Romane

Ein Fantasyerlebnis der Superlative, noch genialer als jeder Hollywood-Blockbuster

Vor langer Zeit wurde die Erde in 21 Archen zerschlagen, die seither wie Inseln am Himmel schweben. Auf solch einer lebt Ophelia. Sie möchte nichts sehnlicher, als sich hinter ihrer dicken Brille und einem Schal, der ihr bis zu den Füßen reicht, zu verstecken. Dabei verfügt sie über besondere Fähigkeiten. Sie ist eine Leserin und Spiegelreisende. Dazu muss sie nur ihre Handschuhe abstreifen. Dann kann sie die Empfindungen von Gegenständen erspüren und ist imstande, ihre Vergangenheit nachzuvollziehen und außerordentlich verlässlich darüber Auskunft zu geben. Ihre Gabe scheint Segen und Fluch zugleich. Auf Ophelia lastet aber eine noch schwerere Bürde: Die Matriarchinnen von Anima beschließen, dass Ophelia ihre Familie verlassen muss, um auf die eisige Arche Pol zu ziehen und den Adligen Thorn zu heiraten.

Was hat es mit der Verlobung auf sich? Wer ist der Mann, dem sie von nun an folgen soll? Und warum wurde ausgerechnet sie, das zurückhaltende Mädchen mit der leisen Stimme, auserkoren? Ophelia begibt sich auf eine abenteuerliche Reise zum Pol. Dort erwarten sie ihre furchteinflößende Schwiegerfamilie, der Drachenklan, sowie die Trugbilder der Miragen. Von nun an kann Ophelia niemandem mehr trauen, nicht einmal ihren zukünftigen Ehemann Thorn oder sich selbst. Ophelia muss auf der Hut sein, um den zahlreichen Fallstricken ihres neuen Lebens zu entgehen. Sie ist umgeben von Intriganten, die für ihre Ziele vor (fast) nichts zurückschrecken. So versucht man zum Beispiel, Ophelia einen Mordversuch anzuhängen. Zum Glück weiß sie einflussreiche "Freunde" auf ihrer Seite. Doch die haben ihre eigenen Pläne mit ihr.

Ophelia hat die Wahl: Entweder gibt sie sich mit ihrem Schicksal ab und damit ihre Ideale auf. Oder sie kämpft endlich. Ophelia entscheidet sich für Letzteres. Zuerst allerdings warten auf die junge Frau ganz andere Herausforderungen. Sie muss anderen glauben machen, sie wäre ein Diener im Dienste von Thorns Tante Berenilde. Die spielt falsche Spielchen mit Ophelia, im Irrglauben, in der Gunst des Mannes, den sie liebt, höher zu steigen. Um ihr Treiben zu beenden, wagt Ophelia alles und könnte noch mehr verlieren ...

Ein Fantasyhighlight mit absolutem "Wow!"-Effekt - es gibt kaum etwas Besseres, als die Bücher von Christelle Dabos zu lesen und sich in diesen vollkommen, mit allen Sinnen zu verlieren. Die "Spiegelreisenden"-Saga gehört auf der Liste der Lieblingsbücher nach ganz weit oben, wenn nicht sogar auf Platz eins. Was man mit dieser in die Hände kriegt, ist solch grandiose Unterhaltung, dass es einen glatt vom Hocker haut. Und vor lauter Begeisterung bekommt man sich während der Lektüre partout nicht mehr ein. Man kann kaum glauben, wie überragend genial die Schriftstellerin schreibt. Nach nur wenigen Sätzen von "Die Verlobten des Winters" verschlägt es einem ob strahlend-schöner Fantasy nicht nur Atem, sondern außerdem die Sprache. Harry Potter war gestern, jetzt erobert Ophelia die Leserherzen im Sturm.

Christelle Dabos ist eine außerordentlich begnadete Geschichtenerzählerin, außerdem eine unvorstellbar talentierte Zauberin, deren Worte wahre Wunder zu wirken scheinen. Wie nur wenige andere ihrer Zunft sorgt sie für Lesekino, gemacht für die ganz große Leinwand. "Die Zeitreisende" zeugt von der funkelnden, originellen Magie der Geschichten aus J.K. Rowlings Feder. Diese Fantasy ist nahezu unübertrefflich. Daran reicht fast nichts anderes heran. Mit Band eins, "Die Verlobten des Winters", gelingt der französischen Autorin ein Überraschungshit, der seinesgleichen sucht. Es toppt einfach alles, was in den letzten Jahren erschienen ist.

Susann Fleischer 
11.03.2019

 
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Das Buch:

Christelle Dabos: Die Spiegelreisende - Die Verlobten des Winters. Aus dem Franzsischen von Amelie Thoma

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Berlin: Insel Verlag 2019 535 S., 18,00 ISBN: 978-3-458-17792-0

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