Romane
DAS Juwel unter den Neuerscheinungen 2026; geradezu ein Romandebüt-Wunder
Unwillige Katalogbräute, unwissende Junggesellen und ein seltener Schneckenkönig - der Angriffskrieg der Russen auf die Ukraine 2022 macht aus diesen Figuren und ihrer Autorin eine skurrile Schicksalsgemeinschaft. Ein meisterhaftes Debüt über Liebe und Verlust, über Zerstörung in vielen Facetten und die rettende Kraft des Humors. Oder Inhalt in kurz: Erzählt wird die Geschichte dreier Ukrainerinnen, die für eine Heiratsagentur in der Ukraine arbeiten und Treffen mit zahlenden Junggesellen aus Übersee arrangieren, die dort eine Ehefrau suchen. Die Frauen planen, einige dieser Junggesellen zu entführen und Lösegeld zu erpressen. Die Entführung soll ihnen die Gelegenheit bieten, die Frauenfeindlichkeit der Heiratsvermittlungsbranche anzuprangern. Ihr Plan scheitert jedoch am selben Tag, an dem sie die Junggesellen entführen, als Russland 2022 in die Ukraine einmarschiert.
Inhalt in länger: Jewa ist Wissenschaftlerin und reist mit ihrem Wohnmobil, das sie zu einem mobilen Labor umgebaut hat, durch die Ukraine, um bedrohte Schneckenarten zu sammeln. Sie hofft, einige dieser Schnecken züchten zu können, um ihre Populationen zu vergrößern. Viele von ihnen sind jedoch Auslaufmodelle - die letzten ihrer Art. Ihre Naturschutzprojekte finanziert sie durch ihre Arbeit für das kanadische Unternehmen "Romeo Meets Yulia". Dieses Unternehmen vermittelt Frauen an westliche Männer, die für Reisen in die Ukraine bezahlen und dort an sogenannten "Romantikreisen" teilnehmen, bei denen sie ukrainische Frauen kennenlernen. Jewa hat keinerlei Absicht, mit den zahlenden Männern Sex zu haben oder sie zu heiraten. In der Agentur trifft sie auf zwei andere Frauen: Nastia, die sich als Braut ausgibt, und ihre ältere Schwester Sol, die als ihre Übersetzerin fungiert.
Die beiden suchen ihre Mutter, eine feministische Aktivistin, die vor acht Monaten verschwunden ist. Nastia und Sol planen, eine Gruppe von Junggesellen zu entführen und die Krise zu nutzen, um auf das Leid der im Brauthandel verschleppten Frauen und die Frauenfeindlichkeit der sogenannten "Katalogbräute" aufmerksam zu machen. Die beiden Schwestern überreden Jewa, sich dem Plan anzuschließen, und die drei Frauen wollen ihren Lieferwagen benutzen, um die Geiseln festzuhalten. Am 23. Februar 2022 setzen die drei Frauen in der ukrainischen Hauptstadt Kiew ihren Plan in die Tat um. Sie locken dreizehn Junggesellen in den Laderaum von Jewas Lieferwagen und fahren mit ihnen aufs Land, wo sie sie festhalten wollen. Ihre Pläne werden jedoch durchkreuzt, als Russland am folgenden Tag in die Ukraine einmarschiert ...
Belletristik, die einen ganz schwindelig macht - niemand auf der Welt schreibt so wie Maria Reva. Und das ist äußerst schade! Denn Debüt wie "Ein Königreich für eine Schnecke" sollte es viel, viel mehr auf dem Markt geben. Mit diesem erfährt man Unterhaltung, die alles ist, außer gewöhnlich. Was man hier in die Hände bekommt, ist eine Geschichte zum Verlieben. Die knapp 500 Seiten liest man mit einem lachenden und einem weinenden Auge, denn Reva lässt es hier weder an Schmunzelhumor noch an emotionalem Tiefgang fehlen. Definitiv ein Highlight, außerdem etwas fürs Herz. Wieder einmal zeigt sich zwischen zwei Buchdeckeln, wie nah Fiktion und Realität beieinanderliegen, sich gegenseitig bedingen und auf den Leser Einfluss nehmen. Und dennoch, trotzdessen gelingt es einem für wenige Stunden, dem eigenen echten Leben zu entfliehen. Ähnliches gelingt nur den wenigsten Romanen!
Maria Revas Geschichten liest man mit noch nie dagewesener Begeisterung. Diese sind eine absolute Seltenheit im Bücherregal und deshalb eines der schönsten, wertvollsten Juwelen auf dem deutschen, gar internationalen Literaturmarkt. Mit "Ein Königreich für eine Schnecke" gelingt der kanadischen Schriftstellerin ukrainischer Abstammung DER Überraschungshit im Sommer 2026. Gleich bei den ersten paar Sätzen ist man hin und weg von Revas Schreibtalent. Sie ist eine Erzählerin, die ihresgleichen sucht. Definitiv nicht zu übertreffen!
Susann Fleischer
22.06.2026
