Romane

Was wre , wenn

Was wäre, wenn man sich an einem bestimmten Punkt seines Lebens anders entschieden hätte? Wäre man glücklicher und erfüllter oder vielleicht sogar ein ganz anderer Mensch geworden? Die amerikanische Autorin Lionel Shriver, die für ihren Roman "Wir müssen über Kevin reden" mit dem begehrten Orange Prize ausgezeichnet wurde, lässt in ihrem neuen Roman "Liebespaarungen" die Frage nach dem "Was wäre wenn" nicht offen, sondern erlaubt ihrer Protagonisten in zwei Storylines zwei unterschiedliche Lebenswege zu beschreiten.

Irina McGovern, Kinderbuchillustratorin und seit zehn Jahren mit Lawrence zusammen, lässt sich eines Abends, als sie mit dem gemeinsamen Freund und berühmten Snooker-Spieler Ramsey Acton zu Abend isst, zu einem folgenschweren Kuss hinreißen. Sie kann und will ohne diese ihr bisher unbekannte Begierde und Lust nicht mehr leben, andererseits kann sie sich aber auch nicht vorstellen, ihren verlässlichen, intelligenten und  treusorgenden Fast-Ehemann Lawrence zu verlassen, der ihr nie Grund zur Sorge gegeben hat, in ihr aber auch nie solch eine Begierde und Willenlosigkeit entfacht hat wie Ramsey.

Von nun an teilt sich Irinas Lebensweg auf: Jedes Kapitel gibt es zweimal, einmal erzählt es von ihrem ruhigen, aber sorgenfreien Leben mit Lawrence und einmal von ihrem aufregenden, aber auch unbeständigen Leben mit dem charismatischen Snooker-Spieler, mit dem sie um die Welt reist. 

Was zunächst - wie von dieser Art Roman erwartet - als klischeehafte Schwarz-Weiß-Malerei beginnt, entwickelt im Laufe der 579 Seiten viele Grautöne, die erkennen lassen, dass es nicht immer so ist, dass das, was man gerade nicht haben kann, immer automatisch besser ist als das, was man hat. Auch wenn Shriver die beiden Männer in Irinas Leben nicht unterschiedlicher und klischeehafter darstellen könnte - natürlich spricht der gebildete Lawrence viel gewählter als der ungebildete Lebemann Ramsey, den sie mit einer bisweilen recht derben Sprache ausstattet - verlieren sie jedoch im Laufe der Jahre ihre polarisierende Wirkung auf Irina und letztlich bleibt die Erkenntnis, dass im Leben nicht die Entscheidungen an sich das Wichtigste sind, sondern das, was man daraus macht. 

Sabine Mahnel
14.04.2009

 
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Das Buch:

Lionel Shriver: Liebespaarungen. Aus dem Amerikanischen von Monika Schmalz

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Mnchen: Piper Verlag 2009
579 S., 19,95
ISBN: 978-3-492-05096-8

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