Romane

Ein Horror-Schauerroman auf literarisch höchstem Niveau: Vorsicht, Gänsehaut am ganzen Körper absolut garantiert, ebenso wie Alpträume über Wochen hinweg!

Geh die Slade Alley hinunter - schmal, feucht und leicht zu verfehlen, selbst wenn du sie suchst. Finde das kleine schwarze Eisentor in der Mauer zur Rechten. Keine Klinke, kein Schlüsselloch, aber wenn du es berührst, schwingt es auf. Tritt in den sonnendurchfluteten Garten eines alten Hauses, das dort unpassend wirkt: zu nobel für die schäbige Nachbarschaft, irgendwie zu groß für das Grundstück. Ein Fremder begrüßt dich und führt dich hinein. Zunächst möchtest du gar nicht mehr fort. Dann merkst du, dass du es nicht mehr kannst. Denn alle neun Jahre wird ein "Gast" ins Slade House eingeladen. Doch warum wurde er oder sie ausgewählt, von wem und zu welchem Zweck? Die Antwort findet sich dort am hinteren Ende des Flurs, oben am Absatz der Treppe. Etwas Böses treibt in dem Haus sein Unwesen. Und niemand ist vor diesem sicher.

Der letzte Sonntag im Oktober 1979: Die alleinerziehende Rita Bishop wird von Lady Norah Grayer zu einer Soiree im Slade House eingeladen. Begleitet wird die junge Frau von ihrem Sohn Nathan. Der ahnt, dass in dem Haus merkwürdige Dinge vor sich gehen. Aber für Flucht ist es längst zu spät. Mutter und Sohn werden niemals wieder gesehen. Erst neun Jahre später macht sich Detective Inspector Gordon Edmonds auf die Suche nach den beiden. Seine Ermittlungen führen den Polizisten zum Slade House. Dort trifft er die verwitwete Chloe Chetwynd. Während sie reden, hört Edmonds Kinder spielen, ist aber verwirrt, weil er keine sieht. Auch er wird ein Opfer des Slade House, und nach ihm noch weitere unschuldige Seelen. Gefahr geht vom Slade House aus, bis endlich jemand dieser Einhalt gebietet, wenn auch zu einem viel zu hohen Preis ...

Die Geschichten aus David Mitchells Feder - der Inbegriff von Erzählkunst in Perfektion. Diese bedeuten Literatur weit abseits von Nullachtfünfzehn. Ab den ersten paar Seiten von "Slade House". gruselt es einen ziemlich heftig. Und eiskalte Schauer jagen den Rücken rauf und runter. Denn hier erfährt man Spannung bis zum Geht-nicht-Mehr. Ab der ersten Seite verschlägt es einem die Sprache und außerdem den Atem. Der britische Autor beweist einmal mehr: Er ist ein Meister seines Fachs, ohne jeden Zweifel ein gottverdammtes Schriftstellergenie. Was er schreibt, versetzt den Leser in eine noch nie dagewesene Euphorie, zugleich aber auch in Schockstarre. Solch genialen Horror gelänge nur den wenigsten. Selbst einem Stephen King würde von dieser Lektüre der Angstschweiß auf der Stirn stehen. Hier wird einem das Fürchten gelehrt.

"Slade House" liest sich, als hätte Stephen King ("Es") gemeinsam mit Lewis Carroll ("Alice im Wunderland") die Story geschrieben. Einfach nur der absolute Lesewahnsinn zwischen zwei Buchdeckeln! Was man mit David Mitchells Büchern in die Hände kriegt, ist definitiv nicht zu übertreffen. Das vorliegende ist sogar noch besser als jede Droge. Von solch genialer Unterhaltung wird einem nach nur wenigen Sätzen ganz high und außerdem so schwindelig, dass es einen glatt umhaut.

Susann Fleischer
11.06.2018

 
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Das Buch:

David Mitchell:
Slade House. Aus dem Englischen von Volker Oldenburg

Bild: Buchcover David Mitchell, Slade House

Reinbek: Rowohlt Verlag 2018
240 S., € 20,00
ISBN: 978-3-498-04276-9

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