Romane
Fünf Menschen, fünf Geschichten, ein 240 Seiten langer, selten berührender Seelen-Striptease - und für den Leser pures Lektüreglück zwischen zwei Buchdeckeln
Laura hat schon als Kind verstanden, wie Mitleid funktioniert. Barbara füllt ihr leeres Haus mit Versandhauskatalogen und einem Mann, den es nicht gibt. Heike sitzt seit dreißig Jahren in einem Haus, das ihrer Schwiegermutter gehört, und träumt von einem Garten, den sie nie haben wird. Christina verkleinert mit ihrer Kunst die Welt, weil sie sie sonst nicht aushält. Und Mattis, der an Wahrheit glaubt, beginnt zu ahnen, dass es nicht um Fakten geht, sondern um Glaubwürdigkeit. Mit feinem Gespür und großer Intensität erschafft Ronja von Rönne ein Mosaik über Liebe als Behauptung und Wahrheit als Konstrukt. "Mit ihrem neuen Roman ist Ronja von Rönne der große Wurf geglückt: 'Alles Liebe' ist unterhaltsam, grausam und zwingend." Arno Frank, DER SPIEGEL
Fünf Einzelschicksale, die alle irgendwie zusammengehören, finden sich in "Alles Liebe". Da geht es um Laura, die montags vor der Klasse über ihre krebskranke Freundin berichtet, aber, um es tragischer zu machen, zu Lügen greift. Später dann mit dem Terroranschlag auf der World Trade Center vom 11. September 2001, bei dem angeblich ihre Tante verstarb ... Barbara hingegen befindet sich nach dem Tod ihrer Tochter in einer Parallelwelt, bestehend aus Hochglanzkatalogen. Sie findet in ihrem erfundenen Ehemann Rolf Trost in ihrer Trauer, bis eines Tages die Polizei vor der Tür steht ... Heike flüchtet sich in einem Blog und findet so ihren Ausweg aus einer lieblosen Ehe ... Christina versucht sich, aus ihrer Beziehung mit Fedor zu befreien ... Mattis steht wegen Vergewaltigung vor Gericht und muss erkennen, dass selbst an diesem Ort die Wahrheit kaum zählt ...
Belletristik, die mit jedem einzelnen Satz das Herz erfreut über alle Maßen - was aus der Feder einer Ronja von Rönne stammt, lässt kein Auge lange trocken. In den Geschichten der deutschen Autorin finden sich mehr Emotionen als bei vielen anderen Schriftsteller*innen. Aber nicht nur das macht die Lektüre von "Alles Liebe" so besonders. Diese trifft einen im tiefsten Herzen, aber auch direkt in die Amygdala. Etwas, das nur die wenigsten Neuerscheinungen der letzten Jahre von sich behaupten können. Entsprechend enttäuscht ist man, dass diese Unterhaltung nur über 240 Buchseiten anhält. Gerne würde man von der Berlinerin mehr lesen, sogar viel, viel mehr! Denn ihre Bücher sind ein Garant für noch nie dagewesene Glücksgefühle über Tage oder Wochen hinweg.
Ronja von Rönnes Art des Geschichtenerzählens ist einmalig in der deutschen Literatur: poetisch, leise, aber doch laut, intensiv und intim, absolut ehrlich, ganz nah an der Realität vieler und zugleich weit entfernt. Definitiv auf höchstem Niveau! In ihrem Roman "Alles Liebe" schreibt sie über Protagonisten, die sich in Traumwelten flüchten, die Wahrheit mithilfe von Lügen zurechtbiegen, aber eigentlich nur auf der Suche nach ihrem persönlichen Glück sind. Der Leser findet sein selbiges garantiert in diesem Buch!
Susann Fleischer
07.09.2026
