Romane

Science-Fiction at its best!

Wir schreiben das Jahr 2096: Die Erde hat eine Kolonie auf dem Mars gegründet, um neuen Lebensraum zu erschließen. Doch die will unabhängig sein: Während die Mars-Bewohner den Raubtierkapitalismus der Erde verdammen, halten die Erdenmenschen den roten Planeten für ein System unkontrollierter Alleinherrschaft. Zur Verständigung zwischen den Völkern sendet der Mars hundert Jahre später einige Jugendliche auf die Erde, unter diesen auch die kürzlich verwaiste Luoying, eine Enkelin des Mars-Generalgouverneurs und nach Meinung einzelner: ein Diktator ohne Skrupel. Fünf Jahre verbringt Luoying auf der Erde, treibt dort ihre Tanzstudien voran und genießt ihr Leben, während ihr Bruder Rudy zurückbleibt. Doch die unbeschwerte Zeit auf der Erde muss irgendwann ein Ende finden.

Gemeinsam mit einer Delegation, die unter anderem die Interessen der Erdregierungen vertreten, macht sich Luoying auf dem Weg nach Hause - nicht ahnend, dass plötzlich alles anders sein wird als früher, vor ihrer Abreise auf die Erde. Endlich sieht sie den loyalen und erfolgreichen Rudy in der roten Heimat wieder. Von ihm erhofft sie sich Antworten, vor allem auf die Frage, warum ihre Eltern sterben mussten. Und Luoying überkommen des Weiteren Zweifel an ihrer vorgegebenen Zukunft: Das Tanzen ist zwar ihre Leidenschaft, sogar große Liebe, aber für immer auf der Bühne stehen oder im Tanzsaal hart trainieren, will sie dann doch nicht. Aber das System lässt ihr diesbezüglich keine Freiheiten. Und auch sonst ist auf dem Mars alles von Zwängen geregelt.

Dann beendet ein Unfall Luoyings Karriere. Welchen Beruf soll sie nun ergreifen? Warum muss sie sich überhaupt entscheiden, was sie den Rest ihres Lebens machen wird, wie es das System fordert? Als Luoying herausfindet, dass sich ihre Mutter kurz vor dem Tod geweigert hatte, sich auf einen starren, vorherbestimmten Lebensweg zu begeben, fängt Luoying an aufzubegehren. Gegen alle Widerstände rebelliert sie mit immer schärfer werdenden Mitteln. Auf dem Mars mag soziale und wirtschaftliche Sicherheit herrschen anstelle der Unwägbarkeiten auf der Erde, doch was die jungen Leute vermissen, das ist die Kehrseite der Unsicherheit und des Unvorgesehenen: die Freiheit! Luoying kämpft und ist dabei, alles zu gewinnen oder zu verlieren ...

Ein Lektüreereignis, von dem einem nach nur wenigen Sätzen so high wird wie von nichts anderem - die Romane von Hao Jingfang haben eine ähnlich berauschende Wirkung wie Drogen. Und sie besitzen eine Sogkraft, der man sich partout nicht entziehen kann. Kaum "Wandernde Himmel" aufgeschlagen, verschlägt es dem Leser nicht nur den Atem, sondern außerdem die Sprache. Hier erfährt man Science-Fiction wie aus der Hollywoodschmiede. Die Story ruft ganz klar nach der großen Leinwand. Die Schriftstellerin kann schreiben, noch grandioser als viele Kollegen ihrer Zunft. Die Geschichten aus ihrer Feder sind Meisterwerke mit absolutem "Wow!"-Effekt. Sie lassen es insbesondere weder an fesselnder Spannung noch großen Emotionen fehlen. Also: unbedingt lesen, lesen, lesen!

Neben Cixin Liu ist Hao Jingfang eine der ganz Großen von Chinas SciFi-Autoren. An die einsame Spitzenklasse ihrer Bücher reicht (fast) nichts anderes heran. Diese bedeuten Science-Fiction-Kino in brillantester Blockbusterqualität. Mit "Wandernde Himmel" bekommt man ein Leseerlebnis in die Hände, das seinesgleichen sucht. Dieser 752-Seiten-starke Pageturner haut einen schon ab dem ersten Satz glatt um. Denn zwischen zwei Buchdeckeln steckt eine absolute Literatursensation. Besser geht´s definitiv nicht!

Susann Fleischer
22.10.2018

 
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Das Buch:

Hao Jingfang: Wandernde Himmel. Aus dem Chinesischen von Marc Hermann

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Reinbek: Rowohlt Polaris Verlag 2018
752 S., 16,99
ISBN: 978-3-499-27418-3

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