Romane

Wissen, Spannung, Intrigen und Liebe im historischen Setting Paduas

Die Schweiz im Sommer 1540: Weil sie der Frau des Ratsherrn mit ihren Salben, Jauchen und Tinkturen nicht helfen konnte, wird Verena von Pfäffikon als Hexe verunglimpft und droht auf dem Scheiterhaufen verbrannt zu werden. Doch Schicksalsgöttin Fortuna ist der jungen Frau hold. Im Ort bricht ein Feuer aus und Verena gelingt die Flucht. Zuflucht findet sie drei Wochen später im Renaissance-Italien. Als Mann verkleidet und sich nun Johann nennend trifft sie in Padua ein und findet sich vor der "Universa Universis Patavina Libertas" ein, wo Studenten aus aller Welt ein Zuhause gefunden haben. Und nun auch Verena? Im Sog einer Gruppe von Studenten gelangt sie ins anatomische Theater und wird Zeugin, wie der berühmte Anatom Andreas Vesal eine Obduktion ausführt. Doch noch während der Demonstration wird Vesal nach draußen zu einem sterbenden Studenten gerufen.

So wie der Arzt erkennt Verena sofort, dass der junge Mann vergiftet wurde. Noch am Tag ihrer Ankunft findet sich Verena offenbar in einem Mordfall wieder. Gemeinsam obduzieren sie die Leiche und finden sich in ihrem Verdacht bestätigt. Doch wer sollte einen Studenten vergiften? Und warum? Um diesem Rätsel auf die Spur zu gelangen, braucht es unter anderem auch Wagemut. Verena bricht in verbotene Kirchengärten ein, legt sich mit der heiligen römischen Kirche sowie Inquisition an und scheint sich selbst weder vor Tod noch vor Teufel zu fürchten. Einzig Vesals Dienerin vermag es, Verena des Öfteren aus der Fassung zu bringen. Najat jedoch verbirgt so manches Geheimnis. Womöglich ein noch dunkleres als das von Verenas wahrer Identität? Während die Tage vergehen und Vesal mit Verena als Assistentin dem Täter immer näher kommt, zieht sich die Schlinge auch um Verenas Hals enger und enger ...

Historische Unterhaltung par excellence - genau die, außerdem fesselnde Spannung in Verbindung mit großen Gefühlen erfährt man mit den Romanen eines Leon Morell. Dessen Bücher bedeuten ein Lektüreerlebnis, das man so schnell garantiert nicht vergisst. Die Story nimmt einen über viele, viele Stunden lang vollkommen gefangen, sodass man von der Welt um sich herum nichts mehr mitbekommt. Die gut 400 Seiten versprechen Literatur auf dem Niveau einer Iny Lorentz, Sabine Ebert oder gar Ken Follett. Was hier zwischen zwei Buchdeckeln steht, ist nur äußerst schwer zu übertreffen. Der deutsche Autor beweist zudem, dass er keineswegs ein One-Hit-Schriftsteller-Wonder ist, sondern vielmehr zur Top-Riege der hiesigen Autorengemeinschaft gehört. "Der sixtinische Himmel" hat ziemlich von sich reden machen, aber der Zweitling wird dies noch um einiges mehr tun.

Was Leon Morell mit "Die Anatomie einer neuen Zeit" gelingt, ist das Paradezeit von Belletristik der mitreißenden Sorte. Diese Lektüre lässt den Leser glauben, er ist mittendrin im Geschehen statt nur dabei. Solch eine literarische Zeitreise unternimmt man nur höchst selten, dafür aber mit umso größerer Begeisterung. Die Sternstunden der Medizin, eingefangen in einem packenden historischen Roman? Kein unmögliches Unterfangen, wie das vorliegende Buch überaus eindrucksvoll, packend und spannend zeigt. Kommt man dieser Tage zum Lesen, dann sind Morells Werke absolute Pflicht!

Susann Fleischer 
17.02.2025

 

Das Buch:

Leon Morell: Die Anatomie einer neuen Zeit. Historischer Roman

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München: dtv 2025 432 S., € 24,00 ISBN: 978-3-423-28435-6

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