Romane

Historische Unterhaltung par excellence

Versailles, 1755: Die junge Véronique lebt in Armut mit drei Brüdern und ihrer Mutter, einer Näherin. Mühselig hält die Familie sich über Wasser, mit Kleidung, die sie in den Pariser Gassen finden, flicken und verkaufen. Doch bald dringt der Ruf von Véroniques Schönheit bis zum Schloss, wo Ludwig XV. das Interesse an seiner Favoritin, Madame de Pompadour, verloren hat. Dem König steht der Sinn nach Abwechslung. Die Chance für Véroniques Familie, an Geld zu kommen. Deren Armut zwingt die Mutter, ihre Tochter fortzugeben. Ein Monsieur Durand spricht vor, um sich über sie zu erkundigen. Kurz darauf findet sich Véronique, noch Jungfrau und naiv, in Versailles, im Bett von Ludwig wieder. Sie wird seine Geliebte, doch das Arrangement nimmt ein jähes Ende, als sie ein Kind erwartet.

Jahre später wächst Marie-Louise bei einer Pflegemutter auf, die sie zur Hebamme ausbildet. Über ihre Mutter weiß sie nichts. Sie heiratet den Anwalt Pierre, der an der Seite Dantons für den Sturz des Königs kämpft. Doch eines Tages, kurz nach der Revolution von 1789, wird Pierre in einem anonymen Schreiben vorgeworfen, seine Frau habe Verbindungen zum Königshaus. Das könnte ihn nicht nur seine Karriere, sondern auch den Kopf kosten. Für Marie-Louise die Möglichkeit, mehr über das Geheimnis ihrer Herkunft herauszufinden. Diese leidet unendlich darunter, dass sie ihre Eltern nicht kennt. Also stellt sie eines Tages Nachforschungen an. Diese führen die junge Frau bis nach Versailles. Dort offenbart sich so manch dunkle Wahrheit. Marie-Louises Zukunft gerät in Gefahr ...

Literatur, von der einem gleich ab dem ersten Satz ganz schwindelig wird - Eva Stachniak kann schreiben, meisterhafter als viele andere ihrer Zunft. Ihr Können macht den Leser ganz atem-, außerdem sprachlos. Da ist es kaum ein Wunder, dass man "Die letzte Tochter von Versailles" partout nicht weglegen kann. Die Handlung zieht einen in den Bann. Stachniaks Worte, ihre Schilderungen und Szenenbilder haben eine enorme Sogwirkung. Sodass man es nicht einmal merken würde, wenn eine Bombe neben einem explodiert. Die kanadische Autorin ist ein ganz großer Glücksfall für die Leserschaft. Ihr Können berührt das Herz, fesselt vom ersten bis zum letzten Satz und setzt die Nerven unter Strom. Das hat Bestsellerqualität, und zwar weltweit und ohne jeden Zweifel ganz oben in den Listen!

Eva Stachniak schreibt Historienkino der fesselndsten Sorte. Wie kaum eine andere Autorin macht sie Geschichte(n) zu einem lebendigen, mitreißenden Erlebnis für alle Sinne. Die Lektüre von "Die letzte Tochter von Versailles" nimmt einen vollkommen gefangen. Über solch einen Genuss bekommt man von der Welt um sich herum nichts mehr mit. Absolut grandios, einfach nur zum Niederknien! Definitiv ein Zeugnis brillantester Erzählkunst!

Susann Fleischer 
08.11.2021

 
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Das Buch:

Eva Stachniak: Die letzte Tochter von Versailles. Aus dem Englischen von Peter Knecht

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Berlin: Insel Verlag 2021 600 S., 16,00 ISBN: 978-3-458-68169-4

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