Romane

Eines der schönsten Lesegeschenke dieses Jahres

Württemberg, 1905: Die zwanzigjährige Mimi sieht sich mit einem Heiratsantrag konfrontiert. Doch die junge Frau träumt von einem anderen Leben als an der Seite eines Vikars. Sie will nicht den ganzen Tag am Herd stehen und sich um Haushalt, Ehemann und Kinder kümmern, sondern als Fotografin arbeiten, durch das Land reisen und das Schöne auf ihren Bildern für die Nachwelt festhalten. In einem Atelier in Esslingen findet Mimi eine Anstellung. Dort wird sie als "Mädchen für alles" missbraucht, lernt aber kaum etwas über das Fotografiehandwerk. Sechs Jahre später wagt Mimi endlich den Schritt in die Freiheit. Sie reist von Ort zu Ort, lichtet ihre Kunden in Alltagssituationen ab. Der Anfang ist mehr als schwer und mühsam, bis sie Königin Charlotte fotografieren darf.

Dann endet Mimis "Vagabundendasein" viel zu schnell, denn ihr Onkel Josef, einst selbst erfolgreicher Wanderfotograf, bedarf dringend ihrer Pflege. Um Josefs Gesundheit ist es nicht gut bestellt. Er leidet an der Schwindsucht. Der Arzt gibt ihm nur noch sechs Monate. Mimi reist auf die Schwäbische Alb, um sich um ihren Onkel zu kümmern. Kurzerhand übernimmt sie dessen Fotoatelier. Die Gewöhnung an das einfache, dörfliche Leben fällt Mimi zunächst schwer. Sie sieht sich in Laichingen den misstrauischen Blicken der Dorfbewohner ausgesetzt, da sie mehr als einmal mit ihrem Freigeist aneckt. Vor allem dem Webereibesitzer Gehringer ist sie ein Dorn im Auge. Er sieht es nicht gerne, dass die Fotografin neumodische Ideen in die Köpfe seiner Arbeiter pflanzt.

Mimi muss kämpfen, nicht nur für ihr Glück. Ihr liegt auch die Zukunft des Webersohns Alexander am Herzen. Er besitzt ein großes Zeichentalent. Seine Bilder beeindrucken Mimi und veranlassen sie dazu, ihrer Mutter zu schreiben. Die hat Kontakte zum Leiter einer Kunstschule. Mimi wird ebenso für Alexander zum Hoffnungsschimmer wie für dessen Freund, den burschikosen Gastwirtsohn Anton, der von einem anderen, besseren Leben träumt. Und dann ist da noch Hannes, der gut aussehende Amerika-Heimkehrer, der Mimis Herz höher schlagen lässt. Plötzlich scheint eine Ehe nicht mehr ausgeschlossen. Als Mimi am wenigsten damit rechnet, muss sie sich einer schweren Entscheidung stellen ...

Literatur, in die man sich ab der ersten Seite verlieben muss - größere Gefühle als bei Petra Durst-Benning findet man nur selten zwischen zwei Buchdeckeln. "Die Fotografin" verführt zu einem Historienerlebnis mit überwältigender Wirkung. Kaum "Am Anfang des Weges" zu lesen begonnen, fühlt man sich ganz berauscht, regelrecht schwindelig ob all der schönsten Emotionen. Die Story nimmt einen mit auf eine faszinierende Reise durch das Deutschland des frühen 20. Jahrhunderts. Solch ein Lesegenuss ist von großer Seltenheit. Es gehört unbedingt zu den Must-reads dieses Jahres. Die deutsche Autorin kann schreiben, noch dazu grandioser als viele ihrer Schriftstellerkolleginnen. Sie ist eine der besten ihrer Zunft. Mit ihren Geschichten übertrifft sie definitiv alle und auch alles!

Die Romane von Petra Durst-Benning sind Historienschmöker par excellence. Diese bedeuten fesselndstes Historienkino bis zum letzten Satz. Ihre "Die Fotografin"-Saga hätte selbst einer Heidi Rehn und wenigen anderen definitiv nicht spannender, emotionaler, schöner gelingen können. Mit "Am Anfang des Weges", kriegt man ein absolutes Lektürehighlight in die Hände. Band eins zeugt nicht nur von schönsten Emotionen, sondern außerdem von höchster Erzählkunst. Einfach nur zum Niederknien!

Susann Fleischer
10.09.2018

 
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Das Buch:

Petra Durst-Benning:
Die Fotografin - Am Anfang des Weges

Bild: Buchcover Petra Durst-Benning, Die Fotografin - Am Anfang des Weges

München: Blanvalet Verlag 2018
448 S., € 20,00
ISBN: 978-3-7645-0662-9

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