Romane

Ein Historienschmker, der den Leser vom ersten bis zum letzten Satz vollkommen fesselt

Rom, 1542: Michelangelo gilt als einer der bedeutendsten Künstler der Stadt, sogar der Welt. Der Papst hält größte Stücke auf den Maler und beauftragt ihn, die Sixtinische Kapelle mit seinen Gemälden zu verschönern. Auch die Familie della Rovere hat Arbeit für den 68-Jährigen. Die fordert ihn auf, endlich das Grab des Rovere-Papstes Julius II. fertigzustellen, an dem er bereits seit vierzig Jahren arbeitet. Doch Michelangelo hat nicht nur jedes Vertrauen in die katholische Kirche verloren, sondern sich auch von Rom entfremdet, einer Stadt, in der das Verbrechen regiert und Landsknechte plündernd umherziehen. In seinem Zorn schließt sich Michelangelo der häretischen Sekte der Spirituali an. Doch damit hat er nicht nur seine Auftraggeber, sondern auch die Inquisition im Nacken.

Die Freudenhausbesitzerin Imperia hat eines ihrer besten Mädchen auf den Maler angesetzt. Malasorte hat in ihrem Leben viel Leid erfahren müssen. Mit Imperias Hilfe versucht die junge Frau nun mehr aus ihrem Dasein zu machen. Doch schon bald enttarnt Michelangelo seine Verfolgerin. Und so erfährt er, dass seine Feinde um seine Pläne längst Bescheid wissen. Noch wähnt Michelangelo den Papst auf seiner Seite. Aber wie lange noch? Hauptmann Vittorio Corsini, seit kurzem Oberbefehlshaber der Gendarmen des Sant'Uffizio, ist ihm dicht, viel zu dicht auf den Fersen. Heimliche Treffen mit Kardinal Reginald Pole bleiben nicht unbemerkt. Michelangelo und einige seiner engsten Freunden begeben sich auf höchstgefährliche Pfade. Ein Mordversuch aber schlägt fehl. Nicht aber der nächste ...?

Unterhaltung, die einen nach wenigen Sätzen ganz atem- und sprachlos macht - es gibt nichts Aufregenderes, als ein Buch von Matteo Strukul zu lesen. Den gebürtigen Paduaner kann man definitiv und ohne jeden Zweifel als Italiens König des historischen Romans bezeichnen. Dank seiner Geschichten unternimmt der Leser fesselnde Reisen in vergangene Zeiten; ist ganz nah am Geschehen, statt nur dabei. Nicht anders ist es mit "Das Geheimnis des Michelangelo". Man merkt gar nicht, wie die Stunden vergehen. Solch eine grandiose Lektüre lässt einen partout nicht mehr los. Chapeau, Strukul beherrscht das Schriftstellerhandwerk absolut meisterlich. Die Werke aus seiner Feder nehmen einen vollkommen gefangen; so sehr, dass man es nicht einmal mitkriegen würde, wenn eine Bombe neben einem explodiert.

Matteo Strukul schreibt Historienkino par excellence. Gleich ab der ersten Seite verfällt man seinen Romanen mit allen Sinnen, außerdem mit großer Freude. Denn zwischen zwei Buchdeckeln steckt Lesegenuss pur. "Das Geheimnis des Michelangelo" besitzt die Suchtwirkung von Drogen. Kaum aufgeschlagen, kann man mit dem Lesen partout nicht mehr aufhören. Das Besondere an dieser Lektüre: An der Seite des Protagonisten glaubt man tatsächlich durch die Gassen Roms zu laufen. Bild- und wortgewaltig ersteht diese Weltstadt wieder aus ihren Renaissance-Ruinen auf. Das ist von Seltenheit in der Literatur, und damit im Bücherregal!

Susann Fleischer 
19.10.2020

 
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Das Buch:

Matteo Strukul: Das Geheimnis des Michelangelo. Aus dem Italienischen von Ingrid Exo, Christine Heinzius

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Mnchen: Goldmann Verlag 2020 432 S., 12,00 ISBN: 978-3-442-49048-6

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