Romane
Dämonisch ist das Söldnerleben
Beim Klingenrausch handelt es sich um eine Elite-Söldnereinheit. Nach dem überraschenden Tod ihres Anführers und dem Diebstahl eines wichtigen magischen Artefakts droht die Einheit aber zu zerfallen. Doch dann winkt den Kämpfern ein besonderer, fast unmöglicher Auftrag, der ihren Ruhm und ihre Schätze mehren könnte. Die Tochter des Kommandanten erkennt die Chance und bald muss sich der Klingenrausch seiner größten Herausforderung stellen.
Vielschreiber Robert Corvus entführt in "Rotes Gold" sein Publikum in eine düstere Fantasywelt und rückt bei seinen Beschreibungen immer wieder militärische Aspekte in den Vordergrund. Dementsprechend beschreibt er bei Kämpfen ausführlich die einzelnen Einheiten von Armbrustern, Hellebardieren, Pikenieren oder Schanzknechten. Das macht aber nicht den eigentlichen Reiz der Lektüre aus. Der liegt vielmehr in Teilen der von Corvus beschriebenen Welt, einiger spannender Ideen und deren Umsetzung.
So ist die Heimat der Söldner eine faszinierende Stadt, in der diese mit Dämonen in einer Art dunkler Symbiose leben. Wenigen ist es vergönnt, ein Avatar zu werden und sich körperlich mit einem Dämon zu verbinden, der ihnen besondere Fähigkeiten schenkt. Durch diese löst Robert Corvus nicht nur elegant Herausforderungen wie den Transport eines Heeres. Er nutzt diese Fähigkeiten auch, um Auseinandersetzung besonders intensiv zu beschreiben. Unvermittelt gewährt der Autor zudem einen Blick in die Seele eines mit einem Dämon verbundenen Avatars. Diese Beschreibung gerät überraschend und packend zugleich, ist jedoch leider nur ein kurzes Aufblitzen. Genau auf diese Stärken hätte sich Robert Corvus fokussieren sollen.
Häufiger als solche spannenden Einblicke finden sich nämlich - teils auch drastischer beschriebene - Gewalt- und Folterszenen. Natürlich tragen diese zur Stimmung bei und unterstreichen, um was für skrupellose und mit Dämonen paktierende Kämpfer es sich bei den Söldnern handelt. Hier wäre aber insgesamt weniger mehr gewesen. Auf jeden Fall eignet sich das Werk so für Zartbesaitete nicht. Gleichzeitig verläuft der Auftakt von "Rotes Gold" etwas schleppend und hätte - besonders bezüglich des weitgehend überflüssigen Prologs - eine Straffung vertragen können. Er wirkt in Teilen zudem etwas unrund und einige Unplausibilitäten trüben das Lesevergnügen. So mag die düster-dämonische Söldnerwelt nicht ganz zu deren späterer Romantisierung und der Einführung fast demokratischer Befehlsstrukturen passen. Dann stellen sich die Verteidiger der Stadt in einigen Szenen auch noch ziemlich dämlich an.
Bei "Rotes Gold" kommen vor allem Fans der Dark Military Fantasy auf ihre Kosten, wobei der Autor durch einige gute Einfälle, die das Werk von anderen des Genres positiv abheben, punkten kann. Ganz kann das Endergebnis jedoch nicht überzeugen.
Ingo Gatzer
16.09.2024
