Romane

Ein Leben in Briefen

Manchmal ist es einfacher, sich einem geliebten Menschen in Form von geschriebenen Worten zu offenbaren, als dies von Angesicht zu Angesicht zu tun. Jack, der seit 40 Jahren mit Laurel verheiratet ist und mit ihr ein B & B führt, hält eisern an einem Versprechen, das er seiner Frau gegeben hat, fest: Er schreibt ihr jeden Mittwoch einen Brief, egal ob sie sich an getrennten Orten aufhalten oder im selben Zimmer sitzen. Die Inhalte variieren von Liebeserklärungen bis zu einfachen Schilderungen von gemeinsamen Erlebnissen. 40 Jahre lang schreibt Jack die berühmten Mittwochsbriefe an seine Frau, bis sie beide in einer Nacht gemeinsam sterben – Jack litt an einem inoperablen Hirntumor und Laurel erleidet einen Herzinfarkt.

Um die Beerdigungs- und Erbschaftsangelegenheiten zu regeln, finden sich die drei Kinder der beiden – Matthew, Malcolm und Samantha – im Haus der Eltern ein. Matthew ist ein erfolgreicher Finanzexperte und mit der ehrgeizigen Monica verheiratet. Ihre Ehe ist seit Jahren ungewollt kinderlos. Samantha ist geschieden und alleinerziehend; vor vielen Jahren hat sie ihren Traum, Schauspielerin zu werden, aufgegeben und ist heute Polizeibeamtin. Das schwarze Schaf der Familie, Malcolm, ist, weil er um seine große Liebe kämpfen wollte, mit dem Gesetz in Konflikt geraten und nach Brasilien geflüchtet, wo er zwei Jahre umhergetingelt ist und an einem Buch geschrieben hat.

Beim Ausräumen des Kellers entdecken die Geschwister die komplette Sammlung der Mittwochsbriefe, die ihnen einen sehr persönlichen Einblick in das Leben ihrer Eltern gewähren. Doch nicht immer sind die Entdeckungen, die sie machen, positiv. Einer der Briefe und das darin enthaltene Familiengeheimnis drohen Malcolms Leben zu zerstören. Doch zum Glück kann er auf seine Familie zählen, die nun nicht nur den Verlust zweier geliebter Menschen, sondern auch eine schreckliche Nachricht verarbeiten muss.

Jason F. Wright, der in Amerika schon mit seinem ersten Roman „Christmas Jars“ in den Bestsellerlisten zu finden war, singt in „Die Mittwochsbriefe“ ein Loblied auf die Familie und die Mechanismen, die greifen, wenn sich dieses Gefüge in Gefahr befindet. Die großen Themen Zusammenhalt in einer Familie und Überwindung von Krisen durch Glauben, Vertrauen und Vergebung meistert Wright souverän, wenn auch die verabreichte Dosis an Idealisierung und der blinde Glaube seiner Figuren für den ein oder anderen zu viel sein könnten.

Sabine Mahnel
23.02.2009

 
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Das Buch:

Jason F. Wright: Die Mittwochsbriefe. Aus dem Amerikanischen von Marie Rahn

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Mnchen: Heyne Verlag 2009
286 S., 17,95
ISBN: 978-3-453-26609-4

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