Romane

Eine turbulente Komödie, der es weder an spritzigem Wortwitz noch an Spannung oder Tiefgang fehlt

Das Leben in London als Bühnendarsteller ist nicht leicht, erst recht nicht im Jahre 1595 und unter der Fuchtel des eigenen Bruders. Richard Shakespeare ist verbannt, immer die Frauen in den Stücken zu spielen, sehnt sich jedoch so sehr nach einer Männerrolle. Es herrscht ein kalter Winter. Die Spielsaison ist erst mal auf Eis gelegt. Da die Münzen im Geldbeutel nicht nachwachsen, verdingt sich Richard nebenbei als Dieb und erleichtert die Börsen der besserbetuchten Gesellschaft um Schillinge, manchmal auch nur Pennys. Eine ehrliche Arbeit wäre Richard aber um einiges lieber. Zumal er nicht weiß, ob seine Karriere auf den Brettern, die für ihn die Welt bedeuten, nicht schon bald endet. Halbseidenes Gesindel sind diese Schauspieler in den Augen der puritanischen Obrigkeit, die alle Bühnen verbieten will.

Das interessiert die Londoner nicht. Die Stadt ist seit längerem vom Theaterfieber ergriffen, neu entstandene Schauspielhäuser vor den Toren der Stadt fassen Tausende Zuschauer, die sich mit Bühnenstücken, Tanz, Zoten und dressierten Bären unterhalten lassen. Vor allem viele im Hochadel lieben das Theater, und auch die Königin tut es. Zur Hochzeit einer hochgestellten Dame soll die Truppe ein neues Stück auf die Bühne bringen, eine Komödie mit dem Titel "Der Sommernachtstraum". Dieser Auftritt ist für Richard Shakespeare die Chance seines Lebens: Bruder William sieht ihn für die Rolle von Francis Flute (Darsteller der Thisbe, die Geliebte von Pyramus) vor. Eine mittlere Katastrophe für Richard: Er spielt einen Mann, der innerhalb des Stücks eine Frau verkörpert. Das darf nicht wahr sein, oder?!

Richard bleibt keine Wahl, als sich mit dem Drama bekannt zu machen, das so manchen Darsteller verzweifeln lässt. Niemand ahnt, dass die Aufführung in Gefahr ist. Denn dummerweise schläft die Konkurrenz nicht. Eine Schauspielgruppe um Lord Edward de Vere bringt das Stück illegaler Weise in seinen Besitz. Aber Richard weiß, wie die Uraufführung zu retten ist. Er wird das Stück zurückstehlen und damit William dazu bringen, ihn endlich zu respektieren, ihm endlich eine Männerrolle zu geben. Und dann fehlt ihm zu seinem Glück nur noch die Hand der schönen Silvia ...

Erzählkunst, an die nichts und niemand heranreicht - es gibt nichts Besseres, als die Romane von Bernard Cornwell zu lesen. Seine Bücher kann, geschweige denn: will man auch nur für einen kurzen Augenblick weglegen. Mit diesen kriegt man nämlich Historienkino der einsamsten Spitzenklasse in die Hand. "Narren und Sterbliche" erfreut den Leser über alle Maßen. Seite an Seite mit Protagonist Richard Shakespeare läuft man durch die Gassen Londons, erfährt ein Abenteuer, wie man solch eines nur seltenst zwischen zwei Buchdeckeln zu finden vermag. Der britische Schriftsteller schreibt absolut fulminant. Mit seiner Art der Poesie übertrifft er (fast) alles andere. Seine Bücher machen so atem- und außerdem sprachlos, als entstammen sie Ken Folletts Feder. Man fühlt sich regelrecht high von diesem Leserausch.

Wie kaum ein anderer Autor sorgt Bernard Cornwell für ein Lesevergnügen der genialsten Sorte. Er macht Literatur zu einem absoluten Highlight. Seine Werke gehören unbedingt in jedes Bücherregal. Diese bereiten so viel amüsantesten Spaß, dass einem nach nur wenigen Sätzen ganz schwindelig wird. "Narren und Sterbliche" löst Leseeuphorie über viele, viele Stunden aus. Die Story steckt voller Unterhaltung, die Langeweile nicht einmal den Hauch einer Chance lässt. Definitiv ein Geniestreich sondergleichen!

Susann Fleischer
08.10.2018

 
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Das Buch:

Bernard Cornwell:
Narren und Sterbliche. Aus dem Englischen von Karolina Fell

Bild: Buchcover Bernard Cornwell, Narren und Sterbliche

Reinbek: Wunderlich Verlag 2018
512 S., € 25,00
ISBN: 978-3-8052-0028-8

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