Romane

Literatur, die das Herz berhrt

Obwohl für die Polizei alles nach einem tragischen Unfall aussieht, ist Laura Milton überzeugt: Ihr Mann Frank wurde ermordet. Doch niemand will ihr glauben. Da fällt ihr ein anonymer Brief in die Hände: Sein Leben sei in höchster Gefahr, er solle fliehen, steht darin. Im englischen Exmoor, Franks Heimat, hofft Laura Antworten auf ihre Fragen zu Franks Tod zu erfahren. Doch über Lynybrook Hall liegt ein finsterer Schatten. Das alte, verfallene Herrenhaus wird für Laura zum Schlüssel in die Vergangenheit. Darin begegnet ihr die erschütternde Geschichte der Lady Victoria Milton, die bis weit in die Gegenwart, sogar bis in Lauras Leben hineinreicht. Das Schicksal von Franks Vorfahrin lässt Laura nicht mehr los. Also beginnt sie nachzuforschen, mit ungeahnten schlimmen Folgen.

Milton Castle, Ende des 19. Jahrhunderts: Nach dem Tod ihres Vaters, wird die zwanzigjährige Victoria ein ansehnliches Vermögen erben. Ihr Vormund Richard indes hat seine eigenen Pläne mit ihrem Geld und verbringt sie nach Lynybrook Hall, einer Anstalt für geisteskranke Frauen. Dort werden die "Patientinnen" misshandelt. Einige von ihnen sterben, wie zum Beispiel bei der Therapie des Ertrinkens oder bei der Kältepackung. Victoria versucht zu fliehen, aber jeder Versuch endet in einer Einzelzelle. Victoria schwinden immer mehr die Kräfte. Sie ist kurz davor aufzugeben. Gäbe es da nicht Arthur, einer von Richards Bediensteten, der ihr zur Flucht verhilft. Als sich Victoria, fest entschlossen, ihr Erbe wiederzuerlangen, nach Jahren aus der Deckung wagt, ist ihr Unheil besiegelt.

Laura stößt auf ein Gespinst aus Intrigen, Lügen und Geheimnissen, das ein Jahrhundert überdauert und Leid und Tod über die Familie gebracht hat. Auch Laura droht sich darin zu verfangen, ebenso wie in ihre Gefühle für Nicholas, Nachkomme von Victoria Miltons Onkel Richard. Laura glaubt, er treibt ein falsches Spiel mit ihr. Oder ist es nicht andersherum. Ein Drama bahnt sich an. Und Laura muss befürchten, dass dessen Auswirkungen ihr Leben zerstören werden ...

Ein Erlebnis, das mitten ins Herz trifft und bei deren Lektüre einem Schauer über den Rücker hinunterlaufen - "Das Herrenhaus im Moor" überzeugt mit Emotionen pur, außerdem mit einer düsteren, beklemmenden Atmosphäre. Nach nur wenigen Seiten hat man eine (angenehme) Gänsehaut am ganzen Körper ob Felicity Whitmores Schreibkönnen. Sie ist ein Ausnahmetalent unter Deutschlands Autorinnen. Mit ihren Romanen macht sie dem Leser ein unfassbar schönes Geschenk, wie es sonst nur noch einer Kate Morton oder Lucinda Riley gelänge. Der vorliegende gehört ebenso in jedes Bücherregal wie schon zuvor "Der Klang der verborgenen Räume". Definitiv ein Juwel von großer Seltenheit! Überwältigenderes, aber auch eindringlicheres Kopfkino findet man nur bei wenigen anderen Schriftstellerinnen.

Die Bücher von Felicity Whitmore haben eine Sogwirkung, der man sich partout nicht entziehen kann. Sie fesseln einen über viele, viele Stunden lang. Und diese zeugen von der betörenden Erzählkunst einer Meisterin ihrer Zunft. Während deren Lektüre verschlägt es einem vor Spannung den Atem. "Das Herrenhaus im Moor" ist (Frauen-)Literatur auf höchstem Niveau. Leserinnen werden sich mit allen Sinnen in dieser Geschichte verlieren. Was man hier nämlich in die Hände kriegt, ist Unterhaltung, die einen vollkommen gefangen nimmt.

Susann Fleischer
25.02.2019

 
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Das Buch:

Felicity Whitmore: Das Herrenhaus im Moor

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Mnchen: dtv 2018 416 S., 9,95 ISBN: 978-3-423-21763-7

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