Romane

Auszeit vom Regieren

Die Königin von England trägt eine große Verantwortung auf ihren schmalen Schultern. Sie muss nach Außen hin ihr Prestige bewahren und das Königshaus gegen diverse Peinlichkeiten schützen. Einer der bekanntesten Sätze, der im Zusammenhang mit ihr gesagt wird, ist nicht umsonst: "The Queen is not amused." Da ist es nur durchaus verständlich, dass sie beschließt, von ihrem Heim und ihrer Familie wegzulaufen. Diese Episode ihres Lebens beschreibt Emma Tennant in ihrem Roman "Die Autobiografie der Queen".

Es ist ein kalter Morgen auf dem schottischen Landsitz der Queen. Sie packt ein kleines Köfferchen mit ihren Habseligkeiten. Ihr ehemaliger Diener Brno (er heißt tatsächlich so und nicht, wie man meinen könnte, Bruno) hat ihr einen gefälschten Ausweis und eine Unterkunft im Süden besorgt. Dort möchte sie ihre letzten Lebensjahre verbringen. Schließlich hat sie lange genug regiert, und nun ist es Zeit für die junge Generation. Also begibt sie sich zum Flughafen, wo sie den ganzen Betrieb mit kleinen Schusseligkeiten aufhält. Und irgendwann ist es geschafft: Sie sitzt im Flieger auf dem Weg in die Karibik. Ihr Gepäck hat sie dummerweise im Flughafen stehen lassen. Aber sie hat ja genügend Bargeld sowie einige Smaragde bei sich.

Als sie in ihrem Paradies ankommt, ist allerdings ihre gekaufte Villa noch nicht fertig und so muss sie Unterschlupf in einem Hotel finden. Dort wird sie doch tatsächlich ausgeraubt. Sie wird einfach so auf die Straße gesetzt, aber findet Hilfe bei dem Einheimischen Austin. Der ist anfangs nur auf ihr Geld aus, aber dann entwickelt er eine Art Zuneigung für die alte, etwas schrullige Dame. In der Zwischenzeit sind die Briten über die Abwesenheit ihrer Queen so sehr bestürzt, dass sie sich auf die Suche nach ihr machen. Nach einigen Tagen ist dann auch der Abschied von der Karibik gekommen, sie muss wieder nach Hause zu ihrer Familie und zu ihrem Volk. Aber wie ohne Pass und ohne Geld?

Emma Tennant zeigt eine Elizabeth II., die in der Öffentlichkeit für ihre Härte bekannt ist. Doch im Roman ist sie eine zerbrechliche, alte Dame, die auch nur ihr Leben genießen möchte. Dabei wirkt sie naiv, da sie an das Gute im Menschen glaubt. An einigen Stellen möchte man die Frau am liebsten anschreien und ihr sagen, dass sie aufwachen soll. Sie befindet sich nun in der Realität, weit ab von ihrem Gefolge. Doch überzeugt sie mit ihrem Charme, wenn sie einen anlächelt oder sich hinter den Tresen einer Bar stellen, um Gäste zu bedienen. Sie erscheint menschlich.

Susann Fleischer
02.02.2009

 
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Das Buch:

Emma Tennant: Die Autobiografie der Queen. Aus dem Englischen von Sabine von Sternstein

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Mnchen: dtv 2008
160 S., 9,95
ISBN: 978-3-423-21105-5

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