Romane

Mitreiendes Lesekino wie aus der Feder einer Brigitte Riebe, einfach nur grandios!

Bei der Feier zu Mayas dreißigstem Geburtstag bricht ihre Oma Charlotte beim Öffnen der Haustür zusammen und wird ins Krankenhaus gebracht. Anlass für den Sturz ist der unerwartete Besuch eines älteren Herrn, den Charlotte zu kennen scheint, dessen Namen Paula und Maya aber noch nie gehört haben. Für Tochter und Enkelin ist Charlotte eine fleißige Bäuerin vom Lande, ruhig, bescheiden und immer auf Konventionen bedacht. Der überraschende Besuch von "Muck" löst bei Charlotte Erinnerungen aus, die sie nun ihrer Familie zum ersten Mal erzählt. Alles beginnt 1927, Jahre bevor Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt wurde und die Welt nahe an den Abgrund führte. Damals, als Charlotte noch unbeschwert war, frei von Sorgen. Doch das ist ein Trugschluss, noch dazu ein äußerst fataler.

Taunus, 1930er: Charlotte lebt bei ihrer alleinerziehenden Mutter Lisette und geht ihrer Berufung nach. Sie tritt in die Fußstapfen ihrer Mutter und beginnt in einer der feinsten Schneidereien Wiesbadens zu arbeiten. Die politischen Veränderungen in Deutschland gehen auch nicht an dem kleinen Ort vorbei, in dem die Familie Winter wohnte. Die Nationalsozialisten gewinnen immer mehr Anhänger und erlassen zunehmend Gesetze gegen die Juden. Auch Charlottes Freundin Rosi und deren Familie fürchten um ihre berufliche Existenz, später sogar um ihr (Über-)Leben. Sind sie doch als Juden für viele Deutsche der Feind. In dieser schlimmen Zeit macht Charlotte eine zufällige Begegnung, die ihr Leben komplett verändern wird. Von einer Sekunde auf die andere muss sie eine Entscheidung treffen.

Charlottes Tochter Paula und Enkelin Maya kennen Charlotte als stille, genügsame Frau und wissen nicht, dass sich hinter ihrem Schweigen ein großes Schicksal verbirgt. Dabei tragen auch sie Geheimnisse mit sich herum. Welch Gefahren Charlotte im nationalsozialistischen Deutschland auf sich genommen hat und wie sehr sie geliebt hat, das erfahren Paula und Maya erst nach und nach. Paula und Maya staunen darüber, wie beherzt Charlotte damals gehandelt und welchen Mut sie besessen hat ...

Literatur, die so sehr fesselt, dass man von der Welt um sich herum nichts mehr mitbekommt - mit ihren Geschichten sorgt Astrid Ruppert für Unterhaltung der mitreißendsten Sorte. Gleich ab dem ersten Satz verliert sich mit allen Sinnen in ihren Büchern. Diese lassen einen auch Tage nach der Lektüre partout nicht los. So ergeht es einen auch mit "Ein Ort, der sich Zuhause nennt". Hier findet man Emotionen auf jeder Seite. Da droht einem das Herz mehr als einmal zu brechen. Und dennoch will man keinen Augenblick von der Handlung verpassen. Ist man doch mittendrin im Geschehen statt nur dabei. Ohne jeden Zweifel: Ruppert kann schreiben, so grandios, dass einem ganz schwindelig wird. Ihre Romane sind ein Lesegeschenk, das man hüten sollte wie einen Schatz. Danke für dieses!

Spätestens seit der Veröffentlichung von "Leuchtende Tage", dem ersten Band der Winterfrauen-Trilogie, gehört Astrid Ruppert zur Top-Elite von Deutschlands Autorinnen. Ihre Erzählkunst überwältigt einen geradezu, ist mit das Beste, was man im Bücherregal findet. Mit "Ein Ort, der sich Zuhause nennt" erfährt man eine berührende Lektüre wie aus der Feder einer Claire Winter oder Brigitte Riebe. Ruppert beweist, dass sie nicht nur amüsant kann, sondern auch Literatur auf höchstem Niveau schreibt.

Susann Fleischer 
06.12.2021

 
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Das Buch:

Astrid Ruppert: Ein Ort, der sich Zuhause nennt

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Mnchen: dtv 2021 480 S., 15,00 ISBN: 978-3-423-26301-6

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