Romane

Ein Lektrehighlight, von dem einem ab dem ersten Satz ganz high wird

England, Juli 1945 bis Sommer 1947: Victory Day ist vorbei, der Jubel verklungen, der Alltag hält wieder Einzug. Die Kriegsjahre sind auch an der Familie Cazalet nicht spurlos vorübergegangen. Doch ihr Blick richtet sich nach vorn, die gesellschaftlichen Veränderungen eröffnen neue Möglichkeiten. Rupert ist zwar von der Front heimgekehrt, findet aber nur mit Mühe zurück ins häusliche Leben; Edward schwankt weiter zwischen seiner Frau Viola und seiner Geliebten Diana; und Hugh vergräbt sich in seiner Trauer um seine verstorbene Gattin. Derweil widmet sich Rachel wie gewohnt aufopferungsvoll ihren Familienangehörigen. Doch denkt sie dabei wirklich nur an die anderen? Jeder von ihnen sucht verzweifelt seinen Platz in der Gesellschaft, allerdings noch verzweifelter: sein wahres Glück.

Auch bei den Cazalet-Cousinen steht nicht alles zum Besten: Während Polly und Clary beruflich mehr und mehr auf eigenen Beinen stehen, erfahren sie in der Liebe erste Enttäuschungen. Und Louise, die sich in ihrer leidenschaftslosen Ehe gefangen fühlt, denkt ernsthaft über ihre weiteren Optionen nach. Endlich wagt sie es, auszubrechen, auch wenn der Preis, den sie für ihre "Freiheit" zu bezahlen hat, viel zu hoch ist. Die beiden Familienoberhäupter Brig und Duchy Cazalet lassen nichts unversucht, die Familie irgendwie zusammenzuhalten. Sie verlassen ihren geliebten Landsitz in Sussex, um in London nahe bei ihren Kindern und Enkeln zu sein. Allerdings ist das Familienidyll nur von kurzer Dauer. Erneut schlägt das Schicksal erbarmungslos zu. Die Cazalets haben einmal mehr schwer zu kämpfen ...

Unterhaltung, von der einen ganz schwindelig wird - die Romane einer Elizabeth Jane Howard bedeuten ein Lektüreerlebnis ohnegleichen. Denn das Schreibkönnen der Britin ist absolut unübertreffbar. Kaum "Am Wendepunkt" aufgeschlagen, verschlägt es einem ob solch grandiosester Literatur sogar den Atem. Und es haut einen glatt um. Die britische Schriftstellerin erschafft Lesekino, so betörend wie aus der Feder einer Jane Austen, zudem von höchstem erzählerischem Niveau. Ihre Geschichten berühren das Herz, und es schwirrt einem der Kopf ob solch eines Vergnügens. Howard lässt hier die Emotionen sprechen. Ihre Bücher sind eine einziger Gefühlsrausch, und etwas ganz Besonderes im Bücherregal. Auch das vorliegende ist ein Geschenk, definitiv ein Juwel, sogar Meisterwerk der Erzählkunst.

Nichts bzw. fast nichts macht einen taumelnder als Elizabeth Jane Howards Werke. Diese berauschen einen regelrecht. Und bedeuten Poesie zwischen zwei Buchdeckeln. Die fünfbändige "Chronik der Familie Cazalet" gehört mit zum Schönsten, geradezu Überwältigendsten, was man überhaupt in die Hände kriegen kann. Hier erfährt man eine Lektüre zum Niederknien. Teil vier, "Am Wendepunkt", ist mit das größte Glück für jeden Leser und jede Leserin. Einfach nur toll, toll, toll; außerdem Genuss pur zwischen zwei Buchdeckeln!

Susann Fleischer 
16.03.2020

 
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Das Buch:

Elizabeth Jane Howard: Am Wendepunkt. Aus dem Englischen von Ursula Wulfekamp und Karl-Heinz Ebnet

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Mnchen: dtv 2020 624 S., 16,90 ISBN: 978-3-423-14732-3

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