Romane

DER berraschungshit des Jahres 2019: Spa im berma dank Patrick deWitt

Frances und Malcolm Price sind wohl das unterhaltsamste Mutter-Sohn-Duo New Yorks. Ein Großteil von Frances' Bekanntheit beruht auf der Tatsache, dass sie, als sie den toten Körper ihres Mannes entdeckte, zu einem Skiwochenende aufbrach, anstatt die Behörden zu alarmieren. Gewöhnt an ein Leben voller Luxus, muss sie sich ad hoc etwas einfallen lassen, denn Frances hat das Erbe ihres Mannes jahrzehntelang verprasst und ist jetzt pleite. Um nicht auf der Straße zu landen, bleibt ihnen nur ein Ausweg: Zusammen mit dem Kater Kleiner Frank, den Frances für die Reinkarnation ihres Mannes hält, fliehen die Prices aus der Upper East Side nach Paris. Dort wollen sie ihr Glück auf die Probe stellen. Keine, sogar überhaupt keine gute Idee von den beiden, oder?!

Als Kleiner Frank verschwindet, begibt sich Familie Price auf eine Odyssee und trommelt allerlei skurriles Personal - darunter einen scheuen Privatdetektiv, eine dubiose Hellseherin und einen Hausarzt inklusive seines Weinlieferanten - zusammen, um den Kater wiederzufinden. Schon bald wird Francis und Malcolm viel zu deutlich klar: Ein Leben in der High Society kann ziemlich gefährlich sein. Denn wer hochfliegt, kann umso tiefer fallen. Und die beiden hängen mit ihren Nasen viel zu sehr über den Wolken. Für den Leser ist ihr American bzw. späterer French Way of Life ein witzig-spritziger Zeitvertreib für länger als einen Nachmittag lang. Dieser lässt einen glatt von der Couch plumpsen. Hier werden Herz und Zwerchfell bewegt, und zwar über alle Maßen.

Literatur, die einen regelrecht zum Ausflippen bringt - im Bücherregal gibt es kaum etwas Genialeres als die Werke eines Patrick deWitt. Diese sorgen beim Leser für überlaute, unbändige Freudenschreie. Kaum "Letzte Rettung: Paris" aufgeschlagen, hat man Muskelkater vom Dauerschmunzeln. Und noch Tage nach diesem Vergnügen hat man beste Laune sowie eine extrabreites Lächeln auf den Lippen. Zwischen zwei Buchdeckeln steckt eine Komödie, die turbulenter, ebenso einfallsreicher nicht sein könnte. Diese überrascht einen so wunderbar wie eine Wundertüte: randvoll gefüllt mit Humor und Charme. Die Charaktere erobern auch Ihr Herz im Sturm! Sowohl Mutter als auch ihr Sohnemann sind nicht nur unkonventionell, sondern haben echt Stil; ähnlich wie deWitts Geschichten.

Herrlich, einfach nur herrlichst schräge Unterhaltung, welche man mit den Büchern aus Patrick deWitts Feder in die Hände kriegt. Während deren Lektüre kommt Langeweile garantiert zu keinem Satz auf. "Letzte Rettung: Paris" ist definitiv ein Juwel! Die Story macht mindestens solch amüsantesten, zudem abgedrehtesten Lesespaß wie einer der Jeeves-Romane von P.G. Wodehouse. Da wird einem, gleich ab der ersten Seite, ganz schwindelig vor lauter Lesebegeisterung.

Susann Fleischer 
07.10.2019

 
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Das Buch:

Patrick deWitt: Letzte Rettung: Paris. Aus dem Englischen von Andreas Reimann

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Kln: Kiepenheuer & Witsch 2019 320 S., 15,00 ISBN: 978-3-462-05233-6

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