Romane

Der Beginn einer mitreienden Familiensaga

Lisette Winter wächst als Tochter eines wohlhabenden Bauunternehmers auf. Ihre Mutter Dora, aus ärmlichen Verhältnissen stammend, versucht mit allen Mitteln, Lisette zur perfekten jungen Dame aus gutem Hause zu erziehen. Sie soll möglichst wenig eigenständig denken und darauf warten, mit einem Mann der gehobenen Gesellschaft, möglichst einem Adeligen wie Baron Friedhelm von Stetten, verheiratet zu werden. Lisette jedoch möchte weder von gesellschaftlichen Konventionen noch von den korsettgestützten Kleidern der Vorkriegszeit eingeengt werden. Sie träumt von einem Dasein als Modezeichnerin, die bequeme Kleidung für Frauen entwirft und dadurch die Lebensqualität der Trägerinnen verbessert. In dem Schneider Emile erkennt sie eine verwandte Seele. Sie verliebt sich in ihn.

In einer Sommernacht 1906 verlässt die eigenwillige Lisette heimlich ihr Elternhaus. Im Rheingau, fernab einer konservativen Gesellschaft, wollen sie und Emile selbstbestimmt leben. Sie eröffnen ein Schneideratelier. Es ist anfangs ein ziemlicher Kampf. Das Paar hat kaum zu essen, lebt an der Armutsgrenze, ist aber trotz aller Probleme zufrieden mit seinem Leben. Schon bald sind Lisette und Emile bekannt für ihre extravagante Reform-Mode. Zu ihren Kundinnen zählen die wohlhabenden Damen aus dem nahegelegenen Taunus sowie bekannte Persönlichkeiten wie die Romanova, eine russische Sängerin von Weltruhm. Lisette ist endlich angekommen. Mit der Geburt von Sohn Henri scheint das Familienglück endlich perfekt. Doch dann bricht der Krieg aus und bringt neue Herausforderungen.

Hundert Jahre später hat auch Lisettes Urenkelin das Gefühl, nicht in ihr Leben zu passen. Maya Winter stellt sich die gleichen Fragen wie schon Lisette zuvor: Wie kann ich die Frau werden, die ich sein will? Sie begibt sich auf Spurensuche in die Vergangenheit. Fasziniert taucht sie in das unkonventionelle Leben der Urgroßmutter ein. Nach und nach entfaltet sich für Maya die bewegende Geschichte der Frauen ihrer Familie - und ihre eigene. Von Lisettes Mut inspiriert, beschließt Maya, ihrem bisherigen Dasein zu entfliehen. Sie will etwas Neues wagen, auch wenn dies bedeutet, Risiken einzugehen und die Beziehung zu Freund Yannick aufs Spiel zu setzen ...

Berührendestes Lesekino für das Herz und mit enorm hohem Suchtfaktor - Astrid Ruppert schreibt fesselnd, mitreißend und leidenschaftlich bis zum letzten Satz. Die Geschichten aus ihrer Feder sind wahre Meisterwerke der Erzählkunst. Deren Lektüre kommt einer Verführung für alle Sinne gleich. Mit der Trilogie um die Familie Winter kriegt man Literatur voller Spannung und Emotionen in die Hände. Definitiv Unterhaltung zum Niederknien! Band eins, "Leuchtende Tage", bedeutet Lesegenuss pur. Dieses Buch ist ein besonders wertvolles Geschenk im Bücherregal. Und es besitzt eine Sogkraft, der man sich partout nicht entziehen kann. Hier erfährt man Poesie mit einer noch nie dagewesenen berauschenden Wirkung. Absolut grandios, so überwältigend wie von einer Elena Ferrante verfasst!

Ein schöneres Leseerlebnis als mit Astrid Rupperts Familiensaga der drei Winterfrauen kriegt man nur selten in die Hände. "Leuchtende Tage" bedeutet eine unvergleichlich beglückende, außerdem sogar lebensverändernde Lektüre. Und zugleich wird einem über 480 Seiten lang ein Blick ins beginnende 20. Jahrhundert gewährt. So gestaltet sich das Lesen zu einer aufregenden Reise in die Vergangenheit. Die Autorin ist ein Ausnahmetalent unter Deutschlands Schriftstellerinnen. Ihren Worten erliegt man ab dem ersten Satz. Seufz!

Susann Fleischer 
23.12.2019

 
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Das Buch:

Astrid Ruppert: Leuchtende Tage

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Mnchen: dtv 2019 480 S., 15,90 ISBN: 978-3-423-26226-2

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