Romane

Das "Game of Thrones" der italienischen Renaissance

Italien im 15. Jahrhundert: Prächtige Paläste, blutrünstige Herrscher - im Italien der Renaissance kämpfen sieben große Familiendynastien um die Macht; in Mailand die Visconti-Sforza, in Venedig die Condulmer, in Ferrara die Este, in Florenz die Medici, in Rom die Colonna und die Borgia und in Neapel der König von Aragón. Als Gabriele Coundulmer, Spross der einflussreichen Venezianer, unter dem Namen Eugen IV. den Papstthron besteigt, bringt das die Feinde der Condulmer auf den Plan: Gemeinsam vertreiben die Mailänder Herzogsfamilien der Visconti und der Sforza Eugen IV. aus dem Vatikan. Der Papst entgeht nur knapp seiner Ermordung und flieht ins florentinische Asyl. Doch die Sforza schmieden bald neue Allianzen - zumal die Condulmer mächtige Unterstützer in Florenz gewinnen: niemand anderes als die legendären Medici.

Während seines Exils in Florenz ernennt Eugen IV. den ehemaligen Räuberhauptmann und Condottiere, Giovanni Vitelleschi zum Kardinal. Ein Fehler, der die Kirche in eine Krise stürzt. Vitelleschi errichtet in Rom eine Schreckensherrschaft und verwüstet dabei unter anderem Latium. Erst mit seiner Ermordung Anfang April 1440 kehrt Frieden in die Engelsburg zurück, allerdings ein äußerst brüchiger. In das Pontifikat von Eugen IV. fällt auch das Konzil von Basel, das mit dem abgespaltenen Konzil von Ferrara/Florenz bis 1449 dauern soll und mit politischen Unruhen innerhalb der Kirche verbunden ist: Der in Basel verbliebene Teil setzt Eugen als Papst ab und wählte in einem nur wenige Tage dauernden Konklave Amadeus VIII. zum (Gegen-)Papst. Schon bald gerät das Machtgefüge ins Wanken, und das Land droht im Chaos zu versinken ...

Historienkino der einsamsten Spitzenklasse - einen Roman von Matteo Strukul zu lesen, bedeutet, eine besonders spannende, fesselnde, lebendige Reise in die Vergangenheit Italiens zu unternehmen. Während der Lektüre von "Die Macht der sieben Familien" glaubt man sich tatsächlich mittendrin im Geschehen statt nur ganz nah dabei. Gier erfährt man vom ersten bis zum letzten Satz einen Lesegenuss, der einen ganz schwindelig macht, ob ihrer Grandiosität sogar glatt umhaut. Strukul kann schreiben, so genial wie nur wenige andere seines Genres. Sein Können macht nicht nur ganz atem- und sprachlos, sondern darüber hinaus auch high. Seine Bücher sind weitaus mehr als packende, mitreißende Unterhaltung zwischen zwei Buchdeckeln, nämlich eine Geschichtsstunde mit absolutem "Wow!"-Effekt. Das gehört unbedingt in jedes Bücherregal!

Dank Matteo Strukuls Veröffentlichungen erfährt man ein historisches Vergnügen, das alles andere glatt in den Schatten stellt. Diese nehmen alle Sinne gefangen, begeistern den Leser außerdem über alle Maßen. Geschichte wird in "Die Macht der sieben Familien" zu einem Erlebnis, das einen um den Schlaf bringt. Der Autor beweist erneut: Er ist ein schriftstellerisches Ausnahmetalent, das seinesgleichen sucht. Absolut grandios, definitiv nicht zu übertreffen!

Susann Fleischer 
10.01.2022

 
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Das Buch:

Matteo Strukul: Die Macht der sieben Familien. Historischer Roman. Aus dem Italienischen von Ingrid Exo, Christine Heinzius

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Mnchen: Goldmann Verlag 2021 704 S., 13,00 ISBN: 978-3-442-49175-9

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