Romane

Ein grandios-komischer Roman über das Erwachsenwerden zwischen Stadt und Land

In Torfstede, mitten im Nirgendwo von Niedersachsen und zudem Platz vier der unbekanntesten Orte Deutschlands, ist ziemlich tote Hose angesagt. Außer vielleicht im "Village Rouge". Ein Besuch kommt für den 17-jährigen Marco zwar nicht in Frage, aber nichts spricht dagegen, das Bordell wenigstens aus der Ferne zu beobachten. Dann ist es mit dem ländlichen Frieden vorbei, als ein Mann in schwarzer Lederkluft kopfüber aus einem der Fenster fliegt und den Asphalt mit seinem Blut tränkt. Sekunden später stürmt eine junge Frau aus dem Etablissement und noch ehe Marco die ganze Situation mal in Ruhe mit seinen Hormonen ausdiskutieren kann, verspricht er ihr seine Hilfe: Die Leiche muss weg - und zwar nicht um die Ecke. Also, nicht lange überlegt und auf geht´s nach Wolfenbüttel.

Marco und die hübsche Unbekannte, die sich schließlich als Prostituierte Jana vorstellt, beschließen, den toten Mann, den blutüberströmten Stein, auf dem er aufgeschlagen ist, und seinen Wagen verschwinden zu lassen. Jeweils in einem anderen Bundesland, um es den ermittelnden Behörden möglichst schwer zu machen. Mit von der Partie ist Marcos Freundin Mareike. Zu dritt gehen sie auf eine rasante Tour durch Deutschland, die für alle Beteiligten mehr Überraschungen bereithält, als sie je erwartet hätten. Das viele Geld, das sie statt des Reservereifens im Kofferraum finden, noch nicht mal mit eingerechnet. Ihnen machen unter anderem ein Rocker, ein Obdachloser und ein Bär einen Strich durch die Pläne. Marco muss erkennen: Erstens kommt es immer schlimmer, als man zweitens denkt ...

Literatur, an die (fast) nichts anderes heranzureichen vermag - Horst Evers´ Erzählkunst ist unübertreffbar. Er ist ein Ausnahmetalent unter den deutschen Autoren. Seine Geschichten bringen den Leser schier zum Ausflippen, und jedes Leserherz zum Hüpfen, hoch und höher. In diesen wird der amüsante Lesespaß herrlichst auf die Spitze getrieben. Und trotzdem zeugen sie von solch einer Sprachvirtuosität, dass man nicht anders kann als zu staunen ohne Ende. Mit "Es hätte alles so schön sein können" kriegt man eine Wundertüte randgefüllt mit spritzigstem Wortwitz, überbordender Fabulierfreude und dem einen oder anderen schrägen Einfall in die Hände. Kein Wunder, dass hier die Lesebegeisterung keine Grenzen kennt. Es gibt definitiv kein besseres Mittel gegen Langeweile im Bücherregal!

Lachen ist Medizin! Deshalb sollte es die Romane von Horst Evers unbedingt auf Rezept geben. Diese bewegen Herz und Zwerchfell über alle Maßen. Vom Dauerschmunzeln kriegt man einen schlimmen Muskelkater. Wer seiner Laus auf der Leber den Kampf ansagen will, sollte unbedingt zu Evers greifen. Gegen den Schriftsteller und Kabarettist hat schlechte Laune nicht einmal den Hauch einer Chance, garantiert auch nicht während und lange nach der Lektüre von "Es hätte alles so schön sein können". Die Story ist nicht nur getränkt mit Humor, sondern überrascht auch mit leisen Tönen. Eben ganz wie das Leben!

Susann Fleischer
17.12.2018

 
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Das Buch:

Horst Evers:
Es hätte alles so schön sein können

Bild: Buchcover Horst Evers, Es hätte alles so schön sein können

Berlin: Rowohlt Berlin 2018
272 S., € 20,00
ISBN: 978-3-7371-0050-2

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