, die im siebten vorchristlichen Jahrhundert die südrussische Steppe durchzogen, entführt der Schriftsteller Wolfgang Jaedtke mit seiner klaren und ergreifenden Sprache den Leser erneut in eine archaische Zeit. Schon sein erster historischer Roman "Steppenkind", der die Geschichte der Eltern der jungen Manja erzählt, behandelte das sagenumwobene Nomadenvolk der Skythen. Jedoch ist der zweite Roman auch ohne Kenntnisse des Vorgängers problemlos zu genießen - Jaedtke nimmt den Leser gekonnt an die Hand und lässt keine Leserwünsche offen.

"Tochter der Steppe" erzählt die abenteuerliche Geschichte von Manja, die mit ihrer Mutter Arinai in einem kleinen Dorf am Rand der Steppe lebt. Die Sesshaften leben stets mit der Angst vor den räuberischen, berittenen Skythen, die die Bauern ausrauben, töten und deren Kinder entführen und zu Sklaven degradieren. Eines Tages wird auch Manjas Dorf überfallen, doch einem glücklichen Umstand hat es das junge Mädchen zu verdanken, dass es von dem Überfall der Skythen verschont bleibt. Hilflos muss sie jedoch mit ansehen, wie ihr geliebter Vilufar von den Skythen entführt wird. Sie folgt heimlich dem Skythentross und wird so in ein Gefecht der Skythen und Sarmaten verwickelt. Die Sarmaten sind ebenfalls ein nomadisches Volk, das in dieser Epoche in Südrussland lebte, auch sie ritten auf Pferden und waren sogar ethnisch mit den Skythen entfernt verwandt. Die Reitervölker stritten um Weideland, weshalb es des Öfteren zu kämpferischen Auseinandersetzungen zwischen ihnen kam. Manja, fällt im Trubel des Gefechts einer sarmatischen Kriegerin auf und die Sarmaten nehmen Manja mit in ihr Zeltdorf.

Ein goldener Ring, den Manja zufällig in der Steppe gefunden hatte, sorgt für Aufsehen unter den Sarmaten. Die sarmatische Königin Emre identifiziert ihn als das Zeichen des sarmatischen Königshauses und hält Manja für die Tochter ihrer von den Skythen einst verschleppten erstgeborenen Tochter Vardane, der der Ring ursprünglich gehörte. Da Manja noch völlig unter Schock steht, widerspricht sie der Theorie der Königin nicht und gilt fortan als deren Enkelin. So kommt es, dass Manja zu einer sarmatischen Kriegerin ausgebildet wird - wie alle sarmatischen Frauen. Die Jahre ziehen dahin und die Erinnerung des Mädchens an ihre Mutter - von der sie annimmt, dass sie bei dem Überfall der Skythen ermordet wurde - und an Vilufar verblasst allmählich, verschwindet jedoch nie. Schnell wächst Manja zu einer starken Kämpferin heran und findet bei den Sarmaten nicht nur eine treue Freundin, Gwendike, sondern auch die große Liebe, in dem Krieger Sajan. Doch die eifersüchtige Bike macht Manja das Leben schwer, sie ist ebenfalls in Sajan verliebt und spioniert nun Manja nach. Kann sie Manjas Geheimnis, dass sie nicht die Tochter Vardanes ist, lüften?

Bei einem Überfall der Skythen wird Königin Emre getötet. Die zweite Tochter der Königin, Tamage, übernimmt nun die Herrschaft und erklärt den Skythen aus Rache den Krieg. In einer großen Schlacht treffen die beiden stolzen Völker aufeinander. Manja gerät durch eine List Bikes in die Gefangenschaft der Skythen. Wird Manja bei den Skythen Vilufar wieder treffen? Wird Bike Manjas Geheimnis lüften? Wird Sajan Manja noch lieben, wenn er weiß, dass sie keine Sarmatin ist? Ist Manjas Mutter Arinai vielleicht doch noch am Leben?

Konsequent behält Wolfgang Jaedtke die charakterliche Färbung der von ihm gezeichneten Personen bei, auch werden deren Entscheidungsprozesse und Gefühlswelten von dem Autor plausibel, feinfühlig und absolut nachvollziehbar beschrieben. Der Leser erhält ein lückenloses Bild der handelnden Personen und kann sich damit leicht auf die Geschichte einlassen. "Tochter der Steppe" besticht zweifellos durch das literarische und sprachliche Talent des Autors Wolfgang Jaedtke.

Jaedtke stellt seinem Roman eine Landkarte voran, die es dem Leser ermöglicht, die Geschehnisse auch geographisch nachzuvollziehen. Außerdem erklärt der Verfasser in einem Nachwort, dass es die Sarmatenkriegerinnen (die sagenhaften Amazonen) tatsächlich gegeben hat. Jaedtke erläutert ebenfalls, an welchen Stellen sein Roman historisch fundiert ist und an welchen Punkten er die Geschichte mit seiner Fantasie ausgebaut hat. Wolfgang Jaedtkes Roman überzeugt durch eine fundierte Recherche und die kreative und fesselnde Abenteuergeschichte rund um die Protagonistin Manja, die nicht nur Geschichtsfans begeistern wird.

Maria Merten
25.05.2009

 
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Das Buch:

Wolfgang Jaedtke: Tochter der Steppe. Historischer Roman aus der Welt der Skythen

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Mnchen: Piper Verlag 2009
380 S., 9,95
ISBN 978-3-492-25326-0

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