Romane
Eine Lektüreabenteuer, das einen auf (fast) jeder Seite zu überraschen weiß
Miss Lydia ist die jüngste der Bennet-Schwestern, doch was ihr an Reife und Verantwortungsbewusstsein fehlt, macht sie wett durch Lebenslust, Witz - und eine gehörige Portion Magie. Alles scheint wie immer: Mrs. Bennet leidet unter ihren Nerven, Mr. Bennet leidet unter Mrs. Bennet, und alle fünf Töchter leiden unter einem Vermögen, das ausschließlich an männliche Erben übergehen darf. Doch Lydia treiben völlig andere Dinge um: Ihre liebste Schwester Kitty ist in Wahrheit eine Katze, Ihr Liebhaber Wickham ist tatsächlich so ruchlos, wie alle behaupten. Was sollte man auch anderes erwarten von einem Dämon? Und wer glaubt, Mr. Darcy sei beim Thema Tanzetikette ohne jeglichen Humor, der sollte erst einmal sehen, wie er auf Hexerei reagiert. Vor allem jedoch muss Lydia begreifen, dass Versprechen eine eigene Macht besitzen ... besonders, wenn man eine Hexe ist.
Als Hexe versucht Lydia, das gesellschaftliche Korsett des Regency-Englands mit einer kräftigen Portion Zauberei aufzumischen. Und meistens gelingt ihr das auch. Bis sie eines Tages Lord Wormenheart, eine Großmacht, Aristokrat der Zauberei, begegnet und ihm eine Gunst anbietet, um ihrer "Schwester" Kitty zu retten. Viele Jahre später fordert er dieses Versprechen ein, wodurch Lydia lernen muss, mit ihrer Magie und den Konsequenzen ihrer Entscheidungen zu leben. Und so sieht sich die junge Dame schon bald in ständiger Begleitung mit Wickham, der sich als waschechter Dämon herausstellt. Auch taucht immer wieder Mr. Darcy auf. Doch der reagiert sehr eigenartig auf Hexerei. Nun braucht er Lydias Hilfe um jeden Preis. Sonst ist dessen Schwester verloren. Lydia ist zwar ein verdammt gute, tatsächlich sogar genialste Hexe, aber Wunder kann auch sie kaum vollbringen ...
Unterhaltung, die einen so breit grinsen lässt wie ein Honigkuchenpferd - was Melinda Taub schreibt, hebt sich wohltuend von den Neuerscheinungen der letzten Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte ab. Entsprechend begeistert liest man "Stolz, Vorurteil und Hexerei" und fühlt sich ab dem ersten Satz ganz high. Nicht einmal Drogen könnten einen so berauschen wie diese knapp 500 Buchseiten. Also, das perfekte Entzugsprogramm! Und für alle anderen ohne jeden Zweifel ein Highlight in Bücherherbst 2026. Kaum mit der Lektüre begonnen, haut es einen glatt um. Von solchen Geschichten sollte es mehr, sogar viel, viel mehr auf dem Belletristikmarkt weltweit geben. Diese jedenfalls lohnt absolut eine Entdeckung! Das zeigen auch zahlreiche Rezensionen im Internet, die die originelle Idee und das atmosphärische Setting loben. Endlich wieder frischer Wind im Bücherregal!
Dass Jane Austens Romane auch nach über 115 Jahren seit ihrer Erstveröffentlichung überaus attraktiv für die Leserschaft (von heute) ist, beweist Melinda Taubs Version von "Stolz und Vorurteil" mit jedem Satz. Die Autorin erzählt den berühmten Literaturklassiker neu und gibt ihm einen ganz besonderen Twist, nämlich einen magischen. Hier fliegen die Lektürestunden nur so dahin, denn auf keiner Seite wird es langweilig. Das vorliegende Buch ist eher das absolute Gegenteil: nämlich aufregend, zauberhaft und herrlich, einfach nur herrlichst! Eben mal etwas Anderes, weil definitiv nicht nullachtfünfzehn!
Susann Fleischer
14.09.2026
