Romane

Literatur, die ans Herz geht und es bricht

Berlin zur Zeit des Mauerfalls: Erika zur Linde, Mitte vierzig und Lehrerin von Beruf, erfährt, dass ihr Vater Ulrich, ein einst gefeierter Schriftsteller, sich überraschend an seinem Schreibtisch erschossen hat, drei Tage nachdem ein gewisser Paul Singer ihm geschrieben hatte. Erika ist schockiert über diese Tat. Warum? Diese Frage lässt sie nicht mehr los. Als Erika im Nachlass stöbert, fällt ihr das Tagebuch ihrer Mutter Sophie in die Hände. Gebannt fängt sie zu lesen und stößt dabei auf einen gewissen Felix Auerbach: einen blonden, attraktiven Juden und Schulfreund ihres Vaters. Während Ulrich als Offizier in den Krieg musste, hielt Sophie Auerbach bei sich versteckt, dabei geriet die Welt der regimetreuen Neunzehnjährigen ins Wanken - in mehr als einer Beziehung.

Deutschland, 1939-1945: Während Europa und andere Länder in der Dunkelheit des Zweiten Weltkrieges versinken, steht Sophie ein ganz anderer, nicht minder schwerer Kampf bevor. Sie und Auerbach entwickelten Gefühle füreinander, obwohl Sophie und Ulrich sich die Ehe versprochen haben. Ihr Gewissen setzt Sophie immer mehr zu. Dann kehrt Ulrich verletzt von der Front nach Hause zurück. Und Sophie wird schwanger. Plötzlich droht das vermeintliche Glück alles zu zerstören. Als Erika vierundvierzig Jahre später mit den Geheimnissen ihrer Eltern konfrontiert wird, zerbricht für sie eine Welt. Es geht um Verrat und Betrug. Und um Mord. Was Erika bei ihren Nachforschungen erfährt, bringt alles in Gefahr: ihr Erbe, den Ruf ihres Vaters und nicht zuletzt ihre eigene Identität ...

Unterhaltung, deren Sogwirkung einen vollkommen in den Bann zieht - es gibt nur wenige Autoren vom Talent eines Nicolas Remin. Er verführt den Leser zu Gefühlskino zum Weinen schön. Seine Geschichten lassen niemanden lange unberührt. Mit diesen kriegt man ein Lesevergnügen voller Emotionen, aber auch Spannung in die Hände. "Sophies Tagebuch" trifft mitten ins Herz, sodass es einem nach nur wenigen Sätzen bricht. Und trotzdem kann man Remins Worten partout nicht widerstehen. Diesen erliegt man mit allen Sinnen. Seine Poesie ist von größter Seltenheit, etwas ganz Besonderes. Von dieser fühlt man sich ganz überwältigt. Was Remin schreibt, hat eine noch berauschendere Wirkung als Drogen. Von solch betörendster Erzählkunst wird einem ganz schwindelig. Definitiv zum Niederknien!

Nicolas Remin ist ein unfassbarer Glücksfall für die (deutsche) Literatur. Die Romane aus seiner Feder bedeuten einen Genuss, der schöner kaum sein könnte, außerdem kaum mitreißender und fesselnder. Während der Lektüre von "Sophies Tagebuch" braucht man gleich mehrere Packungen Taschentücher. Denn hier erfährt man ein Erlebnis, das kein Auge lange trocken lässt. Absolut grandios!

Susann Fleischer 
27.05.2019

 
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Das Buch:

Nicolas Remin: Sophies Tagebuch

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Reinbek: Kindler Verlag 2018 416 S., 20,00 ISBN: 978-3-463-40695-4

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